Lemgo/Frankfurt am Main Lemgoer Firma renoviert ein altes Stück Frankfurt

Zimmererwerkstatt Kramp & Kramp restauriert historisches Fachwerkhaus am Domrömer

Lemgo/Frankfurt am Main. 20 Meter hoch, 13 Meter lang und fast 400 Jahre alt ist die "Goldene Waage" am Domrömer in der Frankfurter Altstadt. Besser gesagt: Wäre sie, wenn sie nicht 1944 wie viele andere Gebäude im Bombenhagel zerstört worden wäre. 70 Jahre später soll die Frankfurter Altstadt wieder aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs auferstehen. Ein Unternehmen aus Lemgo ist ganz vorne beim Wiederaufbau und der Restauration dabei. "Jetzt zeige ich Ihnen die Replik des einzig erhaltenen hölzernen Originalteils der Goldenen Waage", sagt Maik Ebert, als er die schweren Eisentore der Lagerhalle in Lemgo Liemke aufschiebt. Ebert leitet das Bauprojekt für die Firma Kramp & Kramp. In der Lagerhalle stehen die gewaltigen hölzernen Wände des Gebäudes, das in einigen Wochen in Frankfurt aufgebaut werden soll. "Mitte Oktober wollen wir mit dem Transport und dem Aufbau in der Altstadt beginnen", sagt Ebert. Eigentlich sollte die Einzelteile der Goldenen Waage schon im Sommer aufgebaut werden, doch der Ablauf verzögerte sich. "So etwas passiert bei solch komplexen Großprojekten", sagt Ebert. Die Goldene Waage ist längst nicht das einzige Projekt von Kramp & Kramp. Die Altbauspezialisten haben in den vergangenen 50 Jahren über 5.000 historische Gebäude detailgetreu restauriert. Aktuell arbeiten knapp 90 Mitarbeiter an 120 Projekten gleichzeitig.Millionen-Projekt Das Auftragsvolumen für den Wiederaufbau der Goldenen Waage beziffert Ebert allein für die Zimmerarbeiten, Fenster und Türen auf 1,1 Millionen Euro. Ebert streicht mit der Hand über einen detailliert geschnitzten Holzbalken. Seine Finger gleiten über eine Szene aus der Bibel. Abraham hält seinen Sohn Isaak an der einen Hand und hebt ein Schwert gen Himmel - bereit, den Sohn auf Befehl Gottes zu erschlagen. Doch ein Engel hält das Schwert fest und rettet so den Sohn. Das Bild ist in einen ganz besonderen Balken geschnitzt - die Replik des einzigen Überbleibsels der Goldenen Waage. Von 1619 bis 1944 stand das Haus des niederländischen Händlers Abraham von Hameln am Römer - dem Zentrum der Frankfurter Altstadt. Dann fielen die Bomben - und machten das Gebäude und praktisch die gesamte Altstadt dem Erdboden gleich. Von den hölzernen Bestandteilen der Goldenen Waage überlebte nur ein einziger Balken die Zerstörung. Vom historischen Museum in Frankfurt lieh die Firma den Eckstiel aus.Alte Fotos zur Orientierung "Wir wollen das Haus so konstruieren, wie es vor dem Bombardement aussah", sagt Ebert. Um den Rest des Hauses originalgetreu wiederherzustellen, musste die Firma auf alte Fotografien, Zeichnungen und Postkarten zurückgreifen. "Ein Architekt hat diese ausgewertet und Zeichnungen in Originalgröße angefertigt. Daraufhin begannen die Schnitzarbeiten." Das Renaissance-Gebäude entsteht als Fachwerkhaus, getragen von Holzbalken. Nur das Erdgeschoss werde aus Stahlbeton gebaut, erklärt Ebert. Auch die hölzernen Verzierungen übernimmt Kramp & Kramp. Und mit denen waren die Holzbildhauer der Firma gut beschäftigt: 70 Quadratmeter Fassade - eine Fläche so groß wie drei Fußballtore - mussten sie per Hand aus dem teilweise 500 Jahre alten Holz schnitzen. Das hohe Alter soll das Gebäude noch ursprünglicher wirken lassen, erklärt Ebert: "1945 hatte das Haus auch schon über 300 Jahre auf dem Buckel. Das soll authentisch dargestellt werden." Nach geschätzten 7.500 Stunden Zimmerarbeit soll die Goldene Waage dann gegen Ende 2016 das Frankfurter Stadtviertel zwischen Dom und Römer in ihrem alten Glanz zeigen.

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