Detmold/Bielefeld Falsche Ärztin muss hinter Gitter

Bielefelderin zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt

Detmold. Die große Strafkammer des Detmolder Landgerichts verurteilte die Bielefelderin wegen Betrugs, gefährlicher Körperverletzung und Titelmissbrauchs zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Die 50-Jährige war zur ersten Verhandlung im März nicht erschienen. Daraufhin wurde sie verhaftet und kam in Haft. Auch diesmal saßen etliche Opfer auf den Zuschauerstühlen. "Sie wollte unbedingt Ärztin sein", sagte ihr Verteidiger Lutz Libbertz zu Beginn der Verhandlung. Doch der Wunsch der Angeklagten, die alle Taten zugab, kostete ihre gutgläubigen Opfern in ganz Lippe nicht nur viel Geld, sondern fast auch das Leben. "Ich habe ihr vertraut und sogar das Insulin abgesetzt", sagte ein Elektromeister aus Lemgo im Zeugenstand, der unter Diabetes leidet. Später landete der 45-Jährige auf der Intensivstation des Herz- und Diabeteszentrums in Bad Oeynhausen. "Es bestand große Lebensgefahr", erinnerte sich Kardiologe Klaus-Peter Mellwig. Die 50-Jährige, die keine medizinischen Kenntnisse hat, blendete von Anfang bis Mitte 2011 ihre Opfer mit ihren angeblichen Doktortiteln für Allgemeinmedizin, chinesische Medizin und alternative Behandlungsmethoden. Sie besuchte ihre ahnungslosen Patienten zu Hause. "Das System funktionierte über Mundpropaganda. Die Frau wurde uns von Freunde und Bekannten empfohlen", sagte ein 75-jähriger Rentner aus Lemgo. Die Angeklagte habe nicht nur ihn, sondern auch seine Frau behandelt und 5000 Euro kassiert, weil sie angeblich wichtige Medikamente besorgen musste. "Doch dass sie bei meiner Ehefrau einen Gehirntumor erfand, um weiter Geld zu kassieren, werde ich ihr niemals verzeihen", sagte er mit Tränen in den Augen. Sie habe bewusst mit der körperlichen und finanziellen Existenz von Menschen gespielt, sagte eine 27-jährige Zeugin, die der Angeklagten 55 000 Euro anvertraute. "Das Geld sollte für eine Immobilie in Kroatien sein, doch das war auch nur heiße Luft", so die Polizeibeamtin. Doch die Sache ist für die 50-Jährige noch nicht vorbei. "Es sind weitere Anzeigen eingegangen. Weitere Prozesse sind wahrscheinlich," sagte Staatsanwalt Andreas Kaufmann, der zuvor in seinem Plädoyer fünf Jahre Haft gefordert hatte. Bereits 2006 war die Bielefelderin wegen Titelmissbrauchs verurteilt worden. Damals gab sie sich als Steuerberaterin aus. Dafür erhielt sie bereits eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

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