Davon ist das Gericht überzeugt: Einer der beiden Angeklagten ist Anfang November in die Segelflugschule eingestiegen - © Karin Prignitz
Davon ist das Gericht überzeugt: Einer der beiden Angeklagten ist Anfang November in die Segelflugschule eingestiegen | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Gericht verurteilt Einbrecher-Duo aus der Flüchtlingsunterkunft

Prozess: Zwei Albaner aus der ZUE Oerlinghausen geben Straftaten zu

Kirsten Fuhrmann

Oerlinghausen / Detmold. Sie hebelten das Fenster des Oerlinghauser Friseurladens auf, stiegen in das Geschäft ein und stahlen Geräte und Bargeld im Wert von knapp 5.000 Euro. Ein Einbrecher-Duo musste sich am Dienstag vor dem Detmolder Jugendschöffengericht verantworten und wurde in mehreren Straftaten schuldig gesprochen. Mit gesenkten Köpfen sitzen die Angeklagten Adnan F. (20) und Enis K. (38) (Namen von der Redaktion geändert) aus Albanien zwischen ihren Rechtsanwälten und hören angestrengt zu. In der Mitte ein Dolmetscher, der ihnen die Worte von Richter, Zeugen und Staatsanwältin übersetzt. Deutsch sprechen die beiden Albaner nur gebrochen. Zu den Anklagepunkten wollen sie sich nicht äußern. Dass sie für den Einbruchsdiebstahl im Friseursalon verantwortlich sind, geben beide schnell zu, nachdem Richter Christian von Borries die eindeutige Beweislage gleich zu Anfang der Verhandlung darlegt hat. „Es gibt Kamerabilder, auf denen man Sie eindeutig identifizieren kann", sagt der Richter. „Das werden Sie nicht leugnen können." Nach kurzer Unterbrechung gestehen die Angeklagten und bekennen sich des Einbruchs schuldig. Untergebracht sind die Albaner derzeit in der Zentralen Unterbringungseinrichtung Oerlinghauser und besitzen keine gültige Aufenthaltsgenehmigung. Die Straftaten ereigneten sich zwischen November vergangenen Jahres und Februar dieses Jahres. Adnan F. wurde zudem zur Last gelegt, in kurzer Zeit drei weitere Wohnungseinbrüche begangen zu haben. „Wir haben in seinem Spind Diebesgut gefunden", sagt ein geladener Zeuge und Polizeibeamter, der zur Tatzeit für diverse Ermittlungen in Oerlinghausen zuständig war. „Auch die Schuhabdrücke, die wir vor Ort gefunden haben, stimmten mit seinen überein." Rechtsanwältin Deborah Weinert stritt das vehement ab. Ein gestohlenes Smartphone habe er beispielsweise von einem drogensüchtigen Georgier gekauft, das Diebesgut aus dem Spind gehöre ihm nicht und die Schuhe mit dem passenden Profil habe er gefunden. Der 20-Jährige ist wegen gefährlicher Körperverletzung und Hehlerei bereits vorbestraft. Schon vor mehr als einem Jahr sollte er abgeschoben werden. »Es wurde auch so viel zerstört« Enis K. soll zudem in die Segelflugschule und in mehrere Wohnwagen auf einem Campingplatz eingebrochen sein. Eine Wildkamera, die der ansässige Verein aufstellt hat, habe ihn erfassen können. Einem Wohnwagenbesitzer seien Bargeld, ein Laptop und mehrere Flaschen Wein entwendet worden. „Es wurde auch so viel zerstört, ich kann das nicht verstehen", sagt der Zeuge. Adnan F. wurde neben dem gemeinschaftlichen Einbruch in den Friseurladen wegen der Wohnungseinbrüche zu einer Jugendhaftstrafe von insgesamt drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. „So viele Zufälle, wie der Angeklagte vorgewiesen hat, sind dann doch unwahrscheinlich", sagt der Richter. „Das glaubt das Gericht nicht." Enis K. wurde wegen zusätzlichen zwei Diebstahlsfällen und Urkundenfälschung zu einer zweijährigen und zweimonatigen Haftstrafe verurteilt. „Der Haftbefehl bleibt wegen der bestehenden Fluchtgefahr aufrecht erhalten", sagt Richter Christian von Borries. Während der Verhandlung wurde deutlich, dass beide zurück in die Heimat wollen. Die Rechtsanwälte wollen wegen des Urteils in Berufung gehen.

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