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Archäologe Fritz Jürgens (v. l.), Bürgermeister Hans Hermann Bluhm, Archäologe Nils Wolpert, Touristik-Vertreterin Birgit Griese-Lödige und Lichtenaus Wirtschaftsförderer Matthias Preißler vor der Schutzhütte am Wanderparkplatz. - © Burkhard Battran
Archäologe Fritz Jürgens (v. l.), Bürgermeister Hans Hermann Bluhm, Archäologe Nils Wolpert, Touristik-Vertreterin Birgit Griese-Lödige und Lichtenaus Wirtschaftsförderer Matthias Preißler vor der Schutzhütte am Wanderparkplatz. | © Burkhard Battran

Willebadessen Wanderregion im Eggewald wird um eine Attraktion reicher

Zum Beginn der neuen Saison sollen Infotafeln die Geschichte der Alten Eisenbahn bei Willebadessen erfahrbar machen. Die Alte Eisenbahn zwischen Willebadessen und Lichtenau wird sichtbar.

Burkhard Battran
24.11.2019 | Stand 23.11.2019, 14:28 Uhr

Willebadessen. Es sind nur 600 Meter aber, aber sie sind von herausragender historischer Bedeutung. Ab der kommenden Wandersaison wird die Alte Eisenbahn erstmals touristisch erschlossen. Entlang der damals geplanten Tunneltrasse informieren großformatige Infotafeln und Symbol-Stelen über das gescheiterte, ehrgeizige Industrieprojekt im Eggewald zwischen Willebadessen und Kleinenberg. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es einen Ingenieurswettstreit zwischen zwei Bahnunternehmen zur Überwindung der Egge in Ost-West-Richtung. Die Köln-Minden-Thüringische-Verbindungs-Eisenbah-Gesellschaft wollte zwischen Willebadessen und Lichtenau einen Tunnel durch die Egge graben. Die Königlich-Westfälische Eisenbahn-Gesellschaft hingegen favorisierte einen Viadukt bei Altenbeken. Durchgesetzt hat sich letztere. „Gleichwohl ist das Tunnelprojekt industriegeschichtlich hochinteressant. Zumal es vor Ort auch eine große Baustelle mit mehr als 500 Arbeitern gab, die im Eggewald Spuren hinterlassen haben, die man bis heute erkennen kann", sagt der aus Borgentreich stammende Archäologe Fritz Jürgens von der Uni Kiel. Er hat zusammen mit LWL-Archäologe Nils Wolpert seit 2015 das Areal in zahlreichen Grabungen systematisch erforscht. „Die Ergebnisse können sich Besucher künftig selbst erwandern", sagt Wolpert. Das kostet die touristische Aufbereitung Im Februar sollen die Tafeln aufgestellt werden. Das östliche Ende des Tunnels befindet sich ziemlich genau an der Stelle, wo sich heute an der Landstraße 763 der Wanderparkplatz Alte Eisenbahn befindet. Dort wird eine zentrale Leittafel aufgestellt, die Besuchern den Weg weisen soll. „Eine zusätzliche Tafel soll am Bahnhof in Willebadessen die Besucher abholen", sagt Touristikvertreterin Birgit Griese-Lödige vom Naturpark Teutoburger Wald. In direkter Nähe des Bahnhofs liegt auch das Willebadessener Wanderhotel Jägerhof. Insgesamt 13.000 Euro kostet die touristische Aufbereitung. Die Kosten teilen sich die Stadt und der Naturpark-Zweckverband. Die Alte Eisenbahn liegt im Bereich des überörtlichen Wanderwegs der Hermannshöhen. „Für Wander- und Geschichtsfreunde schaffen wir eine spannende Attraktion als weiteren touristischen Baustein unserer Region", betont Bürgermeister Hans Hermann Bluhm. Infoflyer und ein Buch Selbst wenn von der ursprünglichen Tunnelbaustelle nicht mehr viel zu sehen ist, hat sie in ökologischer Hinsicht die Landschaft geprägt. Im Westeinschnitt des Tunnels auf Kleinenberger Ortsgebiet haben sich Tunnelgrabungen mit Wasser gefüllt und bis zu 20 Meter tiefe, wildromantische Teiche geschaffen, die heute als Naturschutzgebiet eingetragen sind. 2017 war der unter Wasser liegende Tunnelzugang als unterwasserarchäologisches Tauchprojekt erforscht werden. Das Präsentationskonzept haben die beiden Archäologen im Rahmen ihres Forschungsprojekts erarbeitet, sodass dies keine Extrakosten verursacht hat. Dazu gehört auch die Erstellung einer Vorlage für einen Infoflyer sowie eine populärwissenschaftliche Aufarbeitung in einem Büchlein einer LWL-Schriftenreihe. Auch dies soll zur neuen Wandersaison im Frühjahr 2020 vorliegen. Nach etwa einem Drittel der Bauphase ging die damalige Eisenbahngesellschaft bankrott und die Baustelle wurde aufgelöst. Aus Sicherheitsgründen war der fertiggestellte Tunnelabschnitt später wieder gesprengt worden.

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