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Wohnheim: Im Neubau des Heimathofes gibt es zwei Wohnungen. Eine ist von einer Familie bewohnt. In der anderen lebt eine Wohngemeinschaft junger Männer. Betreuer Amin Ahari sorgt mit kulturellem und sozialem Fingerspitzengefühl und Sprachkenntnissen dafür, dass Konflikte schnell ausgeräumt werden. Neben dem Heimathof gibt es weitere Unterkünfte, von denen eine schon geschlossen ist und zwei weitere geschlossen werden.  - © Thomas Dohna
Wohnheim: Im Neubau des Heimathofes gibt es zwei Wohnungen. Eine ist von einer Familie bewohnt. In der anderen lebt eine Wohngemeinschaft junger Männer. Betreuer Amin Ahari sorgt mit kulturellem und sozialem Fingerspitzengefühl und Sprachkenntnissen dafür, dass Konflikte schnell ausgeräumt werden. Neben dem Heimathof gibt es weitere Unterkünfte, von denen eine schon geschlossen ist und zwei weitere geschlossen werden.  | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Integration von Geflüchteten

Wohnungssuche: Sonderregelungen des Baurechtes laufen aus. Deshalb muss die Verwaltung bis zum Jahresende Unterkünfte für Familien und junge Männer finden

Thomas Dohna
10.05.2019 | Stand 09.05.2019, 18:58 Uhr

Leopoldshöhe. Die Sozialverwaltung der Gemeinde hat ein Problem. Bis zum Jahresende muss sie für acht Familien und etwa zehn junge Männer Wohnungen in Leopoldshöhe finden. Grund ist eine auslaufende Sonderregelung im Baurecht. Sie erlaubt es, im sogenannten Außenbereich mehr Wohnungen zu belegen, als normalerweise erlaubt.Die Mitarbeiter der Sozialverwaltung haben viele Überstunden geschoben. Sie mussten Wohnraum für die täglich ankommenden Geflüchteten finden. Die Verwaltung sah davon ab, Containersiedlungen zu bauen. Sie suchte stattdessen auf dem Wohnungsmarkt, fand jedoch nicht ausreichend Wohnungen.In dieser Situation war eine Ausnahmebestimmung zum Paragrafen 35 des Baugesetzbuches hilfreich. Darin ist geregelt, ob und – wenn ja – wie viele Wohnungen in einem Gebäude erlaubt sind. Der Grundsatz dieser Norm ist ein Bauverbot im Außenbereich. Damit soll eine Zersiedelung der Landschaft verhindert werden.Für Wohnhäuser gilt: Neubauten sind verboten, es sei denn, sie ersetzen ein gleichartiges Wohnhaus. In bestehenden Wohnhäusern dürfen maximal zwei Wohnungen eingerichtet werden. Die Sonderregel betrifft letztere Vorschrift. Sie erlaubte auch, im Außenbereich für drei Jahre mehr Wohnungen in Gebäuden einrichten zu dürfen, um die Geflüchteten unterbringen zu können.Leopoldshöhe hat viele solcher Außenbereiche. Die Verwaltung fand dort drei Gebäude, die sich für die Unterbringung von Familien und Alleinstehenden eigneten. „Diese Gebäude müssen wir jetzt räumen“, bedauert Andrea Rodekamp, Fachbereichsleiterin Soziales in der Gemeindeverwaltung. Eines sei seit Februar nicht mehr bewohnt, die beiden anderen müssten zum Herbst verlassen werden. Die Familien und Alleinstehenden wohnen und wohnten dort vor allem in der Form von Wohngemeinschaften. Die Verwaltung darf die Menschen nicht einfach in andere Orte ziehen lassen. „Sie unterliegen noch der Wohnsitzauflage“, sagt Rodekamp, dürfen also nicht in andere Orte umziehen.Vor allem die acht Familien machen ihr und ihrer Mitarbeiterin Silke Möller Sorgen. „Für die alleinstehenden Männer finden wir leichter Wohnungen, in denen sie in Wohngemeinschaften leben können“, sagt Rodekamp. Probleme gebe es kaum, ergänzt Amin Ahari, einer der Flüchtlingsbetreuer der Gemeindeverwaltung. Er achte darauf, dass die Männer kulturell und sozial zusammenpassen. Die Familien seien gut integriert. Die Kinder gingen zur Schule oder in den Kindergarten. Einige Erwachsene besuchten noch Sprachkurse, andere hätten Arbeit gefunden. „Das sind ordentliche Leute“, sagt Ahari. Sie kämen aus dem Irak, Syrien, Bangladesch und Pakistan.Die Unterbringung in privaten Wohnungen verteilt über das Gemeindegebiet trage zur Integration der Geflüchteten bei, sagt Sozialamtsleiterin Rodekamp, allein weil sie so mit den Nachbarn in Kontakt kämen. Rund 200 Geflüchtete leben in Leopoldshöhe. „Etwa 100 sind noch im laufenden Verfahren, die anderen 100 haben Arbeit gefunden“, erklärt Silke Möller von der Sozialverwaltung. Sobald die Wohnsitzauflage für die Betroffenen ausläuft, verändert sich etwas. Vor allem die jungen Männer zögen dann in die Städte, vereinzelt auch Familien, weil sie so näher an der Arbeit seien. „Die meisten Familien bleiben hier“, hat Möller festgestellt, schon allein deshalb, weil sie in die Nachbarschaft integriert seien und die Kinder Plätze in Schulen und Kindergärten hätten.

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