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Horn-Bad Meinberg Nach der Messerattacke in Horn: Opfer weiterhin in Lebensgefahr

Ex-Freund sollte für die Beziehung "büßen"

Von Thorsten Engelhardt
17.06.2013 | Stand 17.06.2013, 16:54 Uhr
Sind Nacktfotos Motiv für Bluttat in Horn? - © Horn
Sind Nacktfotos Motiv für Bluttat in Horn? | © Horn

Horn-Bad Meinberg. Der Nebel über dem Verbrechen am Bahnhof Horn (Kreis Lippe) lichtet sich etwas. Nach jetzigem Ermittlungsstand hat ein türkischstämmiges Ehepaar versucht, den Ex-Freund der 16-jährigen Tochter umzubringen.

Was am Freitag in Horn bereits als Gerücht umlief, bewahrheitet sich immer mehr. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes gegen einen 37-jährigen Deutschen türkischer Herkunft aus Horn und seine gleichaltrige türkische Ehefrau. Sie sollen einen 19-Jährigen gebürtigen Deutschen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Beide sitzen in Untersuchungshaft und schweigen zu den Vorwürfen. Das Opfer schwebt immer noch in Lebensgefahr.

Am Sonntag erläuterte Oberstaatsanwalt Christopher Imig auf Anfrage Details aus den bisherigen Ermittlungen. Demnach wartete das Paar am Freitag gegen 16 Uhr am Hornschen Bahnhof auf den 19-Jährigen. Er hatte eine intime Beziehung zur 16-jährigen Tochter des Paares gehabt, die von den Eltern nicht gebilligt wurde. Obwohl die Beziehung schon beendet war, hatte es weiterhin Streit zwischen den Eltern und dem jungen Mann gegeben.

Spurensuche am Tatort - © Foto: Engelhardt
Spurensuche am Tatort | © Foto: Engelhardt

Der junge Mann folgte am Freitag einem Bekannten, der laut Imig in der Sache wohl vermitteln wollte und vermutlich nicht wusste, was geschehen würde, zu einem Treffen am Bahnhof. Dort habe die Frau sofort begonnen, auf den 19-Jährigen einzuschreien, dann sei es zu der massiven körperlichen Gewalt mit dem Messer gekommen.

Möglicherweise ist der 19-Jährige zunächst von dem Mann niedergeschlagen worden und wurde dann von der Frau mit dem Messer angegriffen. Das mochte Imig aber noch nicht bestätigen. "Die Tatbeiträge sind noch nicht ermittelt."

Sicher ist: Der 19-jährige erlitt zahlreiche schwere Stich- und Schnittverletzungen. Er verlor viel Blut, schleppte sich aber noch bis zum Aldi und wurde dort gefunden.

Während sich der 37-jährige mutmaßliche Täter noch am Bahnhof der Polizei stellte, ergriff seine Frau die Flucht, versteckte sich und wurde erst Stunden später von der Polizei festgenommen. Ein Verwandter ihres Ehemannes (39) hatte ihr bei der Flucht geholfen. Auch er wurde von der Polizei festgenommen, später aber wieder entlassen, weil Flucht- oder Verdunkelungsgefahr nicht befürchtet wird.

Nunmehr sind Polizei und Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen der genauen Umstände und Hintergründe beschäftigt. Dabei geht es unter anderem um die Frage des Motivs. Die Eltern seien nicht damit einverstanden gewesen, dass der 19-Jährige und die 16-jährige Tochter miteinander intim waren. Der Streit ging weiter, auch nachdem die Beziehung beendet war, seit wann ist noch nicht klar. Die Eltern des Mädchens hatten schon früher Polizei und Justiz beschäftigt, indem sie Anzeigen erstatteten und eine Trennung des Paares erreichen wollten.

Christopher Imig bestätigte Informationen, wonach die Eltern in der vergangenen Woche Anzeige gegen Unbekannt erstatteten, weil es angeblich Nacktfotos ihrer minderjährigen Tochter geben soll. Wo diese Bilder sind und wer sie angefertigt hat, ist derzeit unbekannt. LZ-Recherchen ergaben, dass Bilder des Mädchens in Unterwäsche im Netz kursieren.

Offenbar habe der Junge nun für die Beziehung "büßen" sollen, vermutet die Staatsanwaltschaft. Was genau das Motiv war und wie die Tat im Einzelnen abgelaufen ist, sowie wer die treibende Kraft war, sei noch nicht ermittelt, sagte Imig. Beamte der Polizei aus Bielefeld und Lippe haben eine Mordkommission gebildet.

Das Paar hat insgesamt vier Kinder. Die 16-jährige Tochter befindet sich nicht mehr in Horn. Es wird vermutet, dass sie sich seit etwa zwei Wochen bei Verwandten des Paares in der Türkei aufhält.

"Geschehen ist schwer einzuordnen"

Ratlosigkeit herrschte am Sonntagnachmittag in Horn unter den  befragten Türken. Natürlich kenne man die Familie in einem kleinen Ort wie Horn es ist, hieß es übereinstimmend. Zitieren lassen wollte sich aber keiner der Befragten. "Wir wissen nichts, haben am Samstag von dem Vorfall erfahren", hieß es. Aber es sei schwer, das Geschehen einzuordnen. "Alles, was wir wissen, wissen wir von anderen."

Angeblich war der 19-Jährige nur übers Wochenende in Lippe, er soll eine Dachdecker-Ausbildung in Frankfurt absolvieren. 

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