Ökologisch: Stadtwerkechef Peter Synowski lädt Stromkundin Dorothee von Koppen zu einer Probefahrt im Test-E-Auto ein. - © Horst Biere
Ökologisch: Stadtwerkechef Peter Synowski lädt Stromkundin Dorothee von Koppen zu einer Probefahrt im Test-E-Auto ein. | © Horst Biere

Oerlinghausen Die E-Autos kommen

Elektro-Mobilität: Die Stadtwerke zeigen, wie modernes, umweltfreundliches Autofahren in der Bergstadt Einzug hält. In Testwagen können Oerlinghauser Stromkunden zur Probe fahren.

Horst Biere

Oerlinghausen. Umweltfreundliche, lautlose Elektroautos nehmen auch in Oerlinghausen immer mehr Fahrt auf. Vier moderne Dienstfahrzeuge für die Stadtwerke und Stadtverwaltung können bereits mit Strom „betankt“ werden. In der nächsten Woche kommt ein neues E-Auto vom Typ Renault Zoe hinzu. Stadtwerkechef Peter Synowski spricht von einer Vorreiter-Funktion, die die kommunalen Dienstwagen haben, denn Elektromobilität und damit die Energie aus der Steckdose biete sich gerade für Bewohner einer Kleinstadt wie Oerlinghausen an. „Der ländliche Raum ist ideal geeignet für Elektromobilität, also Autos, Versorgungsfahrzeuge oder auch Zweiräder, die mit Strom betrieben werden“, sagt der Geschäftsführer. „Menschen auf dem Lande sind oft auf das zweite Auto angewiesen, denn wenn ein Familienmitglied mit dem Pkw zur Arbeit fährt, braucht die Familie in der Kleinstadt notwendigerweise ein zweites Fahrzeug.“ So ein Kurzstrecken- und Gelegenheitsauto ließe sich vorzüglich mit Strom betreiben. Um Erfahrungen zu sammeln, fahren seit einiger Zeit in Oerlinghausen Mitarbeiter der Stadtwerke mit E-Autos durch die Straßen. „Auch unsere Kunden haben schon die Fahrzeuge getestet“, erzählt Synowski, „und sie waren begeistert.“ Wer Stromkunde der Stadtwerke ist, kann sich nach Anmeldung auch ein „vollbetanktes“ Auto abholen und für zwei Stunden Probe fahren. Und wer die kleinen Flitzer einmal ausprobiert, der stellt schnell fest, dass das Fahren Spaß macht. Die Autos laufen geräuschlos und lassen sich sehr gut bewegen. Beim schnellen Anfahren stehen sie den herkömmlichen Diesel- oder Benzinfahrzeugen um nichts nach, und der Komfort ist erstklassig. Zwei Stunden etwa dauert es, um ein Fahrzeug zu 80 Prozent aufzuladen. Doch auch gewisse Nachteile haben die E-Autos. „Bei Tempo 140 ist Schluss“, sagt Peter Synowski, „auch beträgt die Reichweite je nach Belastung nur 100 bis 300 Kilometer – dann muss das Auto wieder an die Steckdose.“ Zweitautos für wenige Kilometer Aber wenn man sich einmal die Alltagsfahrten einer Oerlinghauser Familie ansehe, dann erkenne man, dass vor allem die Zweitautos stets nur für kurze Zeit und für wenige Kilometer genutzt werden. „Dann stehen sie ohnehin wieder in der Garage oder im Carport“, meint er. Entscheidend für die Umweltfreundlichkeit eines Elektrofahrzeugs sei die Frage, wie der Strom, der aus der Steckdose kommt, hergestellt wird. „Natürlich stammt die Energie des öffentlichen Stromnetzes weitgehend aus konventioneller Erzeugung. Doch ein erheblicher Teil unseres Stroms beziehen wir bereits aus erneuerbarer Energie“, sagt Synowski – also aus Photovoltaik-Anlagen oder aus den Blockheizkraftwerken, die überall im Stadtgebiet liegen. Luftverschmutzung erfordert Umdenken „Wer schon eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat und dadurch Strom ins Netz einspeist, der liefert praktisch den eigenen Treibstoff für sein Auto“, rechnet er vor. Auf vielen öffentlichen Gebäuden wie den Dächern der Stadtwerke oder der Helpuper Sporthalle liegen ebenfalls bereits Photovoltaik-Anlagen. Der Geschäftsführer ist überzeugt davon, dass das gegenwärtige Autofahren sich ändern wird, denn Luftverschmutzung und die übervollen Straßen erfordern zwangsläufig ein Umdenken. Auch die Mehrfachnutzung von Fahrzeugen durch verschiedene Personen („Carsharing“) gehöre in Zukunft dazu. Mit den Energieversorgern in anderen Städten und Gemeinden steht Synowski in engem Informationsaustausch, denn alle Kommunen haben ähnliche Verkehrsprobleme. „Die Elektromobilität kommt“ – das steht für Synowski fest. Oerlinghausen sei bereits auf einem guten Wege mit dem Betrieb von immer mehr E-Autos. „Vielleicht kommen wir ja einmal in die Nähe unserer großen europäischen Vorbilder. Echt fortschrittlich ist das norwegische Oslo, wo etwa ein Viertel der Autos mit Elektroenergie fahren“, sagt er.

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