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Bedroht: Von Bielefeld aus schwappte die Chinaseuche jetzt auch auf den Kreis Lippe über. Nach Aussage des Bielefelder Amtstierarztes Hans-Helmut Jostmeyer ist die Population der Stadtkaninchen praktisch zusammengebrochen. FOTO: DPA/ARNE DEDERT - © dpa
Bedroht: Von Bielefeld aus schwappte die Chinaseuche jetzt auch auf den Kreis Lippe über. Nach Aussage des Bielefelder Amtstierarztes Hans-Helmut Jostmeyer ist die Population der Stadtkaninchen praktisch zusammengebrochen. FOTO: DPA/ARNE DEDERT | © dpa

Oerlinghausen Chinaseuche tötet Tausende von Wildkaninchen

Ausgehend vom Stadtgebiet Bielefeld breitet sich tödliche Krankheit aus. Auch Hauskaninchen sind gefährdet. Veterinäre empfehlen Auffrischungsimpfungen

Sibylle Kemna
04.11.2015 | Stand 04.11.2015, 17:35 Uhr

Oerlinghausen. Dutzende von Wildkaninchen sind in den vergangenen Tagen in Oerlinghausen und seinen Stadtteilen verendet. Sie starben an der Chinaseuche. Die grassiert seit dem Sommer in Bielefeld und hat nun den Kreis Lippe erreicht. Auch Hauskaninchen können sich anstecken, eine Auffrischung der Impfung wird empfohlen. Für Menschen besteht keine Gefahr. Acht tote Kaninchen hat eine Lipperreiherin in den vergangenen Tagen auf ihrem Grundstück an der Oberen Reihe gefunden. Ein Wildkaninchen aus Helpup, das tot aufgefunden wurde, hat das Veterinäramt des Kreises Lippe untersucht und der Verdacht auf den mutierten Chinaseuche-Erreger hat sich bestätigt. Nach der Anfrage der Neuen Westfälischen, sah sich der Kreis Lippe veranlasst, in breitem Rahmen über die Seuche zu informieren. „Wir haben in einem solchen Fall eine Auskunftspflicht“, sagt Pressesprecherin Anne Lehmeier. „Der Erreger der China-Seuche ist verändert, ein neuer Virusstamm hat sich entwickelt“, berichtet Amtstierarzt Hans-Helmut Jostmeyer, stellvertretender Leiter des Bielefelder Amtes für Gesundheits-, Veterinär- und Lebensmittelüberwachung.. Die Population der Wildkaninchen sei dem ungeschützt ausgeliefert und die Erkrankungen enden zumeist innerhalb eines Tages tödlich. Tausende von Tieren seien über den Sommer und Herbst in Bielefeld bereits verendet. Der gesamte Kaninchenbestand in der Bielefelder Innenstadt im Bereich Stadthalle sei „faktisch zum Erliegen gekommen“, sagt der Amtstierarzt. „Wir hatten im Frühjahr die ersten Hinweise, der Erreger besetzt immer neue Regionen und jetzt sind die angrenzenden Kreise betroffen“, erläutert Jostmeyer. Der Erreger wird mit den Ausscheidungen der Kaninchen weitergetragen. Da sich auch Hauskaninchen anstecken können, wird empfohlen, den Impfschutz vom Tierarzt auffrischen zu lassen. „Unglaublich viele Leute kommen in den vergangenen Wochen für diese Impfung“, berichtet Tierärztin Sabrina Stritzel aus Brackwede. Sie warnt davor, dass auch Kaninchen, die ausschließlich im Haus gehalten werden, sich infizieren können – über Stiche von Insekten. Der Kombinationsimpfstoff biete keine hundertprozentige Sicherheit, betont die Tierärztin und empfiehlt den Einzelimpfstoff, der sich gegen den RHD-2-Erreger richtet.

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