0
Ratgeber: Britta Cornelsen ist Physiotherapeutin und Heilpraktikerin. Die vielen Fragen ihrer Patienten haben sie dazu gebracht, die Antworten darauf zu einem Buch zusammenzufassen. Entstanden ist „Der kleine Stress-Helfer“ . - © Birgit Guhlke
Ratgeber: Britta Cornelsen ist Physiotherapeutin und Heilpraktikerin. Die vielen Fragen ihrer Patienten haben sie dazu gebracht, die Antworten darauf zu einem Buch zusammenzufassen. Entstanden ist „Der kleine Stress-Helfer“ . | © Birgit Guhlke

Leopoldshöhe Ein Ratgeber für stressgeplagte Menschen

Warum Britta Cornelsen einen Ratgeber für einen gesunden Umgang mit den Anforderungen des Lebens geschrieben hat

Birgit Guhlke
06.10.2019 | Stand 04.10.2019, 18:18 Uhr

Leopoldshöhe. Britta Cornelsen hat bestimmte Fragen immer wieder gehört. Die Physiotherapeutin mit verschiedenen Zusatzqualifikationen hat ihren Patienten diese Fragen auch immer wieder beantwortet. Wenn sie Hilfe suchen, wie sie mit Schmerzen, Verspannungen, den Folgen von Überforderung und dauerhaftem Stress umgehen können. Nun hat sie diese Antworten gesammelt und ein Buch veröffentlicht. „Der kleine Stress-Helfer" heißt es und ist es. An den Wänden im Empfangsraum und den Behandlungszimmern des Gesundheitszentrums an der Krentruper Straße hängen Meeresansichten. Aufnahmen vom Strand auf Sylt. Nordsee, Sandstrand, Dünenschilf, blauer Himmel. Es sind Lieblingsplätze und Lieblingsbilder von Britta Cornelsen. Die 34-Jährige hat sie bewusst ausgewählt für die Praxis, die sie zusammen mit ihrer Mutter Marianne Schraps führt. Die beiden wissen um den Wert schöner Gedanken, wissen, dass positive Regungen gut für Körper und Geist sein können. Umgekehrt gilt das genauso. Die Menschen, die bei ihr Hilfe suchen, kommen wegen ihrer Schmerzen. Halswirbelsäule, Rücken, Migräne. Viele waren bereits länger in Behandlung, bevor sie sich dann an Mutter und Tochter wenden. Sie bringen Arztbriefe, Röntgenbilder und MRT-Aufnahmen mit. Britta Cornelsen schaut sich Diagnosen und Aufnahmen an, fragt weiter, erklärt, was das bedeutet, was der Arzt da geschrieben hat. „Im Gespräch wird dann meist klar, dass es nicht nur eine Baustelle gibt, dass es also nicht nur um den Rücken geht." Oft erzählen ihre Patienten von Schlafstörungen, der permanenten Anspannung wegen des Stresses bei der Arbeit. Viele kommen nicht zur Ruhe, sind ausgelaugt Sie erzählen von Überstunden, dass sie ständig erreichbar sein müssten für den Chef, der auch am Wochenende Mails verschickt oder Nachrichten in betrieblichen WhatsApp-Gruppen postet. Dann gebe es noch die Anforderungen, die Ehepartner, Kinder, Eltern und Freunde stellten. „Viele kommen nicht zur Ruhe, sind ausgelaugt." Das betreffe Menschen jedes Alters, jedes Bildungsgrads, jeder beruflichen Fachrichtung. Der Mittzwanziger, der so unter Anspannungen leidet, dass er Massagetermine gebucht hat. Und bei dem sich schließlich herausstellte, dass er kaum Freunde hatte, ein geringes Selbstbewusstsein, dass er sich sehr schwer auf Neues einstellen könne bei der Arbeit. Dass ihn das alles belaste, stresst. „Wir haben geguckt, welche Stärken er hat und haben gefragt, was er braucht, um neue Situationen bewältigen zu können." Viele ahnten bereits, dass sie etwas ändern müssten. Britta Cornelsen versucht dann Wege aufzuzeigen, die sie auch in ihrem Ratgeber beschreibt. Dabei beschränkt sie sich nicht auf eine spezielle Therapie oder nur eine Entspannungstechnik. „Jeder sollte seinen Lieblingsweg finden." Entscheidend sei, sich Zeit für die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. „Man ist kein schlechter Mensch, wenn man mal Nein sagt", sagt Britta Cornelsen – wohl wissend, dass es die Neigung gebe, „Aber ich muss doch" zu sagen. Sie lacht. Manchmal, so sagt sie, nehme sie ihren eigenen Ratgeber selbst zur Hand, denn auch sie sei nicht davor gefeit, wieder in alte Muster zu rutschen. „Viele sind schon auf das Negative gepolt" Knapp zwei Jahre lang hat die Heilpraktikerin Physiotherapie, Hypnose-Therapeutin und Schmerztherapeutin an dem Buch gearbeitet. Bewusst habe sie Ursachen, Symptome und verschiedene Behandlungswege dargestellt. Sie verwendet kurze Sätze und einfache Sprache, macht deutlich, dass es sich nicht um eine medizinisches Fach- oder Lehrbuch handele. Aber eben auch um mehr als einen von vielen Ratgebern nur über Yoga oder eine Entspannungstechnik. Eine Zusammenstellung der Berufsbilder der verschiedenen Therapeuten ergänzt den Ratgeber. Die Illustrationen hat sie selbst gezeichnet. Die „gute Verständlichkeit" war ihr wichtig, „es ist ein Ratgeber, der einen stetig begleiten kann". Und möglicherweise auch länger begleiten muss. „Viele sind schon auf das Negative gepolt", sagt Britta Cornelsen, ihre Patienten rechneten schon mit Schmerzen oder Schwindel. „Aber wir legen die Behandlung auf Lösungen aus, nicht auf das Problem." Ein Ansatz, der nicht auf Knopfdruck funktioniere, aber „je mehr man etwas nutzt, umso selbstverständlicher wird es" – auch im Alltag. Die Ursache für Stressfolgen erkennen, dem etwas entgegensetzen mit verschiedenen Techniken, aber auch Selbstbeachtung beherzigen und sich Zeit nehmen, Stress zu reduzieren. Sei es mit einem Spaziergang, der Lieblingsentspannungsübung oder Neinsagen. Ziel sei es ja, stressfreier oder stressresistenter leben zu können, „am besten ist beides". Dafür etwas zu tun, sei möglich. „Diese Entscheidung muss aber jeder selber treffen."

realisiert durch evolver group