Lemgo Peace und lange Haare: Lemgoer Brüder bauen Skateboard-Manufaktur auf

Friderieke Schulz

Lemgo. Seit ihrer Kindheit sind Marc und Niklas Helweg vom Boardsport begeistert. „Im Winter das Snowboard, im Sommer das Surfbrett. Aber es gibt einfach mehr Asphalt als gute Wellen, und da ist das Skateboard perfekt", sagt Niklas Helweg und lacht. Deswegen hatte er natürlich auch sein Skateboard im Gepäck, als er seinen Zwillingsbruder auf dessen Reise durch Australien besuchte. „Mein Board war aber zu diesem Zeitpunkt schon etwas pappig, also habe ich ihm eine neue Form gegeben, es etwas überarbeitet", erzählt der 28-Jährige. Es war der Schlüsselmoment für die Gründung einer Skateboard-Manufaktur. Denn das Board hielt nicht nur den gesamten Urlaub, sondern die Brüder waren auch vom Fahrgefühl begeistert. Zurück in Deutschland, begannen die beiden Lemgoer, gemeinsam im Keller an ihrer Idee zu feilen. „Dafür haben wir uns von den Wurzeln im Skateboardbau inspirieren lassen." Bis der erste Prototyp stand, verging einige Zeit. Heute bilden sieben Schichten kanadischen Ahorns die Basis, umschlossen von Edelfurnier: „Das gibt unserem Board seinen charakteristischen Look", sagt Niklas Helweg. Doch vor allem eines unterscheidet das Skateboard aus Lemgo von den Konkurrenten: „Normale Skateboards haben nur auf ihrer Unterseite einen Aufdruck. Den kann der Skater selbst nicht sehen, und er ist relativ schnell abgenutzt, vor allem wenn man Stunts macht." Die Abnutzung verhindern die Zwillinge mit einer speziellen Versiegelung. Zudem sieht der Skater auf ihrem Board nicht nur eine schwarze Platte, sondern ein Muster, das an eine Feder erinnert. „Wir haben uns von der Natur inspirieren lassen und wollten das Holz zeigen. Es ist unser Style, wurde aber auch schon als ,Indianergraphics‘ bezeichnet", sagt Marc Helweg. Dass ihre Boards sie selbst widerspiegeln, wird spätestens beim Blick auf das Logo deutlich: ein Peace-Zeichen mit langen Haaren – passend zum Firmennamen. Die Idee dazu hatten aber nicht die beiden Lemgoer, sondern ein gemeinsamer Freund der beiden. „,Peace und lange Haare‘ war seine Abschiedsfloskel. Wir fanden sie schon immer witzig, und irgendwie passt sie ja auch ganz gut zu uns", erzählen die 28-Jährigen lachend. „Also haben wir ihn gefragt, ob wir seine Floskel zu unserem Firmennamen machen können." Sie durften. Die Fertigungshalle, die sie mit der Firmengründung vor drei Monaten bezogen haben, bietet einen Einblick in die Arbeit. Die Presse, die sie selbst entwickelt haben, Schleifmaschinen und natürlich auch eine Halfpipe, auf der sie neue Formen direkt testen können und so die Arbeit mit dem Freizeitspaß verschmelzen lassen. Aber das tun sie eh. „Sich jetzt beruflich mit dem zu beschäftigen, was einen privat so begeistert, ist einfach mega", sagt Niklas Helweg. Und nicht nur sie selbst sind von ihren Boards begeistert. Die Resonanz sei großartig, die Bestellungen kämen aus aller Welt, und die Aufträge nicht nur von Skatern. Denn die Boards überzeugen mit ihrer Optik auch als Kunstobjekt – zum Beispiel im Bilderrahmen. Ein Verwendungszweck, mit dem die beiden nicht gerechnet haben, der sie aber dennoch sehr freut: „Es ist mit das größte Lob für unser Design." Dennoch ist es nicht so einfach, sich auf dem Markt zu platzieren, erzählen die Zwillinge. „Die meisten Skatershops haben Kooperationen mit den großen Playern. Es ist schwer, uns als Manufaktur im Sortiment platzieren zu können. Wir müssen echt Klinken putzen." Aber die Lemgoer sind von ihren Boards überzeugt und sehen großes Potenzial. Schließlich liegt Skaten im Trend und wird 2020 sogar olympisch. Kein Wunder, finden die Zwillinge: „Ein Skateboard ist der perfekte Begleiter. Es ist viel handlicher als ein Fahrrad, und man ist damit genauso schnell."

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