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Volker Dierk und sein Anwalt Jann Poppkes haben einen Teilerfolg errungen. - © Bernhard Preuss
Volker Dierk und sein Anwalt Jann Poppkes haben einen Teilerfolg errungen. | © Bernhard Preuss

Augustdorf Torunfall: OLG Hamm revidiert Strafe gegen ehrenamtlichen Jugendtrainer

Landgericht Detmold muss erneut verhandeln

Dirk-Ulrich Brüggemann
05.02.2016 | Stand 05.02.2016, 23:59 Uhr

Augustdorf/Hamm. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat das umstrittene Berufungsurteil des Landgerichts Detmold aufgehoben. Dieses hatte den ehemaligen Jugendobmann des FC Augustdorf, Volker Dierk, wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro mit Strafvorbehalt – eine Geldstrafe auf Bewährung – verurteilt. Bei einem Jugendfußballturnier im Jahre 2013 war in einem Nebenraum der Sporthalle ein ungesichertes Handballtor umgekippt und hatte einen Elfjährigen schwer verletzt. Sowohl das Amtsgericht als auch das Landgericht warfen dem ehrenamtlichen Jugendbetreuer vor, seine Aufsichtpflicht nicht erfüllt zu haben. Nach Auffassung der Richter in beiden Instanzen hätte der 44-Jährige überprüfen müssen, ob das Tor ausreichend gesichert gewesen sei. Beide Urteile hatten seinerzeit für einen Aufschrei ehrenamtlicher Sportfunktionäre gesorgt. Wenn die Aufsichtspflichten von ehrenamtlichen Betreuern derart extensiv ausgelegt würden, „dann werden viele ihre Tätigkeit aufgeben", sagte Norbert von Dahlen, Sozialwart und Vorstandsmitglied im Post-SV Detmold. Jetzt hatten Volker Dierk und sein Rechtsanwalt Jann Henrik Popkes vor dem Oberlandesgericht in Hamm mit ihrer Revision Erfolg. Der 
3. Strafsenat hob das angefochtene Urteil auf und verwies es zur erneuten Verhandlung an eine andere Strafkammer nach Detmold zurück. Das Urteil der Vorinstanzen sei rechtsfehlerhaft, urteilten die Hammer Richter. Zentrale Begründung: Die vorangegangenen Urteile hätten nur lückenhaft begründet, in wiefern der Angeklagte sich einer objektiven Pflichtverletzung schuldig gemacht hatte. Auch, ob der Jugendbetreuer die Folgen hätte vorhersehen können und müssen, sei nicht gründlich genug geprüft worden. Zudem sieht das OLG auch die Betreuer der am Turnier teilnehmenden Mannschaften in der Pflicht, die jungen Sportler beim Aufwärmen und in den Spielpausen zu beaufsichtigen. Als das Tor auf den D-Jugendspieler der SpVG Hagen-Hardissen stürzte, waren die Kinder allein im Nebenraum der Sporthalle. Weder Betreuer noch Eltern waren zugegen. Volker Dierk habe aber nach Auffassung des Oberlandesgerichts darauf vertrauen dürfen, dass die Mannschaftsbetreuer ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Außerdem kommt das OLG zum Schluss, dass an Träger eines Ehrenamts keine übersteigerten Anforderungen im Sinne einer Sicherheitsgarantie gestellt werden dürfen.

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