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Im November 2015 entdeckte die Straßenmeisterei, dass der Boden abgerutscht war. Rainer Waldhof sperrte damals die Straße. - © Archivfoto LZ: Vera Gerstendorf-Welle
Im November 2015 entdeckte die Straßenmeisterei, dass der Boden abgerutscht war. Rainer Waldhof sperrte damals die Straße. | © Archivfoto LZ: Vera Gerstendorf-Welle

Kreis Paderborn/Kreis Lippe Freigabe der Pendlerstrecke Gauseköte frühestens 2021

Seit 2015 sind die Probleme mit der abrutschenden Böschung bekannt. Passiert ist seitdem nicht viel, außer der Vollsperrung Anfang dieses Jahres

Erol Kamisli
30.10.2019 | Stand 30.10.2019, 14:29 Uhr

Kreis Paderborn/Kreis Lippe. Seit Ende Januar ist die Gauseköte (L937) gesperrt. Seitdem liefen umfangreiche Bodenuntersuchungen, um Erkenntnisse über die Ursache und einer möglichen Sanierungsart zu erlangen. Die Untersuchungen sind nun abgeschlossen und Straßen.NRW OWL hat vier mögliche Sanierungsvarianten entwickelt und am Dienstag vorgestellt. Böschungsabflachung bevorzugt Die favorisierte Variante – darauf haben sich vergangene Woche Vertreter der betroffenen Kommunen, darunter Schlangen, Detmold und der Kreis Lippe, mit Straßen.NRW geeinigt. „Dieses Vorhaben wäre ein massiver Eingriff in Landschaft und Natur", sagt Tobias Fischer, Regierungsbaudirektor von Straßen.NRW, bei der Vorstellung der Baumöglichkeiten. Für diese Idee spreche, dass sie relativ schnell und kostengünstig umzusetzen sei – die Baukosten beliefen sich auf 1,4 Millionen Euro. Die Bauarbeiten an der Gauseköte könnten frühestens im Frühjahr 2020 beginnen. „Bis dahin müssen die betroffenen Behörden und auch die Grundstückseigentümer grünes Licht geben. Anschließend würde das Projekt bundesweit ausgeschrieben werden", sagt Andreas Meyer, Leiter von Straßen.NRW in Bielefeld. Wenn der „sportliche" Zeitplan umgesetzt werde, könnten im Frühjahr 2021 die ersten Verkehrsteilnehmer die Gauseköte wieder nutzen. Vernagelung oder Stützwand „Bei dieser Idee wird die gegenwärtigen Böschung erhalten, mit Ankern gesichert sowie in Schutzfolien und -netzen eingepackt", erläutert Fischer die Vernagelung der Böschung. Die Baukosten schätzt Straßen.NRW auf 4,3 Millionen Euro und die Bauzeit auf 27 Monate. Um den Vorschlag einer Stützwand umzusetzen, seien nach jetzigen Berechnungen 5,2 Millionen Euro notwendig, die Bauarbeiten dauerten mindestens 30 Monate. „Die Fläche oberhalb der Stützwand kann begrünt werden, aber es ist ein schwerer Eingriff in das Landschaftsbild", sagt Fischer. Bewehrte Erde Bei dieser Idee sollen die steilen Wände der Gauseköte mit verschiedenen Hilfsmitteln gesichert werden. Die Baukosten beziffert Straßen.NRW auf rund vier Millionen und rechnet mit einer Bauzeit von 26 Monaten. „Unsere favorisierte Variante, die Böschungsabflachung, muss noch mit der Landschafts- und Wasserbehörde abgestimmt werden, da sowohl ein Landschafts- wie auch ein Wasserschutzgebiet betroffen ist", sagt Behördenleiter Andreas Meyer. Diese Gespräche würden bis Ende November durchgeführt. „Erst danach entscheidet sich, welche Variante an der Gauseköte zum Tragen kommt", so Meyer. Sobald dieses Ergebnis vorliege, werde Straßen.NRW die Öffentlichkeit darüber und den weiteren Verlauf informieren. Schlänger Bürgerinitiative fordert schnelles Handeln „Dem Vorschlag der Böschungsabflachung kann ich folgen", sagt Henning Schwarze, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Aber wichtig sei, dass nun schnellstens etwas passiere und nicht weiter nur geprüft, geplant und geredet werde. „Man muss von den beteiligten Behörden erwarten, dass die Sanierung der Gauseköte oberste Priorität hat: Entscheidungen müssen schnell und unbürokratisch getroffen werden." Jede weitere Verzögerung, aus welchen Gründen auch immer, sei eine Unverschämtheit gegenüber den Pendlern, den Schlängern sowie den vielen Firmen, die von der Sperrung betroffen seien. „Das Problem ist seit 2015 bekannt. Gelöst wird es frühestens 2021. Das sind sechs Jahre. Hier darf man getrost von Versagen sprechen", erklärt Schwarze. Er war übrigens am Dienstag umsonst nach Bielefeld zur Pressekonferenz gereist – er durfte nicht teilnehmen: „Weil er nicht von der Presse ist", begründete Sven Johanning, Sprecher von Straßen.NRW. Prinz zur Lippe zeigt Verhandlungsbereitschaft Er ist einer der Grundbesitzer, die vom Umbau der Gauseköte betroffen wären. „Straßen.NRW hat meine Grundstücke für die zahlreichen Untersuchungen genutzt. Alles läuft sehr partnerschaftlich. Wir haben eine gutes Verhältnis", betont zur Lippe. Wenn die Behörde einen Teil seines Grundstückes kaufen wolle, sei er offen für Gespräche. Wenn die Straße irgendwann mal wieder geöffnet werde, müsse Straßen.NRW unbedingt das Thema „Wildwechsel" im Fokus haben, denn seit der Sperrung nutzten die Tiere die Straße, als sei es ihr Revier, sagt der Prinz.

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