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Fußballturnier: Der Unfall passierte in einer Sporthalle
Fußballturnier: Der Unfall passierte in einer Sporthalle

Augustdorf/Detmold Augustdorfer Tor-Unfall: Gericht weist Berufung von Jugendtrainer ab

Dirk-Ulrich Brüggemann
16.09.2015 | Stand 16.09.2015, 20:42 Uhr

Detmold. Vor Beginn des Berufungsverfahrens vor dem Detmolder Landgericht war der ehemalige Jugendobmann des FC Augustdorf, Volker Dierk, noch zuversichtlich. Er hoffte, dass der Vorsitzende Richter Rudolf Hartl der Argumention von ihm und seinem Anwalt Jann Henrik Popkes folgen und das Urteil des Amtsgerichts Detmold vom 21. Januar aufheben würde. Dies geschah aber nicht. Damals hatte das Gericht den 44-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen und ihn verwarnt. Die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 50 Euro war für die Dauer eines Jahres vorbehalten worden. Berufung gegen das Urteil, das bundesweit Schlagzeilen machte, hatte auch Oberstaatsanwalt Ralf Vetter eingelegt, der den Vorbehalt der Geldstrafe aufgehoben haben wollte. Auch diese Berufung verwarf das Landgericht. Das Amtsgericht war seinerzeit nach der Beweisaufnahme zu dem Schluss gekommen, dass Volker Dierk in seiner Funktion als Jugendvorstand Anfang des Jahres 2013 ein Jugendfußballturnier in einer Sporthalle in Augustdorf gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern organisiert und dabei die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten objektiv sorgfaltswidrig und subjektiv vorwerfbar verletzt habe. Während der D-Jugend-Kreismeisterschaften hatte sich am 12. Januar 2013 der damals elfjährige Fynn-Luca R. mit seinen Mannschaftskameraden der SpVG Hagen-Hardissen in einem Nebenraum der Sporthalle aufgewärmt. Als der von den Kindern mitgebrachte Ball von einem Spieler an die Latte eines dort gelagerten Handballtores prallte, fiel das damals ungesicherte Tor um und auf die rechte Gesichtsseite des Jungen. Betreuer und Eltern waren zum Zeitpunkt des Unfalls nicht in dem Nebenraum der Sporthalle anwesend. In der Berufungsverhandlung hörte das Landgericht auch zahlreiche Zeugen, darunter auch zwei Spieler der damaligen D-Jugend-Mannschaft, die das Geschehen vor dem tragischen Unfall noch einmal ausführlich schilderten. Auch Volker Dierk äußerte sich erstmals vor Gericht zu den Geschehnissen. Zum Unfallzeitpunkt war er mit seiner Jugendmannschaft in der Kabine, um diese nach einem hoch verlorenen Spiel zu trösten. Erst nach dem Unfall sei er wieder in die Sporthalle gekommen und habe sofort die Schwere der Verletzungen erkannt und Erste Hilfe geleistet. Fynn-Luca leidet auch heute noch unter den Folgen der damals erlittenen schweren Verletzungen, bestätigte die Mutter dem Gericht. Sie berichtete von andauernden Kopfscherzen, von Schwerhörigkeit und einem gestörten Geschmackssinn. In der Beweisaufnahme vor dem Landgericht ergaben sich für Richter Hartl keine neuen Erkenntnisse. In seiner Urteilsbegründung sah Hartl in Volker Dierk einen Überwachungsgaranten, der aber nicht allein für die Sicherheit während der Kreismeisterschaften in der Sporthalle zuständig war. Gegen drei andere Verantwortliche des Sportvereins war das Verfahren nach der Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Das Landgericht vertrat die Auffassung, dass nur auf Tore gespielt werden darf, die auch ordnungsgemäß im Boden verankert sind. Zudem hätte dafür gesorgt werden müssen, dass die Handballtore im Nebenraum gesichert waren und dass die Kinder sich nur unter Aufsicht in der kleinen Nebenhalle aufwärmen durften. „Die Gefahr hätte man sehen müssen“, sagte Richter Hartl. „Hier ist fahrlässige Körperverletzung anzulasten.“ Volker Dierk und sein Rechtsanwalt Jann Henrik Popkes prüfen nun, ob sie gegen das Urteil weiter vorgehen und das Oberlandesgericht Hamm als nächsthöhere Instanz anrufen.

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