Soldaten aus Augustdorf sollen ab November nach Afghanistan. - © Sebastian Gollnow
Soldaten aus Augustdorf sollen ab November nach Afghanistan. | © Sebastian Gollnow

Augustdorf Riskante Mission: 230 Soldaten aus Augustdorf rücken nach Afghanistan aus

Sie sollen Ausbilder bei der Schulung einheimischer Kräfte schützen. Doch dabei gibt es jede Menge Risiken.

Augustdorf. Der Kampf ist nicht ihr Auftrag in Afghanistan. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann müssen die gut 230 Soldaten vom Augustdorfer Panzergrenadierbataillon 212 am Hindukusch kämpfen können. Denn ab November sollen sie dort die Sicherheit der Berater garantieren. Kein Sonntagsspaziergang. „Das ist unser Auftrag, und er ist unverändert gefährlich", sagt Bataillonskommandeur Maik Cohrs. Der 41-Jährige wird mit seinem gut 30-köpfigen Stab die sieben Kompanien führen, die in den beiden nordafghanischen Stützpunkten Mazar-e Sharif und Kunduz das „Force Protection Bataillon" bilden. Gerade erst sind zwei Züge nach sechseinhalb Monaten Afghanistan wieder zurück nach Augustdorf gekehrt. Außer einem Autounfall mit dem Dingo, einem gepanzerten Fahrzeug, hatten sie keine Schäden zu beklagen. „Aber nur weil bei dem Einsatz nichts passiert ist, heißt das für uns nicht, dass wir nichts mehr zu befürchten haben." Die NATO versucht, die afghanische Armee so zu schulen, dass sie eines Tages allein mit den Problemen in ihrem Land klarkommen wird. „Ausbilden, beraten, unterstützen", das sei die Aufgabe der Streitkräfte vor Ort. Wie lässt sich beispielsweise eine Landmine entschärfen? Während das NATO-Personal genau dieses Wissen den afghanischen Partnern zu vermitteln versucht, kümmern sich die Augustdorfer gemeinsam mit einer Kompanie aus Mecklenburg-Vorpommern um deren Sicherheit, stehen Wache, beobachten das Verhalten jedes Einzelnen genau. "Es sterben täglich afghanische Polizisten und Soldaten" „Es sterben täglich afghanische Polizisten und Soldaten", sagt Cohrs. Immer wieder werden die einheimischen Sicherheitskräfte Opfer von Anschlägen. Die Ausbilder wollen ihnen helfen, sich selbst besser zu schützen. Aber: „Wir können auch dort niemandem bedingungslos vertrauen", weiß Hauptmann Hendrik Hegge, der gerade als Zugführer sechseinhalb Monate dort verbracht hat. „Die Afghanen in Uniform können immer auch eingeschleuste Schläfer sein, oder Soldaten, die mit einer Drohung gegen ihre Familien erpresst werden." Das sei der Grund, warum auch innerhalb des Feldlagers jeder einzelne deutsche Soldat mit einer Pistole unterwegs ist. Außerhalb im Einsatz ist die volle Sicherheitsmontur vorgeschrieben – alles in allem sind das manchmal bis zu 40 Kilo zusätzliches Gewicht, die sie in der Wüste mit sich herumschleppen. Beratung und Schulung passieren nicht nur in den ohnehin ganz gut gesicherten Lagerbereichen, sondern eben auch außerhalb: Die Augustdorfer eskortieren die Berater an den Zielort, bilden mit ihren Fahrzeugen eine Wagenburg als Kommandostand und halten unablässig die Augen offen. Hin- und Rückwege zu sichern, ständig damit rechnen zu müssen, dass sie angegriffen werden – das zehrt neben Klima und Wohnverhältnissen auf engstem Raum an den Nerven. Auch wenn es ausdrücklich keinen Kampfauftrag gibt, schwebt die Gefahr über allem. Die Container im Feldlager sind mit einer zusätzlichen Dachschicht besonders gegen Raketenangriffe gesichert. Landminen oder Anschläge außerhalb des Hauptquartiers sind niemals auszuschließen. „Einen Raketenangriff hat es während unseres Aufenthaltes in Kundus gegeben, aber der Einschlag passierte 300 Meter neben dem Lager", berichtet Hauptmann Hegge. "Es geht darum, dass das Land nicht wieder zusammenbricht" Die Zerstörung des Deutschen Konsulats 2016 hat den Augustdorfern einmal mehr vor Augen geführt, wie real die Bedrohung ist; jetzt befindet es sich innerhalb der Lagergrenzen in Mazar-e Sharif. „Der Zugang ist streng gesichert", berichtet Cohrs, der sich nun zum dritten Mal auf einen Afghanistaneinsatz vorbereitet. Er macht sich keine Illusionen über das, was die NATO in dem schwer gebeutelten Land erreichen kann. „Es geht darum, dass das Land nicht wieder zusammenbricht, damit Terroristen sich nicht dorthin zurückziehen können und so etwas wie der Anschlag vom 11. September 2001 niemals wieder passieren kann." Klar ist ihm auch: „Wir werden nur dafür sorgen können, dass es nicht schlimmer wird. Es besser zu machen, wird uns kaum gelingen." Aber er hat die Bevölkerung im Blick: „Ich denke an die Kinder. 45 Prozent der Afghanen sind 14 Jahre oder jünger." Um ihre Arbeit in Afghanistan zu verrichten, seien die Augustdorfer Soldaten technisch ganz gut ausgestattet: „Es ist alles hochmodern, die Qualität ist wunderbar." Allerdings: „Die Quantität lässt zu wünschen übrig." Es sei schwierig, wirklich alle Mann mit der Ausrüstung zu versorgen. „Das bedeutet, dass das Material einfach permanent im Einsatz ist und entsprechend schneller verschleißt." Ersatzteile zu beschaffen, wenn ein Fahrzeug ausfalle, sei ebenfalls ein Problem. Die Mittel reichten nicht, sagt der Oberstleutnant.

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