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Mit seinem Anwalt: Volker Dierk. - © Foto: Hubertus Gärtner
Mit seinem Anwalt: Volker Dierk. | © Foto: Hubertus Gärtner

Bielefeld/Augustdorf Tor-Unfall: Jugendtrainer spricht Klartext

Volker Dierk (43) wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

Hubertus Gärtner
30.01.2015 | Stand 30.01.2015, 17:06 Uhr

Bielefeld/Augustdorf. Es ist selten, dass ein Mensch nach einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung einen derartigen öffentlichen Bekanntheitsgrad erreicht wie Volker Dierk (43). Er möchte es so, sucht das Gespräch mit den Medien und kämpft mit offenem Visier: "Es geht hier eigentlich weniger um mich, sondern es geht um die Rechtssicherheit für alle Personen, die sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren." Dierk ist gelernter Industriemechaniker und arbeitet in der Fertigungssteuerung eines Bielefelder Unternehmens. Seit seinem 17. Lebensjahr hat er immer Fußballjugendmannschaften trainiert und diverse Vorstandsposten in seinem Heimatverein FC Augustdorf innegehabt. Aktuell ist Dierk dort noch Jugendleiter, und er ist Ausschussvorsitzender des Fußballkreises Detmold. "Ich werde diese Posten abgeben", sagt er im Gespräch mit der NW. Das Risiko der ehrenamtlichen Tätigkeit sei ihm einfach zu groß geworden. Wie berichtet, ist Dierk vom Detmolder Amtsgericht zu einer Geldauflage von 700 Euro sowie einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 50 Euro auf Bewährung verurteilt worden. Seither habe sich sein Leben drastisch verändert. Nicht nur auf der Arbeitsstelle, "sogar beim Einkaufen werde ich von fremden Leuten angesprochen", sagt Dierk. Die Solidarität sei "sehr groß". Deshalb wolle er "dieses Urteil so nicht stehenlassen". Dierk hat Rechtsmittel eingelegt - nun muss sich die nächste Instanz mit dem Fall befassen.Elf Jahre alter Junge war verletzt worden Der zuständige Amtsrichter sah es als erwiesen an, dass Dierk vor zwei Jahren während Hallenkreismeisterschaften der D-Jugend in Augustdorf im Januar 2013 seine Sorgfaltspflicht verletzt hat. Ein elf Jahre alter Junge wurde durch ein umstürzendes Handballtor, das über Jahre hinweg ungesichert in einem Nebenraum gestanden hatte, schwer verletzt. Dierk möchte seine Hände "keineswegs in Unschuld waschen". Ihm tut das Opfer leid, das bleibende Schäden erlitten hat und nun mit den Versicherungen um Schmerzensgeld und Schadenersatz ringen muss. Die Verfahren gegen drei weitere Beschuldigte, den kommunalen Hausmeister, den stellvertretenden Vereinsvorsitzenden und den Jugendgeschäftsführer des FC Augustdorf, wurden eingestellt, nachdem sie dreistellige Geldauflagen gezahlt hatten. Dierk akzeptierte ein solches Angebot der Staatsanwaltschaft nicht, er ging bewusst das Risiko einer Verurteilung ein. "Das war zwischen uns so abgesprochen", sagt er. Als "Sündenbock" fühle er sich deshalb nicht. Allerdings müssten in der nächsten Instanz "noch einige grundsätzliche Fragen" geklärt werden.Mängel mehrfach nicht festgestellt Dierk war an dem Unfalltag mit der Organisation des Fußballturniers beauftragt, aber er hatte auch die D-Jugend-Mannschaft des FC Augustdorf zu betreuen. Der verletzte Spieler war nicht für seine, sondern für andere Mannschaften aktiv. "Die Sporthalle in Augustdorf ist in den letzten Jahren turnusgemäß auf ihre Sicherheit überprüft worden. Der Mangel (zwei Handballtore, die ungesichert im Nebenraum standen, Anmerkung der Redaktion) wurde dabei offensichtlich mehrfach nicht festgestellt. Es ist mir völlig unverständlich, dass ich für etwas verantwortlich sein soll, das jahrelang von anderen verschlampt wurde", sagt Dierk. Er sei ihm auch "absolut schleierhaft", wie weit die Verpflichtungen eines Ehrenamtlers gehen sollen. Er selbst sei am Unfalltag von seinem Verein "nicht als Sicherheitsbeauftragter" bestimmt worden, sondern war in erster Linie "als Trainer der D-Jugend-Mannschaft anwesend". Es sei lebensfremd und eine viele zu hohe Anforderung, wenn man von einem Ehrenamtler verlange, dass er versteckte Mängel in einem Nebenraum entdecken und die Geräte dort auf entsprechende DIN-Normen überprüfen müsse. "Unser Augustdorfer Kulturverein hat bestimmt noch nie im Vorfeld einer seiner Hallenveranstaltungen die Aufhängung der Basketballkörbe näher in Augenschein genommen und auf Sicherheitsnormen hin überprüft", sagt Dierk.

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