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Der Untersuchungszeitraum beginnt vor fast 18 Jahren. - © picture alliance/dpa
Der Untersuchungszeitraum beginnt vor fast 18 Jahren. | © picture alliance/dpa

Lügde/Detmold Lügde-Ausschuss: Polizei und Jugendamt sollen Zusammenarbeit verbessern

Es gebe nun Informationen von Polizei Richtung Jugendämter, die „es vorher so nicht gegeben hat.“

12.09.2019 | Stand 13.09.2019, 15:44 Uhr

Düsseldorf (lnw). Nach der Verurteilung der beiden Hauptangeklagten im Missbrauchsfall Lügde beginnt jetzt die parlamentarische Aufarbeitung. Mit der Anhörung von vier Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss „Kindesmissbrauch" am Freitag seine Arbeit im Düsseldorfer Landtag aufgenommen. Der Ausschuss soll Versäumnisse und Fehleinschätzungen von Regierungsstellen und Behörden im Fall um den massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde untersuchen. „Wir hoffen, dass wir am Ende einen Handlungsempfehlungskatalog haben, damit so etwas nicht wieder vorkommt", sagte der Ausschuss-Vorsitzende Andreas Kossiski (SPD) am Rande der Sitzung der Deutschen Presse-Agentur.  Untersuchungszeitraum beginnt vor fast 18 Jahren Das Urteil gegen Andreas V. und Mario S. ist inzwischen rechtskräftig. Das hat das Landgericht Bielefeld mitgeteilt. Keiner der Rechtsmittelberechtigten (Angeklagte, Staatsanwaltschaft, Nebenklägerinen und Nebenkläger) habe innerhalb der Wochenfrist Revision gegen das Urteil eingelegt. Der Untersuchungszeitraum beginnt vor fast 18 Jahren. Am 28. Januar 2002 soll bei der Kreispolizei Lippe erstmals der Verdacht gegen den gerade verurteilten Haupttäter Andreas V. geäußert worden sein, ein acht Jahre altes Mädchen missbraucht zu haben. Erst im Dezember 2018 wurde der Dauer-Camper festgenommen. „Was fehlt sind fixe Kooperationsvereinbarungen." Die Ermittlungen gegen ihn und weitere Beschuldigte wurden von Pannen begleitet. So verschwanden unter anderem bei der Polizei 155 Datenträger. Der Ausschuss will auch beleuchten, warum die Jugendämter trotz entsprechenden Hinweisen nicht aktiv wurden, obwohl der Mann ein Pflegekind betreute. Matthias Lehmkuhl vom Landesjugendamt Westfalen sagte, die Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Polizei habe aus seiner Sicht in den letzten Wochen durch den Fall Lügde Auftrieb bekommen: Es gebe nun Informationen von Polizei Richtung Jugendämter, die „es vorher so nicht gegeben hat." In den Jugendämtern aus seinem Bereich gebe es zwar bisher viele Formen der Zusammenarbeit mit der Polizei - die seien aber völlig verschieden: „Was fehlt sind fixe Kooperationsvereinbarungen." Komplexe Zuständigkeiten von Jugendämtern Großen Raum nahmen die Erklärungen der Experten zu den komplexen Zuständigkeiten von Jugendämtern ein. So hatte das Jugendamt im niedersächsischen Hameln Andreas V. im nordrhein-westfälischen Lügde als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Ein Betreuungswechsel hin zum örtlichen Jugendamt fände - so die Experten - gesetzlich erst nach zwei Jahren statt. Das örtliche Jugendamt in Lippe hatte bereits erklärt, es hätte dem Vater die Pflegschaft nicht übergeben.  Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hatte das Landgericht Detmold in der vergangenen Woche Urteile gegen zwei Männer verkündet. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gegen den 56-jährigen Andreas V. Der 34-jährige Mario S. erhielt zwölf Jahre. Das Gericht ordnete zudem die anschließende Sicherungsverwahrung für die beiden Deutschen an. Vierter Untersuchungsausschuss Am Freitag sollen Formalien wie der Zeitplan des U-Ausschusses beraten werden. Danach sind drei Sachverständige für die Sitzung eingeladen, die rechtliche Rahmenbedingungen der Arbeit der Jugendämter und deren Schnittstellen zur Polizei erläutern sollen. Der insgesamt vierte Untersuchungsausschuss dieser Legislaturperiode war Ende Juni von CDU, FDP, SPD und Grünen mit einem gemeinsamen Antrag beschlossen worden. Im Landtag arbeiten bereits drei weitere Untersuchungsausschüsse zum Fall des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri, dem angeblichen Hackerangriff auf Ex-Ministerin Christina Schulze Föcking (CDU) und einem tödlichen Brand in der JVA Kleve.

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