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Der Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), hat seinen Rücktritt angekündigt.  - © picture alliance
Der Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), hat seinen Rücktritt angekündigt.  | © picture alliance

Hameln-Pyrmont Fall Lügde: Landrat tritt wegen Burn-outs zurück

Tjark Bartels stellt seine Erkrankung auch in Zusammenhang mit den hasserfüllten Reaktionen auf den Fall Lügde, insbesondere in den sozialen Netzwerken.

Carolin Nieder-Entgelmeier
11.10.2019 | Stand 11.10.2019, 15:32 Uhr
Janet König

Hameln/Lügde/Detmold. Der Landrat des niedersächsischen Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), hat seinen Rücktritt angekündigt. Bartels, der im Fall des tausendfachen Kindesmissbrauchs in Lügde wegen Behördenfehlern in die Kritik geraten war, erklärt in einer Videobotschaft, dass er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht mehr ausführen kann, weil er an einem Burn-out leidet. Bartels stellt seine Erkrankung auch in Zusammenhang mit den hasserfüllten Reaktionen auf den Fall Lügde, insbesondere in den sozialen Netzwerken. Bartels ist nach eigenen Aussagen bereits seit mehreren Monaten nicht mehr arbeitsfähig und will sich nun vollständig auf seine Gesundheit konzentrieren. In seiner Videobotschaft, die Freitagmorgen veröffentlicht wurde, gesteht Bartels erneut Behördenfehler im Fall Lügde ein. Das Jugendamt des Kreises Hameln-Pyrmont hat laut Bartels trotz mehrfacher Hinweise die Gefahr für die Kinder auf dem Campingplatz in Lügde nicht erkannt. "Das, was man hätte sehen können, wurde nicht gesehen", sagt Bartels. Behördenversagen im Jugendamt Das Jugendamt im Kreis Hameln-Pyrmont hatte den Haupttäter im Fall Lügde Anfang 2017 auf Wunsch der im Kreis Hameln-Pyrmont lebenden Mutter als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Weil es pädagogische Defizite gab, sei der Mann wöchentlich von einem Träger der Familienhilfe besucht worden, sagte Bartels Anfang des Jahres auf einer Pressekonferenz. Allerdings habe es im Frühjahr 2018 wegen eines Trägerwechsels eine achtwöchige Lücke gegeben. Kurz nach dem Bekanntwerden des Missbrauchskandals in Lügde hatte sich Bartels noch schützend vor seine Behörde gestellt, musste wenig später aber bekanntgeben, dass offenbar doch Fehler gemacht wurden. Der Grund: Ein Mitarbeiter des Jugendamts hatte zugegeben, einen fehlenden Vermerk in einer Akte nachträglich ergänzt zu haben. Bartels stellte den Mitarbeiter vom Dienst frei. Bartels war seit 2013 Landrat im Kreis Hameln-Pyrmont als Nachfolger von Rüdiger Butte (SPD), der in seinem Büro im Kreishaus erschossen wurde. Auch Lippes Landrat Axel Lehmann hatte als Chef der lippischen Polizei im Verlauf der Lügde-Ermittlungen viel Kritik einstecken müssen. Auf den Rücktritt seines niedersächsischen Amtskollegen reagiert Lehmann mit Verständnis. „Ich habe Tjark Bartels als engagierten Politiker und Landrat kennengelernt, dem die Entscheidung sicher nicht leichtfällt, aber wohlüberlegt getroffen wurde. Denn grundsätzlich geht die Gesundheit vor. In diesem Sinne wünsche ich ihm nun eine gute Genesung", erklärt Lehmann. Der lippische Landrat hatte sich teilweise ebenfalls mit Drohungen und beleidigenden Mails auseinandersetzen müssen. Ministerpräsident verurteilt Hassbotschaften Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat Hassbotschaften an Politiker in sozialen Medien verurteilt. „Ich würde mir wünschen, dass unsere ganze Gesellschaft noch achtsamer wird, was den Umgang miteinander anbelangt und mit Menschen, die in welcher Weise auch immer in der Öffentlichkeit stehen", sagte Weil am Freitag in Hannover. Der Ministerpräsident reagierte damit auf den Rücktritt des Hamelner Landrats Tjark Bartels (SPD), der im Missbrauchsfall von Lügde wegen Behördenversagens unter Druck geraten war. Weil betonte: „So verabscheuenswürdig auch die Verbrechen von Lüdge waren, sie rechtfertigen keinesfalls Hassbotschaften in sozialen Medien gegen politisch Verantwortliche oder gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Institutionen." Der Landrat habe die notwendigen Schlussfolgerungen in aller Konsequenz gezogen, damit sich solche Fehler wie im Fall Lügde nicht wiederholten.

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