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Frank Meier hält den Apfelkönig durch Veredelung am Leben und sorgt für viele weitere Bäume, die den lippischen Paradiesapfel tragen - © Friderieke Schulz
Frank Meier hält den Apfelkönig durch Veredelung am Leben und sorgt für viele weitere Bäume, die den lippischen Paradiesapfel tragen | © Friderieke Schulz

Horn-Bad Meinberg Märchenapfel aus dem Lipperland - eine 200 Jahre alte Sorte wiederentdeckt

Alte Sorte: Frank Meier züchtet einen besonderen Apfel nach. Auf ihn geht eine mehr als 200 Jahre alte Geschichte zurück.

Friderieke Schulz
01.05.2019 | Stand 01.05.2019, 21:34 Uhr

Horn-Bad Meinberg. Die Geschichte klingt wie ein Märchen: Ein kleiner Junge wandert mit seinem Großvater durch die lippische Natur, sein Paradies. Auf einer Lichtung finden sie einen wilden Apfelbaum, dessen Früchte besonders groß, rot und prächtig aussehen. Die beiden essen einen der köstlichen Äpfel, nehmen einige mit nach Hause und auch einen kleinen Ast pflückt der Junge. Plötzlich bricht ein schlimmes Gewitter aus, der Großvater nimmt den Enkel auf den Arm und versucht schnell mit ihm nach Hause zu eilen. Plötzlich trifft einer der Blitze den Apfelbaum und er geht in Flammen auf. Der Junge weint und schreit: "Opa, der Apfelbaumkönig brennt. Wir müssen ihn retten." Das schaffen sie nicht, doch der Großvater zieht aus dem Ast einen neuen Apfelkönig und kann nach einigen Jahren schon selbst die roten Früchte ernten. Das alles soll vor etwa 200 Jahren geschehen sein - sagt Frank Meier und hat dafür triftige Belege. Viele Parallelen zur Geschichte "Mein Opa hat mir die Geschichte vor 36 Jahren erzählt. Da war ich sieben Jahre alt", sagt Frank Meier und erzählt, dass ihm sein Großvater auch den passenden Baum gezeigt hat. Er stand auf dem Velmerstot, dem zweitgrößten Berg Lippes, an einer ähnlichen Stelle wie in der Geschichte. "Auch das war ein riesiger Apfelbaum. Es gab schon viele Parallelen zur Geschichte", erzählt der 43-Jährige. Die Geschichte faszinierte ihn und so versuchte auch er mehrfach die Sorte zu veredelt, also aus dem Baum einen gleichwertigen Nachkömmling zu ziehen. Doch erst als Meier in die Gärtnerlehre ging und lernte, wie man dies professionell macht, gelang es. "Das ist jetzt 20 Jahre her und seitdem steht der Baum im Garten meiner Eltern", sagt Meier. Äpfel erinnern an Schneewittchens vergifteten Apfel Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Apfelbaum in Horn-Bad Meinberg nicht von anderen Bäumen. Erst wenn sich die Früchte bilden, bemerkt auch der Laie, dass die Äpfel anders aussehen. Sie sind besonders groß und leuchtend rot - fast erinnern sie an den tödlichen Apfel aus dem Märchen Schneewittchen. Doch tödlich sind die Paradiesäpfel nicht. "Sie haben ein tolles Aroma und einen hohen Gehalt an Nährstoffen. Ein Apfel macht wirklich pappsatt", erklärt Meier und der muss es wissen. Die Geschichte vom Paradiesapfel hat den Lipper geprägt. Nach der Lehre arbeitete er in einer Baumschule, dann zog es ihn nach Baden-Württemberg, wo er neben dem Hauptberuf als Berater für Obstbauern auch selbst im Nebenerwerb eine Obstplantage aufbaute. Etwa 5.000 Apfelbäume pflanzte er, bevor es ihn vor vier Jahren zurück in die Heimat zog. Obstbäume, insbesondere Äpfel, haben es Meier also angetan. Den Apfelkönig seiner Kindheit gibt es nicht mehr, "der ist vor etwa 15 Jahren von einem Sturm zerstört worden." Nun ist das Exemplar seiner Eltern derzeit der Einzige, der Früchte trägt. Etwa 50 Bäume der besonderen Sorte hat er bereits nachgezogen. Dass die Geschichte um diese besondere Sorte wahr sein kann, davon ist nicht nur der Lipper selbst überzeugt. Pomologen sind überzeugt, dass die Apfelsorte mindestens 200 Jahre alt ist Auch Pomologen, das sind Forscher der Obstbaukunde, sind davon überzeugt, dass die Apfelsorte mindestens 200 Jahre alt ist. "Ein Indiz ist die große Heterogenität zwischen den Früchten. Sie sind unterschiedlich groß und der Stiehl ist relativ borstig", sagt Meier. Zudem war sowohl der Apfel, als auch der Baum den Kennern gänzlich unbekannt. Seit dem 19 Jahrhundert werden entdeckte Apfelsorten dokumentiert. Es handelt sich also zweifelsfrei um eine alte Sorte. Doch für die Massenproduktion ist der Apfel gerade wegen einer hohen Heterogenität nicht geeinet, denn damit erfüllt er die Normen des Handels nicht. Vielmehr ist der Paradiesapfel etwas für den heimischen Garten. Interessierte können bei Meier ein Nachzucht-Exemplar erwerben und so ihren Teil zur Geschichte des lippischen Paradiesapfels beitragen: Apfelmeier@gmx.de

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