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Leopoldshöhe Sparen kann teuer werden

Bürger haben kaum Möglichkeiten, die höheren Abwassergebühren auszugleichen

VON DIETER ASBROCK
06.10.2014 , 08:41 Uhr
Andreas Friedrich vom Abwasserwerk zeigt die poröse Struktur eines Drainagesteins, die Bilder vor ihm verschiedene Möglichkeiten, Pflaster mit und ohne Versickerung zu verlegen. Auf lehmhaltigen Boden sei der Versickerungseffekt aber eher gering. - © FOTO: DIETER ASBROCK
Andreas Friedrich vom Abwasserwerk zeigt die poröse Struktur eines Drainagesteins, die Bilder vor ihm verschiedene Möglichkeiten, Pflaster mit und ohne Versickerung zu verlegen. Auf lehmhaltigen Boden sei der Versickerungseffekt aber eher gering. | © FOTO: DIETER ASBROCK

Leopoldshöhe. Die Erhöhung der Abwassergebühren um rund 30 Prozent hat zu Jahresbeginn für viel Unmut gesorgt. Können die Bürger irgendwo sparen, um die Mehrausgaben auszugleichen?

Andreas Friedrich vom Abwasserwerk der Gemeinde sieht durchaus Möglichkeiten, beim Frisch-, Regen- und Abwasser etwas zu sparen. Er mahnt aber auch, immer das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Auge zu behalten: "Zu viel sparen kann sonst teuer werden."

Die Regenwasserbeseitigung etwa koste den durchschnittlichen Haushalt 200 bis 300 Euro pro Jahr, abhängig von der Größe der versiegelten Fläche. Natürlich könne man überlegen, ob man auch mit einem Pkw-Stellplatz weniger am Haus auskomme. Bei 15 Quadratmetern seien das 20 Euro Ersparnis im Jahr: "Das bringt nicht sehr viel", sagt Friedrich.

Man könne auch versickerungsfähiges Pflaster mit mindestens 40 Prozent Fugenanteil verlegen, etwa die bekannten Rasengittersteine, um Gebühren zu sparen. Was auf den lehmhaltigen Leopoldshöher Böden nicht immer den gewünschten Erfolg bringt. Deshalb ist Friedrich auch skeptisch bei Drainage-Pflastersteinen, durch die Wasser hindurchlaufen kann, zumal die irgendwann verstopft seien.

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Hintergrund und Tipp

Die Gebührenerhöhung resultiert aus der Umstellung der Abschreibungen des Abwasserwerks vom Anschaffungswert auf den höheren Wiederbeschaffungswert der technischen Einrichtungen. Das bringt der Gemeinde Mehreinnahmen von 1,2 Millionen Euro und verhindert, dass sie in die Haushaltssicherung rutscht. Auf viele Kostenfaktoren hat die Gemeinde keinen Einfluss, etwa die seit 2004 von 7 aus 11 Millionen Euro gestiegene Kreisumlage. "Die vier Millionen Euro Differenz hätten wir gerne für andere Dinge ausgegeben", so Andreas Friedrich. Wer seinen Garten intensiv bewässert, Regen- bzw. Brunnenwasser im Haushalt nutzt und diese Mengen von seiner Gebührenrechnung abziehen lassen will, muss sich einen geeichten Wasserzähler einbauen lassen. Näheres weiß Cordula Franke vom Abwasserwerk, Tel.  (0 52 08) 991-279.

Wirklich sparen könnten Häuslebauer, die beim Neubau auf ein Gründach setzen. Die Hälfte der Dachfläche werde dann ohne besonderen Nachweis abgezogen, außerdem sorge ein Gründach für gute Wärmedämmung und ein gutes Wohnklima. "All dies sollte aber bereits bei der Planung eines Hauses bedacht werden. Eine Nachrüstung ist in der Regel wirtschaftlich nicht sinnvoll", so Friedrich. Er weiß, dass viele Sparmöglichkeiten sich erst nach Jahrzehnten amortisieren.

Deswegen ärgert er sich auch über Firmen, die vollmundig Rekordeinsparungen verkünden, die sich nicht erzielen lassen: "Da wird zum Teil mit kriminell falschen Zahlen gearbeitet." Der Einbau einer Regenwasser-Zisterne in den Garten etwa koste gut und gerne 2.500 Euro, die jährliche Ersparnis liege bei nur 26 Euro pro Jahr.

Theoretisch könne man Regenwasser als Brauchwasser für Toilette und Waschmaschine nutzen. "Ich persönlich möchte mein Hemd nicht mit Wasser vom Hausdach waschen, auf dem Vögel sich erleichtert haben", sagt Friedrich. Brunnenwasser sei da schon sehr viel sauberer. Einen Brunnen zu bohren, koste mehrere hundert Euro. Bei einem Frischwasserpreis von 1,40 Euro pro 1.000 Liter lohne sich das weder für die Gartenbewässerung noch für den Haushalt, zumal es mit dem Bohren nicht getan sei.

Das Sparpotential im Haushalt selber sei begrenzt. Wer beim Einseifen unter der Dusche das Wasser abstelle, könne einige Liter sparen, und ein gut gepflegter Rasen verkrafte auch eine Trockenperiode, ohne einzugehen. Wasch- und Spülmaschinen kämen heutzutage mit extrem wenig Wasser aus.

Andreas Friedrich ist kein Freund von Wasserspartasten an der WC-Spülung. "Wenn Sie das große Geschäft nicht mit genügend Wasser wegspülen, bleibt es in der Leitung liegen. Und wenn die verstopft ist, wird‘s teuer." Erst recht, wenn kein Kontrollschacht den Zugang zum Abwasserrohr erleichtert. Zu wenig Abwasser ist auch in der Kanalisation ein Problem. Was liegen bleibt, fängt an zu riechen. Dann muss nachgespült werden.

Die Gebühren und das Wassersparen hingen eng miteinander zusammen. Man habe im Abwasserbereich etwa 80 Prozent Fixkosten. Werde weniger Wasser verbraucht, müssten die Kosten auf das geringere Volumen verteilt werden . Wer sich mit dem Gedanken an Sparmaßnahmen trage, dem empfiehlt Friedrich, zur Beratung ins Rathaus zu kommen.