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Imposant: Die Marienburg aus dem 13. Jahrhundert, einst Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens, gehörte ebenfalls zum Besichtigungsprogramm wie die Städte Gdingen und Danzig. - © Eleni Konstantinidis
Imposant: Die Marienburg aus dem 13. Jahrhundert, einst Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens, gehörte ebenfalls zum Besichtigungsprogramm wie die Städte Gdingen und Danzig. | © Eleni Konstantinidis

Leopoldshöhe Leopoldshöher Jugendliche schließen Freundschaft mit Polen

Bei der Jugendbegegnung des Partnerschaftsvereins Leopoldshöhe entstanden viele Freundschaften zwischen deutschen und polnischen Jugendlichen.

Knut Dinter
11.08.2019 | Stand 11.08.2019, 16:55 Uhr

Leopoldshöhe. Trotz der langen gemeinsamen Geschichte bestehen über das Nachbarland Polen zahlreiche Vorurteile, über die Menschen kursieren abfällige Witze. 13 Jugendliche aus Leopoldshöhe wollten sich selbst ein Bild machen und nahmen in den Sommerferien ein Angebot des Partnerschaftsvereins an. In der Woiwodschaft Ermland-Masuren trafen sie eine Woche lang mit Gleichaltrigen zusammen. „Ich hatte keine besondere Vorstellung, was mich erwarten würde“, sagt Emily Rethmeier (16) nach ihrer Rückkehr. Sie nahm zum ersten Mal an einer Gruppenreise teil, eine Freundin hatte sie darauf aufmerksam gemacht. Übersetzungsprogramm Die Verständigung mit den polnischen Jugendlichen gelang mühelos. „Wir haben uns auf Englisch verständigt“, berichtet die Auszubildende. „Und wenn wir nicht mehr weiter wussten, haben wir ein Übersetzungsprogramm zu Hilfe genommen.“ Kennenlernspiele halfen bei der ersten Kontaktaufnahme. „Wir sollten uns der Größe nach aufstellen oder in alphabetischer Reihenfolge nach unseren Vornamen sortieren“, sagt Emily Rethmeier. Bei einem vergnüglichen Wettbewerb sollten sich die Gruppen gegenseitig möglichst viele Worte der jeweils anderen Sprache beibringen. Wer nach 15 Minuten am meisten behalten hatte, wurde zum Sieger erklärt. Charts Auch Sport führte die Jugendlichen schnell zusammen. Basketball und Völkerball sind so international, dass die unterschiedlichen Herkunftsländer ohne Bedeutung waren. Daneben war das Kartenspiel „Uno“ sehr beliebt. „Vor allem aber spielte Musik eine große Rolle“, berichtet Evi Hillgruber. Bis spät in die Nacht hinein stellten sich die Jugendlichen gegenseitig vor, welche Musik in ihrem Land gerade „in“ ist. „Ich wusste gar nicht, wie viele Lieder ich kannte, die aus Polen stammen“, sagt Evi Hillgruber. Die Gesamtschülerin singt sehr gern, am liebsten Songs der Achtziger- und Neunzigerjahre. Für sie war es der zweite Besuch im Nachbarland. Als Austauschschülerin war sie schon im vergangenen Herbst bei einer polnischen Familie zu Gast und freundete sich mit der Tochter an. Jetzt gab es ein Wiedersehen mit Justina, die ebenfalls an der Begegnung teilnahm. Durch digitale Medien waren sie in Verbindung geblieben. Von ihrer Unterkunft aus – eine Schule in Ilawa (Eylau) – unternahmen die Jugendlichen mehrere Ausflüge. Sie besuchten die Hafenstadt Gdingen, fuhren mit einer Fähre zur größten Binneninsel Europas und nahmen sogar die dreistündige Busfahrt nach Danzig in Kauf. Tretbootfahren „Die Stadt muss man gesehen haben, sie ist wirklich schön“, sagt Emily Rethmeier. Darüber hinaus blieb noch viel Freizeit zum Schwimmen und Tretbootfahren auf dem größten See Polens, zum Reden, Singen und Tanzen. Und immer wieder wurde zu Tisch gebeten. „Leider gab es viel zu viel zu essen“, sagt Evi Hillgruber mit einem Augenzwinkern. „Die Gastgeber meinten es einfach zu gut.“ Es sei aber interessant gewesen, neue Gerichte kennenzulernen. Die wichtigste Komponente waren die sauren Gurken, die traditionell zu jedem Mittag- und Abendessen gereicht werden. „Am Abschlussabend haben uns die polnischen Schüler sehr beeindruckt“, berichten beide Teilnehmerinnen übereinstimmend. „Es war eine Super-Präsentation ihres Landes.“ Vorgestellt wurden wichtige Sehenswürdigkeiten und berühmte Persönlichkeiten wie Johannes Paul II, Madame Curie und Frederic Chopin. Auch nach der Rückkehr bleiben die Kontakte bestehen. „Einigen Teilnehmern schreibe ich weiterhin“, sagt Evi Hillgruber. Die Jugendbegegnung hat ihr so gut gefallen, dass sie bei der nächsten wieder dabei sein möchte. Emily Rethmeier kommt zu dem Schluss: „Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Ich nehme nur angenehme Erinnerungen mit.“ Eleni Konstantinidis vom Partnerschaftsverein begrüßt, dass zwischen den Jugendlichen so viele Freundschaften entstanden sind. Um sie zu pflegen, überlegt der Verein, auch außerhalb der offiziellen Begegnungen ein persönliches Wiedersehen zu unterstützen.

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