Die Externsteine. Selten ist es dort so windstill, dass man die Felsen als Spiegelung im Teich der Wiembecke sehen kann. - © Falko Sieker
Die Externsteine. Selten ist es dort so windstill, dass man die Felsen als Spiegelung im Teich der Wiembecke sehen kann. | © Falko Sieker

Horn-Bad Meinberg Forscher sieht Irrtum bei religiöser Deutung der Externsteine

Suche am Felsen: Ein Lipper Hobbyhistoriker hat eine Entdeckung gemacht. Er ist überzeugt, dass dort nicht der Apostel Petrus zu sehen ist, sondern jemand anderer

Martin Fröhlich

Horn-Bad Meinberg. Die Externsteine sind eine beeindruckende Felsformation und Anziehungspunkt für Wissenschaftler und Hobbyhistoriker. Viele Details sind noch unklar. Um viele Fragen ranken sich Mythen. Jetzt tritt ein lippischer Heimatforscher mit einer neuen Idee an: Er glaubt, dass die bekannte Petrus-Figur an den Steinen gar nicht den Jünger Jesu darstellt, sondern einen anderen. Wolfgang Lippek, ehemaliger Realschullehrer aus Lage, kennt die Externsteine in- und auswendig. "Ich bin allein im wichtigsten Forschungsjahr rund 130-mal dort gewesen", sagt er. Vieles an den Felsen fasziniert ihn, am meisten aber die Petrus-Figur, die dort in den Stein gehauen ist. "Ich glaube aber, dass wir dort nicht Petrus, sondern den germanischen Gott Odin sehen", sagt Lippek. Er hat diese These bei einer Veranstaltung im Geomatikum der Uni Hamburg vorgestellt. Doch wie kommt Lippek darauf, dass statt eines christlichen Apostels ein heidnischer Gott dargestellt wird? Personen auf dem Relief falsch gedeutet "Es sind vier Details, die mich darauf gebracht haben", sagt er. Die Petrus-Figur ist einige Meter neben dem bekannten Kreuzabnahmerelief an den Felsen zu sehen. "Doch die Kleidung der Figur ist viel primitiver dargestellt als die der Personen im Relief." Deshalb sei die Darstellung vermutlich viel älter und gehöre nicht zu der Kreuzgruppe. Außerdem halte die Figur nicht, wie angenommen, einen Schlüssel in der rechten Hand. "Das Gerät erinnert mich viel stärker an eine Axt, oder ein Kriegsbeil." Für einen Schlüssel fehle allein schon der Schlüsselbart. Als dritten Punkt führt Lippek das merkwürdige zweite Auge des Petrus? an. Dieses sei keine Augendarstellung, sondern tatsächlich die Darstellung eines fehlenden Auges. "Es ist ein Einäugiger und spätestens hier wissen wir, dass es nicht Petrus sein kann. Odin dagegen werde in den Sagen als Einäugiger beschrieben. Sonne zeichnet "Lichtspeer" Argument vier hat es besonders in sich. Wolfgang Lippek hat eine Entdeckung gemacht. An bestimmten Tagen des Jahres zu bestimmten Uhrzeiten fällt das Sonnenlicht durch einen Spalt in die Kuppelgrotte hinter der Petrus-Figur. "Dort ist dann ein Lichtspeer zu erkennen", meint Lippek. Das Gebilde bestehe aus einem gradlinigen, scharf abgegrenzten Stück und einer nach vorn auslaufenden Spitze. "Den Spalt, der das so entstehen lässt, kann nur ein Steinmetz auf diese Art gefertigt haben." Weil der Gott Odin laut Lippek auch als Speergott bezeichnet wurde, sei der "Lichtspeer" eine weiterer Hinweis auf die tatsächliche Bedeutung der steinernen Figur. Nun ist Lippek bewusst, dass seine These "Odin statt Petrus" heiß diskutiert werden dürfte. Bislang erklären Wissenschaftler in der Regel, dass sich an den Externsteinen nur Spuren christlichen Lebens wirklich nachweisen lassen. Der Germanengott Odin wäre ein Beweis für eine frühere heidnische Nutzung. Reichlich Diskussionsstoff also, um die spannende Debatte um die Externsteine zu bereichern.

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