Verzweifelt: Vor dem Versteigerungstermin wollte Heinrich Bannenberg seine Immobilie in Willebadessen noch verkaufen. Stattdessen hat der 77-Jährige einen Werbe- und Dienstleistungsvertrag unterschrieben, jetzt will er vor Gericht den Vertrag anfechten. - © Hermann Ludwig
Verzweifelt: Vor dem Versteigerungstermin wollte Heinrich Bannenberg seine Immobilie in Willebadessen noch verkaufen. Stattdessen hat der 77-Jährige einen Werbe- und Dienstleistungsvertrag unterschrieben, jetzt will er vor Gericht den Vertrag anfechten. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Hausverkauf: Willebadessener streitet mit Werbeagentur über Vertrag

Das Objekt des Seniors ist jetzt versteigert worden

Hermann Ludwig
17.03.2019 | Stand 17.03.2019, 11:13 Uhr

Willebadessen. Einen Aktenordner Schriftverkehr schleppt der Willebadessener Heinrich Bannenberg ständig mit sich herum, wie ein Mühlstein hängt ihm derzeit ein Verfahren um den Hals, das ihn nicht schlafen lässt. Am Freitag ist sein Willebadessener Geschäftshaus beim Amtsgericht Warburg versteigert worden, damit hat er sich abgefunden. Was ihn umtreibt, ist die noch offene Forderung einer Werbeagentur in Höhe von 19.753 Euro für die Vermarktung der Immobilie, die mit einem Verkehrswert von 90.000 Euro zur Versteigerung stand. Verzweifelt hatte Bannenberg vor der Versteigerung noch versucht, die Immobilie zu veräußern. Auf eine Immobilienanzeige hin habe sich dann nach seinen Angaben telefonisch ein Mitarbeiter einer Agentur bei ihm gemeldet. Auf Betreiben der Agentur sei das Ehepaar Bannenberg dann zum Sitz des Unternehmens gefahren. „Wir waren im Glauben, dass wir das Haus direkt verkaufen können", beteuert Heinrich Bannenberg, der in dem Haus einen Elektrohandel betrieben hat. Werbe- und Dienstleistungsvertrag Das Ehepaar setzte dann Unterschriften unter eine „Werbe- und Dienstleistungsvertrag" mit Kosten von 16.000 Euro plus Mehrwertsteuer für zwei Jahre, die Unterschrift findet sich auch unter einem Beratungsprotokoll und auch einer Bestellung einer Grundschuld in Höhe der Kosten für den Dienstleistungsvertrag. Bannenbergs Hausbank hatte den 77-Jährigen noch eindringlich gewarnt, bei dieser Agentur etwas zu unterschreiben. „Ich habe mich in meiner finanziellen Notlage an jeden Strohhalm geklammert in der Hoffnung, das Haus vor der drohenden Versteigerung vielleicht noch verkaufen zu können", meint Heinrich Bannenberg im Rückblick auf diesen Tag. „Das war der größte Fehler meines Lebens, in dieses Büro zu fahren." Ein prüfender Blick auf die unterschriebenen Formulare ließ für ihn Zweifel aufkommen, umgehend beauftragte der Senior einen Bad Driburger Rechtsanwalt, den Werbe- und Dienstleistungsvertrag wieder rückgängig zu machen. Der Anwalt führt in einem Schreiben an die Agentur eine Täuschungshandlung an, die zur Anfechtung des Vertrages berechtige. Das Unternehmen habe durch seine Tätigkeit und den Auftritt suggeriert, eine Maklertätigkeit auszuführen beziehungsweise einen Direktkauf vorzunehmen. Mit einem ärztlichen Attest wollte der Willebadessener auch darlegen, dass er zum Zeitpunkt der Unterschrift nicht geschäftsfähig war. Die Gegenseite wies diese Ansinnen mit anwaltlicher Unterstützung zurück, jetzt versucht Bannenberg, gerichtlich gegen die Agentur vorzugehen. Prozesskostenhilfe ist beantragt. Heinrich Bannenberg hat jetzt auch eine Anzeige bei der Polizei erstattet. Prozesskostenhilfeantrag ist gestellt Bannenbergs Anwalt legt in seinem Prozesskostenhilfeantrag an das Landgericht Paderborn dar, dass die beklagte Agentur versucht habe, die Verbraucherschutzrechte seines Mandanten bewusst zu umgehen. Zudem führt der Anwalt den Wuchertatbestand an, es liege ein grobes Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung vor. Die Agentur übernehme lediglich Daten zur Immobilie aus dem Internet und positioniere Anzeigen auf diversen Portalen. Der Anwalt führt an, dass in diesen Anzeigen der Wert der Immobilie völlig überhöht sei. Beworben werde ein sanierungsbedürftiges Objekt für einen Kaufpreis von 235.000 Euro, das im Zwangsversteigerungsverfahren auf 90.000 Euro taxiert sei. Eine derartige Bewerbung könne gar nicht zum Erfolg führen. Hätte sich ein Interessent gemeldet, hätte Heinrich Bannenberg selbst die Verhandlungen führen müssen. Alle Vorwürfe werden zurückgewiesen „Die wollten das Haus gar nicht sehen, das hätte mich stutzig machen müssen", erinnert sich Heinrich Bannenberg an den ersten Telefonkontakt. Eine schriftliche Anfrage der Redaktion an die Werbeagentur wurde von einem Anwalt beantwortet, der das Unternehmen auch schon in Gerichtsverfahren vertreten hat. „Alle Vorwürfe werden vollumfänglich zurückgewiesen", heißt es da. Zu keinem Zeitpunkt sei erklärt worden, dass Herr Bannenberg in das Büro kommen solle, weil man seine Immobilie kaufen wolle. Bei Abschluss des Werbevertrages sei auch nicht erklärt worden, dass die beauftragten Werbeleistungen nur im Falle des Verkaufs der Immobilie zu zahlen seien. Alle erhobenen Vorwürfe seien mit einem unterzeichneten Beratungs- und Zufriedenheitsprotokoll widerlegt, so die Kanzlei. Bei der Verbraucherzentrale in Hessen liegen Beschwerden zur Vorgehensweise der Agentur vor. „Das Thema ist den Kollegen zwar bekannt, aber nähere Informationen können wir aktuell nicht beisteuern", heißt es von der Pressestelle. Im Oktober 2015 sendete das Magazin Plusminus einen Bericht zu diesem Thema.

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