Anonyme Auskunft: Angela Grünewälder und Hans Lotz geben Heinz Budde, Mitarbeiter von Infratest dimap, den ausgefüllten Zettel mit den Angaben zur Nachwahlbefragung. - © Knut Dinter
Anonyme Auskunft: Angela Grünewälder und Hans Lotz geben Heinz Budde, Mitarbeiter von Infratest dimap, den ausgefüllten Zettel mit den Angaben zur Nachwahlbefragung. | © Knut Dinter

Oerlinghausen/Leopoldshöhe Westlipper machen für die Hochrechnungen mit

Europawahl: Bekanntes Meinungsforschungsinstitut wählte für die Hochrechnungen im Fernsehen auch einen Oerlinghauser Stimmbezirk für die Wählerbefragung aus

Knut Dinter
26.05.2019 | Stand 26.05.2019, 18:13 Uhr

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Wie kann es sein, dass im Fernsehen schon unmittelbar nach Schließung der Wahllokale die ersten Trends bekanntgegeben werden? Zu den Hochrechnungen haben am Sonntag auch rund 200 Oerlinghauser beigetragen. Nach ihrem Urnengang im Stimmbezirk 08 im Evangelischen Altenzentrum haben sie einen Fragebogen für das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap ausgefüllt. Es war das einzige Wahllokal in Oerlinghausen, das daran teilgenommen hat. In einem Aufenthaltsraum des Altenzentrums brauchen die drei Wahlhelfer Kerstin Kochsiek, Jürgen Herche und Helmut Holthöfer nur zu warten. Die Wahlberechtigten kommen von allein. Infratest-Mitarbeiter Heinz Budde hingegen muss sich aktiv um Freiwillige bemühen. Er sitzt an einem Tisch am Eingang und versucht, mit den Wählern ins Gespräch zu kommen. Sie kommen ins Fernsehen Da der 76-jährige Bielefelder schon häufig Umfragen bei Wahlen begleitet hat, hat er einige Tricks im Repertoire. „Auf Sie habe ich schon den ganzen Tag gewartet“, flachst er. Oder er verspricht den vorbeieilenden Wählern, die schnell wieder nach draußen zur Sonne streben: „Sie kommen ins Fernsehen.“ Völlig falsch ist das nicht, denn auch die Meinungsäußerung der Oerlinghauser fließt in die bundesweit erhobenen Daten ein. Fragen wie „Welche Bevölkerungsgruppen wählen welche Partei?“ oder „Was war für Ihre Wahlentscheidung besonders wichtig?“ beschäftigen seit jeher Politiker, Journalisten, Wahlforscher und die breite Öffentlichkeit. Für die ARD wurde Infratest dimap mit der Aufgabe betraut, Prognosen, Hochrechnungen und differenzierte Analysen zu erstellen. Eine wesentliche Grundlage bildet die repräsentative Wählerbefragung am Wahltag. Heinz Budde hat dafür konkrete Vorgaben. Ab 8.40 Uhr muss er in sechs Blöcken die Wähler um Auskunft bitten. Die meisten brauchen nur anzugeben, welcher Partei sie ihre Stimme gegeben haben, zu welcher Altersgruppe sie gehören und ob sie weiblich oder männlich sind. Jeder zehnte Bogen ist umfangreicher Jeder zehnte Fragebogen ist umfangreicher. Auf der Rückseite befinden sich hier neun weitere Kästchen. Die Fragen betreffen zum Beispiel den Schulabschluss, den Beruf, die wirtschaftliche Situation, die Konfession sowie eine Einschätzung, ob die EU-Mitgliedschaft Deutschlands eher Vor- oder eher Nachteile mit sich bringt. Nach einer Stunde wertet Budde die ausgefüllten Zettel aus. Die Ergebnisse meldet er telefonisch zur Infratest-Zentrale in München, aber codiert. So gibt er nicht bekannt, ob die Oerlinghauser für CDU, SPD oder FDP stimmen, sondern spricht von B1, B4 oder B8. Bis 18 Uhr muss Budde bleiben. „Dann läuft alles nach einem festen Ritual ab“, sagt er. „Der Wahlleiter schließt die Tür, damit ist die Wahl beendet, dann macht er sie wieder auf.“ Der Infratest-Mitarbeiter verfolgt dann die Stimmauszählung und meldet die Ergebnisse wiederum telefonisch der Zentrale. Dort verdichten sich die Prognosen dann immer mehr. Die ausgefüllten Zettel schickt er per Post hinterher. Auch in Leopoldshöhe hatte Infratest einen Stimmbezirk ausgewählt. Der Mitarbeiter erschien allerdings erst um 18 Uhr im Wahllokal in der Kita am Starenweg, um schnell das Endergebnis zu notieren und weiterzugeben. Sowohl in Oerlinghausen als auch in Leopoldshöhe zeichnete sich bereits um 16 Uhr ein positiver Trend ab. In beiden Gemeinden lag die Wahlbeteiligung bei über 60 Prozent. „Das ist ein wirklich gutes Ergebnis“, erklärte Frank Sommer von der Gemeindeverwaltung Leopoldshöhe. Gerhard Mosig, Wahlleiter in Oerlinghausen, meinte: „Das ist ein richtiges Pfund. Wir liegen schon jetzt über der Beteiligung bei der vorigen Wahl und weit über dem lippischen Durchschnitt.“

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