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Dem Angeklagten Volker G. (Name geändert) wird vorgeworfen, seinen elf Jahre alten Sohn in mehreren Fällen misshandelt zu haben. Verteidigt wird er von Rechtsanwalt Jerrit Schöll. - © Gunter Held
Dem Angeklagten Volker G. (Name geändert) wird vorgeworfen, seinen elf Jahre alten Sohn in mehreren Fällen misshandelt zu haben. Verteidigt wird er von Rechtsanwalt Jerrit Schöll. | © Gunter Held

Leopoldshöhe Vater misshandelt Elfjährigen

Ein Leopoldshöher ist mit der Erziehung seines elfjährigen Sohnes überfordert und reagiert laut Gericht vollkommen unangemessen.

Gunter Held
25.11.2019 | Stand 25.11.2019, 19:21 Uhr

Leopoldshöhe / Detmold. Volker G. hat seinen elf Jahre alten Sohn misshandelt. Er hat sich auf die Brust des Jungen gesetzt und ihm ein Kissen auf das Gesicht gedrückt. In einem anderen Fall hat er, als er sich ebenfalls auf die Brust des Jungen gesetzt hatte, diesem ein Schnuffeltuch in den Mund gepresst. In einem weiteren Fall hat er seine Hände seitlich an den Kopf des Jungen gehalten und so stark zugedrückt, dass er den Jungen am Kopf hochgehoben hat. Diese Taten sah das Gericht unter Vorsitz von Richterin Anke Grudda als erwiesen an. Das Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung. Volker G. ist vor dieser Anklage nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er hat weder Alkohol- noch Drogenprobleme und er geht einer geregelten Arbeit nach. Das Gericht versuchte zu klären, wie es zu den Taten gekommen ist. Der Angeklagte schüttelte immer wieder den Kopf als Staatsanwältin Johanna Dämmig die Anklage verlas. Der Vater soll 97 Taten begangen haben, die gegen das Kindeswohl verstießen. In der Mehrzahl wurde ihm vorgeworfen, den Jungen zwischen 10 und 30 Minuten eingesperrt zu haben. Volker G. habe seinen Sohn bei scheinbarem Fehlverhalten bestraft – egal ob der Junge weinte oder Schmerzen litt. »Ihr Sohn hat sie geliebt« G. berichtete, dass die Ehe mit der Mutter seines Sohnes wegen einer Affäre, die sie gehabt habe kaputt gewesen sei und er die Scheidung gewollt habe. Nachdem die Trennung vollzogen war, blieb sein Sohn bei der Mutter. Dann aber häuften sich Klagen aus dem Kindergarten. Die Mutter bringe das Kind nicht pünktlich in die Einrichtung. Daraufhin sei sein Sohn zu ihm gezogen. G. habe zu dem Zeitpunkt wieder bei seinen Eltern in Leopoldshöhe gewohnt, ab April 2018 aber zusammen mit seiner neuen Partnerin in ein eigenes Haus gezogen. Sein Sohn habe als größtes Kind ein Zimmer im Keller bekommen. G. beschrieb seinen Sohn als schwieriges Kind, das bei Wutausbrüchen zu Gewalt gegen sich und andere neige. Der Elfjährige leidet an ADHS. G. beschrieb, dass er seinen Sohn bei Wutausbrüchen in dessen Zimmer geschickt und die Tür zugehalten habe, „bis er sich wieder beruhigte“. Er habe sich nie auf die Brust gesetzt und habe seinem Sohn nie ein Kissen auf das Gesicht gedrückt. Vielmehr habe sein Sohn sich das Kissen vor das Gesicht gehalten. Die Freiheitsberaubung sah Richterin Grudda womöglich begründet durch die elterliche Sorge, der Elfjährige wolle sich und anderen etwas antun. Die Staatsanwältin teilte diese Ansicht, so dass diese Vorwürfe eingestellt wurden. Nachdem G. die Erziehung seines Sohnes nicht mehr leisten konnte, wohnte der Elfjährige eine Zeit lang bei seinen Großeltern, bis auch die mit ihm überfordert waren. Heute lebt der Junge in einer betreuten Wohngruppe. Bei der Aussage des Elfjährigen wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Auch der Vater, Volker G. musste den Saal verlassen. Der Richterin gegenüber hatte der Junge gesagt, dass er Angst habe, wenn sein Vater im Raum sei. Außerdem schäme er sich, in der Öffentlichkeit zu erzählen, was ihm passiert sei. Richterin Grudda beschrieb, dass der Junge sehr glaubwürdig gewirkt habe. Und er habe, als sein Vater ihm das Kissen auf das Gesicht gedrückt hat, Angst gehabt, zu sterben. Anschließend sei er in Tränen ausgebrochen. Das Gericht habe nie den Eindruck gehabt, dass der Junge übertreiben würde. Er habe sich zurückgesetzt gefühlt, als sein Vater mit seiner neuen Partnerin zusammengezogen war – auch gegenüber deren beider Kinder. Man habe ihm nichts mehr geglaubt und er habe, im Gegensatz zu den anderen beiden Kindern, im Keller wohnen müssen. Er habe dann mit Aggression reagiert. In der Urteilsbegründung gestand Grudda Volker G. zu, überfordert gewesen zu sein – trotz der Hilfe, die er sich geholt habe. Die Übergriffe aber – „das geht gar nicht“. „Ihr Sohn hat sie geliebt – aber er hatte auch Todesangst.“

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