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Thema „Ärztliche Versorgung“: Kreistagsabgeordneter Ralf Grünert (v. l.), Landtagsabgeordnete Ellen Stock, Landrat Axel Lehmann, Christian Kühnelt und Maik Banze vom SPD-Ortsverein Nord sowie Kreistagsabgeordneter Thomas Jahn haben intensiv darüber diskutiert. - © Thomas Dohna
Thema „Ärztliche Versorgung“: Kreistagsabgeordneter Ralf Grünert (v. l.), Landtagsabgeordnete Ellen Stock, Landrat Axel Lehmann, Christian Kühnelt und Maik Banze vom SPD-Ortsverein Nord sowie Kreistagsabgeordneter Thomas Jahn haben intensiv darüber diskutiert. | © Thomas Dohna

Leopoldshäöhe Magere Jahre für Patienten

Demographischer Wandel: Die ärztliche Versorgung in Leopoldshöhe und im Kreis Lippe wird sich nach Ansicht der SPD in den kommenden Jahren kaum verbessern

Thomas Dohna
16.05.2019 | Stand 15.05.2019, 18:05 Uhr

Leopoldshöhe. Wer zum Arzt muss, sollte planen – oder viel Zeit mitbringen. Diese allgemein bekannte Erkenntnis und wie auf diese Erfahrungen reagiert werden kann, war Thema einer Ortsvereinssitzung der SPD Leopoldshöhe-Nord im neuen Begegnungszentrum „B-vier“ in Asemissen. Es ging um die ärztliche Versorgung in der Großgemeinde und im Kreis Lippe. Auf dem Podium saßen neben anderen die Landtagsabgeordnete Ellen Stock und Landrat Axel Lehmann, der sein Konzept zu den Ärztlichen Versorgungszentren vorstellte. Die SPD-Kreistagsfraktion habe sich in der vergangenen Zeit viel mit dem Thema beschäftigt, sagte Christian Kühnel, Vorsitzender der SPD Nord, zur Einleitung. Als Spiegel dessen zeigte SPD-Kreistagsmitglied Ralf Grünert eine Presseschau der vergangenen Monate. Der Hausarztmangel in Schloß Holte-Stukenbrock, die Landarzt-Verpflichtung für Studenten, das Termingesetz des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, Bürgschaften von Kommunen zugunsten neuer Ärzte, fehlende Hebammen, Strafgebühr für Termin-Schwänzer und viele andere Themen zeigte Grünert auf. In Leopoldshöhe gebe es neun Allgemeinmediziner auf 7,5 Stellen. Im Bundesdurchschnitt kämen 939 Patienten auf einen Arzt. Leopoldshöhe liege in der Arztversorgung auf gleicher Höhe mit dem Kreis Herford, der als der am schlechtesten versorgte im Land gelte, sagte Grünert. Das Landarztgesetz der Landesregierung sei eine gute Idee, meinte Ellen Stock. Es werde aber erst in etwa elf Jahren wirken. Maximal 170 Landärzte seien dann zu erwarten. Etwa 25 Prozent aller Ärzte wollen Teilzeit arbeiten. Gerade Landärzte litten an der Budgetierung. Auch die Hilfsmittelverordnung sei hinderlich. "Wenn das funktioniert, lässt sich das weiter ausrollen" Landrat Axel Lehmann bestätigte dies. Die Ärzte von früher mit 70 bis 80 Wochenstunden gebe es nicht mehr. Der Versuch, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei ein Teil des Problems. Gerade in Lippe habe die Ärzteschaft ein hohes Durchschnittsalter. Die Hausärzte fänden immer weniger Nachfolger. Gleichzeitig würden die Lipper immer älter. Die Arztversorgungsquote betrage 77,3 Prozent. Ein Arzt betreue 1.200 bis 1.300 Einwohner. Ab 75 Prozent abwärts gelte eine Region als unterversorgt. Leopoldshöhe und Oerlinghausen gehörten zur Mittelregion Bielefeld. Bielefeld aber habe eine Versorgungsquote von 95 Prozent. Die Regionen lege die Kassenärztliche Vereinigung fest, sagte Axel Lehmann. Die Kriterien dafür seien unklar, ergänzte Grünert. Die Versorgung mit Fachärzten wird auf Kreisebene organisiert. „Es nützt in Leopoldshöhe keinem, wenn auf einen Facharzt in Barntrup verwiesen wird“, sagte der Landrat. Allerdings könne sich die Kassenärztliche Vereinigung die Fachärzte nicht backen. Kreis und Kommunen seien in der Pflicht für eine Daseinsvorsorge. „Wir können uns vorstellen, regionale Gesundheitszentren zu gründen“, sagte Axel Lehmann – je eines in Lügde, Bad Salzuflen und Oerlinghausen. Das Zentrum in Lügde werde vom Kreis, das in Bad Salzuflen vom Klinikum dort und das in Oerlinghausen von einem privaten Träger getragen. „Wenn das funktioniert, lässt sich das im Kreis weiter ausrollen“, sagte der Landrat. Ein regionales Gesundheitszentrum dürfe man sich nicht als reines Ärztehaus vorstellen. Dort seien auch die Beratungsleistungen des Kreises zur Pflege, eine Apotheke, eine Kindertagesstätte, Physiotherapeuten, Telemedizin und ähnliche Einrichtungen denkbar. Start solle 2020/2021 sein, kündigte Axel Lehmann an. Die Mitarbeiter dort seien Angestellte. Hoffnung setzt er auch auf die geplante Medizinische Fakultät an der Universität Bielefeld. „Wer dort ausgebildet wird, bleibt in der Region“, prophezeite Axel Lehmann.

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