Der Neubeginn: Gleich nach der Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe 1969 müssen sich die Mitglieder des Rates und der Ausschüsse mit vielfältigen Aufgaben befassen. - © Archiv des Heimatvereins Leopoldshöhe, Repro: Knut Dinter
Der Neubeginn: Gleich nach der Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe 1969 müssen sich die Mitglieder des Rates und der Ausschüsse mit vielfältigen Aufgaben befassen. | © Archiv des Heimatvereins Leopoldshöhe, Repro: Knut Dinter

Leopoldshöhe Die Großgemeinde hat Geburtstag

Jubiläum: Vor 50 Jahren entsteht durch eine Gebietsreform im Altkreis Lemgo das neue Leopoldshöhe mit seinen acht bislang selbstständigen Ortsteilen

Leopoldshöhe. Am 1. Januar 1969 trat das „Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Lemgo“ in Kraft. Durch diese Gebietsreform wurden auch die acht, bis zu diesem Zeitpunkt noch selbstständigen Gemeinden Asemissen, Bechterdissen, Bexterhagen, Greste, Krentrup, Leopoldshöhe, Nienhagen und Schuckenbaum zusammengeschlossen. „Die Gemeinde erhält den Namen Leopoldshöhe“, hieß es in Paragraph 2 des Gesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Weg der Neuordnung war jedoch recht schwierig. Schon viele Jahre zuvor wurde in sämtlichen Bundesländern überlegt, größere Einheiten zu bilden. Denn es existierte eine Vielzahl von Klein- und Kleinstgemeinden. So gab es im früheren Kreis Detmold 92 Gemeinden, im damaligen Kreis Lemgo waren es insgesamt 75. Auch sämtliche Dörfer unterhielten eine eigene Verwaltung. Die Bürgermeister waren neben ihrem Hauptberuf ehrenamtlich tätig, häufig als Handwerker. Sie mussten unter anderem Haushaltspläne aufstellen und das Gemeindebüro leiten. Nicht selten kamen sie erst am späten Abend oder am Wochenende dazu, Personalausweise auszustellen oder einen Stempel unter Anträge zu setzen. Vor diesem Hintergrund kam 1963 im Schloss Brake erstmals ein „Arbeitsausschuss für eine Verwaltungsreform“ zusammen. Nach ausgiebigen Diskussionen beschloss der Kreistag 1965 dann einstimmig, im Kreis Lemgo Großgemeinden zu bilden. Die Asemisser hielten einen Zusammenschluss für untragbar Von vornherein fiel Leopoldshöhe eine Schlüsselrolle als Sitz der Verwaltung zu, obwohl sie flächenmäßig die kleinste Gemeinde war. Wie groß das neue Gebilde letztlich werden sollte, war jedoch umstritten. In den südlich gelegenen Orten Asemissen, Bechterdissen und Greste gab es die Vorstellung, eine eigene „ABG-Gemeinde“ zu gründen. In Nienhagen, Schuckenbaum und Bexterhagen wurde die große Lösung ebenfalls abgelehnt. Hier favorisierte man die Fünferlösung gemeinsam mit Leopoldshöhe und Krentrup, es gab bereits Erfahrungen mit dem gemeinsamen Schulzweckverband. 1967 bereiste dann eine Arbeitsgruppe des Innenministeriums den Landkreis und bekräftigte anschließend die vorgeschlagene Achterlösung für Leopoldshöhe. Der Kreistag schloss sich dem an, obwohl es in den betroffenen Gemeinden nach wie vor Widerstand gab. Ein Zusammenschluss sei „untragbar“, verlautete aus Asemissen. Die Ratsmitglieder verdeutlichten: „Es besteht seit Jahrhunderten zu der Gemeinde Leopoldshöhe wirtschaftlich, geographisch und verkehrsmäßig überhaupt kein Kontakt.“ In einem Vermittlungsversuch mit allen acht Bürgermeistern bot Oberkreisdirektor Hellmuth Krüger die eine oder andere „Starthilfe“ an. So sollte die L1010 zwischen Asemissen und Leopoldshöhe ausgebaut werden. Bis dahin wirkte die Straße mit ihren vielen Kurven wie eine natürliche Trennlinie. Der schärfste Kritiker wurde Bürgermeister Auch der Leopoldshöher Bürgermeister Rudolf Brinkmann leistete Überzeugungsarbeit. Seinen Amtskollegen schlug er eine Außenstelle der Verwaltung im Süden der künftigen Großgemeinde vor. Schließlich kündigte er in einem Schreiben an, seine „öffentliche Arbeit wird nach erfolgter Neugründung aus Altersgründen beendet sein“. Dies sollte sich als kluger Schachzug erweisen. Die Argumente Brinkmanns überzeugten die übrigen Bürgermeister. Nur August Landermann, seit 18 Jahren ehrenamtliches Gemeindeoberhaupt in Asemissen, blieb bei seiner Ablehnung. Bis zuletzt befürwortete er eine Verbindung mit Oerlinghausen. Als dann am 11. April 1969 erstmals ein Bürgermeister der neuen Großgemeinde zu bestimmen war, fiel die Wahl auf Landermann – einstimmig. Der Historiker Burkhard Meier kommentierte dies in seiner Chronik über Leopoldshöhe mit den Worten: Es war „also überraschenderweise der schärfste Gegner der acht Ortsteile umfassenden Großgemeinde.“

realisiert durch evolver group