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Im Gespräch: Volker Dierk (r.) und sein Anwalt Jann Poppkes im Amtsgericht Detmold. - © Preuss
Im Gespräch: Volker Dierk (r.) und sein Anwalt Jann Poppkes im Amtsgericht Detmold. | © Preuss

Detmold/Augustdorf Torunfall: Beschuldigter wieder vor Gericht

Volker Dierk fordert Rechtssicherheit für Ehrenamtler

Carolin Nieder-Entgelmeier
20.08.2015 | Stand 20.08.2015, 14:20 Uhr

Detmold/Augustdorf. Der ehemalige Jugendleiter des FC Augustdorf, Volker Dierk, steht am 16. September wieder vor Gericht. Zweieinhalb Jahre nach dem Unfall bei einem Fußballturnier, bei dem ein Junge von einem umstürzenden Tor schwer verletzt wurde, will Dierk beweisen, dass er seine Pflichten als Jugendleiter nicht vernachlässigt hat, und geht gegen das Urteil des Amtsgerichts Detmold vor. Das Amtsgericht hat Dierk Anfang des Jahres wegen fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer Geldauflage von 700 Euro sowie einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 50 Euro unter Strafvorbehalt verurteilt. Nach Angaben des Amtsgerichtsdirektors Michael Wölfinger habe der Angeklagte seine Sorgfaltspflicht verletzt. Trotzdem sei durch die Verwarnung mit Strafvorbehalt die mildestmögliche Strafe ausgesprochen worden. Der Verurteilte muss die 2.000 Euro nur dann zahlen, wenn er sich wieder etwas zu Schulden kommen lässt. "Verwarnungen mit einem Strafvorbehalt sind mit Freiheitsstrafen auf Bewährung vergleichbar", erklärt die Sprecherin des Landgerichts Detmold, Anneli Pauline Neumann. Allerdings müsse ein erneutes Vergehen eine sachliche Nähe zum ersten Vergehen haben. "Bei einem Verkehrsunfall wäre beispielsweise die sachliche Nähe fraglich." Gegen das Urteil des Detmolder Amtsgerichts haben sowohl Dierk als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. "Bislang ist für den 16. September ein Verhandlungstag angesetzt", sagt Neumann. Mehrere Zeugen seien geladen.Volker Dierk hat nach dem Urteil alle Ämter beim FC Augustforf niedergelegt Dierk hat nach dem Urteil all seine Ämter beim FC Augustdorf und im Fußballkreis Detmold niedergelegt und das Eherenamt vorerst an den Nagel gehängt. "Der Unfall und das Urteil beschäftigen mich jeden Tag", sagt Dierk. Die Entscheidung des Amtsgerichts Detmold beeinflusst allerdings nicht nur Dierks Leben. Auch das Vereinsleben der Region hat sich verändert. "Über allen Ehrenamtlern in Sportvereinen hängt seit dem Urteil ein Damoklesschwert", sagt der Jugendleiter des FC Augustdorf, Martin Köstler. "Die Verunsicherung ist groß, denn während des Fußballturniers wurden die geltenden Sicherheitsvorkehrungen eingehalten." Der FC Augustdorf und viele weitere Vereine haben nach dem Torunfall die Sicherheitsvorkehrungen überarbeitet. "Doch auch geänderte Vorschriften ändern nichts an der Angst vor juristischen Schritten", ergänzt Köstler. Auch deshalb hat Dierk Berufung gegen das Urteil des Detmolder Amtsgerichts eingelegt. "Ohne Rechtssicherheit kann das Ehrenamt im Sport nicht funktionieren", sagt Dierk. "Eine hundertprozentige Überwachung ist im Vereinsleben einfach nicht möglich."

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