Die erste Sitzung: Heinrich Hansing hat noch Umschlag und Einladung zur ersten Sitzung des Rates der neuen Großgemeinde Leopoldshöhe, die heute vor 50 Jahren stattfand. - © Thomas Dohna
Die erste Sitzung: Heinrich Hansing hat noch Umschlag und Einladung zur ersten Sitzung des Rates der neuen Großgemeinde Leopoldshöhe, die heute vor 50 Jahren stattfand. | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Jahrestag: Die Wahl des ersten Bürgermeisters

Heute vor 50 Jahren: Die erste Sitzung des Rates der neuen Großgemeinde Leopoldshöhe

Thomas Dohna
11.04.2019 | Stand 10.04.2019, 17:06 Uhr

Leopoldshöhe. Heinrich Hansing ist 85 Jahre alt und ziemlich fit. Er kann sich noch gut an die erste Sitzung des Gemeinderates der neuen Großgemeinde Leopoldshöhe nach der Kommunalwal 1969 erinnern, am 11. April vor 50 Jahren. Damals saß der Bauer für die CDU im Rat. Es war eine denkwürdige Sitzung. Zum 1. Januar 1969 war das sogenannte Lemgo-Gesetz in Kraft getreten. Das Land hatte schon in den 50er Jahren begonnen, an einer Gebietsreform zu arbeiten. Es gab eine kaum unüberschaubar große Menge an kleinen und kleinsten Kommunen. Oft bestand die Verwaltung nur aus einem ehrenamtlichen Bürgermeister. Manchmal half ihm eine Schreibkraft. In den 60er Jahren gab es auf dem Gebiet des heutigen Kreises Lippe 75 kleine und kleinste Gemeinden, acht allein auf dem Gebiet des heutigen Leopoldshöhe. Nach und nach fasste das Land die kleinen Gemeinden zu sogenannten Großgemeinden zusammen. Heinrich Hansing war schon seit 1964 Mitglied des Rates der Gemeinde Asemissen. 1961 hatte er den an der Detmolder Straße gelegenen Hof von seinem Vater übernommen. Hansing hatte gerade seine landwirtschaftliche Meisterprüfung abgelegt. Er war auf die Asemisser Volksschule, die heutige Grundschule, gegangen, dann aufs Progymnasium in Oerlinghausen gewechselt. „Ich hatte anders als die meisten eine höhere Schulbildung“, sagt Hansing. Früh schon hatte sein Vater ihn gewarnt: „Junge, du gehst in keine Partei.“ Hansings Vater hatte es vermieden, während der Zeit des Nationalsozialismus in die NSDAP einzutreten. Nach dem Krieg brauchte er deswegen kein Entnazifizierungsverfahren zu durchlaufen und galt als unbelastet. „Er ist dann gleich Ortslandwirt geworden“, erinnert sich Heinrich Hansing. Als die Nachbarn kamen und Heinrich Hansing baten, sich für die Wahl in den Rat aufstellen zu lassen, lehnte er den Beitritt in eine Partei ab. Stattdessen gründeten die Nachbarn eine Freie Wählergemeinschaft. „Ich war auf der Liste mit dem zweiten Platz abgesichert“, berichtet Hansing. Er bekam den Ratssitz. Mit der Gebietsreform kam die Frage nach der Parteizugehörigkeit wieder. „Ich wusste nicht so richtig, was ich machen sollte.“ Da sei Erich Häfner von der CDU gekommen und habe ihn gebeten: „Machen Sie weiter.“ Die Union suchte damals je ein CDU-Mitglied aus jedem Dorf für den Rat zu gewinnen. Hansing ließ sich überzeugen und trat in die CDU ein. Am 23. März 1963 fand die Kommunalwahl statt. 6.830 Wähler hatten der SPD 16 Sitze verschafft, der CDU acht und der FDP drei. Heute vor 50 Jahren trat der Rat zu ersten Mal in der Hauptschule Leopoldshöhe zusammen. Schon vorher war klar, dass August Landermann, der bisherige Bürgermeister Asemissens, der erste Bürgermeister der Großgemeinde werden sollte. Klar war auch, dass Erich Häfner zu seinem Stellvertreter gewählt werden sollte. Von Dallwitz (CDU) sollte ihn vorschlagen. Löschfahrzeug für Schuckenbaum Die Atmosphäre dieser ersten Sitzung sei gut gewesen, erinnert sich Hansing. 43 Bürger nahmen als Zuhörer teil. Altersvorsitzender war Willi Rüter, der die Wahl des Bürgermeisters leitete. Neben den Wahlen zu den ehrenamtlichen Bürgermeistern standen die Geschäftsordnung und die Hauptsatzung für die neue Gemeinde auf der Tagesordnung. Die waren auch während der zweiten Sitzung des Rates am 23. April 1969 Thema. Deren fünfter Tagesordnungspunkt betraf schon das noch heute übliche Geschäft: die Anschaffung eines Löschfahrzeuges für die Feuerwehr Schuckenbaum. Hansing blieb bis 1984 im Rat. Zwei Jahre zuvor hatte er den Hof seiner Schwiegereltern mit übernommen. „Die Ratssitzungen begannen immer früher“, berichtet Hansing. In Asemissen hätten sie um 20 Uhr, in der Großgemeinde dann schon um 19 Uhr begonnen, später sogar um 17 Uhr, wenn es Ortsbesichtigungen gab. „Das war nicht mehr zu schaffen“, sagt Hansing. 1989 verließ er die CDU, aus Ärger um die Planung des Gewerbegebietes Asemissen, die seinen Hof bedrohte. Auch dazu hätte Hansing viel zu erzählen.

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