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Neuer Mieter: Bürgermeister Hans Hermann Bluhm übergibt die Schlüssel für das ehemalige Seminarzentrum Ackerscheune an die neuen Mieter Joachim und Sabine Avenarius, die das Hotel Jägerhof betreiben. - © Hermann Ludwig
Neuer Mieter: Bürgermeister Hans Hermann Bluhm übergibt die Schlüssel für das ehemalige Seminarzentrum Ackerscheune an die neuen Mieter Joachim und Sabine Avenarius, die das Hotel Jägerhof betreiben. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Ackerscheune in Willebadessen wird an Jägerhof-Hotelier vermietet

Tourismus: Sabine und Joachim Avenarius haben einen Mietvertrag mit Kaufoption unterschrieben. Unternehmerfamilie zahlt 50.000 Euro in Tourismusfonds ein

Hermann Ludwig
06.03.2019 | Stand 07.03.2019, 11:46 Uhr

Willebadessen. In einer nicht öffentlichen Sitzung des Rates der Stadt Willebadessen wurde beschlossen, die historische Ackerscheune in Willebadessen (ehemaliges Seminarzentrum), an den Eigentümer des Jägerhofs Joachim Avenarius für zunächst zehn Jahre zu vermieten. Zudem wurde eine exklusive Kaufoption für den neuen Mieter vereinbart. Joachim und Sabine Avenarius hatten 2017 das Hotel "Jägerhof" in Willebadessen mit 51 Zimmern und 100 Betten übernommen. Im neuen Hotel "Im Schloßpark" will die Unternehmerfamilie möglichst in drei Monaten 20 Zimmer für die Vermietung herrichten. Weitere Zimmer könnten in einem zweiten Schritt durch Umbaumaßnahmen hergerichtet werden. Die ersten Buchungsanfragen liegen bereits vor. "Wir wollen versuchen, Pfingsten die ersten Zimmer zu vermieten", erklärt Joachim Avenarius, der seit 2005 mit seiner Frau in Bad Driburg das Hotel "Waldcafé Jäger" mit 24 Zimmern und 39 Betten betreibt. Gästezahlen seit der Übernahme gestiegen Als Quereinsteiger ist der promovierte Wirtschaftsingenieur in die Branche gekommen. Der Vorsitzende der DEHOGA im Kreis Höxter sieht in Willebadessen großes touristischen Potenzial, wie der Erfolg des Jägerhofs auch zeige. Seit der Übernahme hat die Familie Avenarius in dem ehemals zur HK-Kette gehörenden Hotel den Umsatz um zehn Prozent steigern können, auch die Gästezahlen sind beträchtlich gestiegen, wobei die Steigerung wegen neuer statistischer Erfassungsmethoden nicht zu vergleichen seien. In den vier Betrieben in der Stadt Willebadessen wurden im letzten Jahr 29.282 Übernachtungen verzeichnet, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von fast 50 Prozent. In jedem Fall sieht der 48-Jährige in dem gemeinschaftlichen Betrieb der drei Hotels große Synergieeffekte. Insbesondere das Wanderpublikum hat die Hoteliersfamilie im Blick. Gerade erst habe sich eine Wandergruppe mit 24 Teilnehmern gemeldet, die von Bad Driburg nach Willebadessen wandern wolle. Diese Gruppe konnte dann schon im neuen Hotel "Im Schlosspark" unterkommen. Zimmer werden neu möbliert Im Inneren des Gebäudes sieht der neue Mieter wenig Investitionsbedarf. "Wir müssen die Zimmer neu möblieren und im Badbereich in einigen Zimmern investieren", meint Avenarius. Die Stadt als Eigentümer der Immobilie investiert 25.000 Euro für Fenster, Fassade und in die Wiederinbetriebnahme des Aufzugs. Die Gesamtfläche des ehemals von dem Unternehmen Sozialnetzwerk Arche unter dem Namen "Velcrea" genutzten Gebäudekomplexes beträgt 1.456 Quadratmeter, auf den modernen Anbau entfallen 448 Quadratmeter. In der historischen Ackerscheune von 1783 sind bisher neben Büro- und Verwaltungsbereichen auch Lehr- und Seminarräume, ein großer Saal mit Galerie, der auch für Konzerte genutzt werden kann, und ein Wohn- und Schlafbereich untergebracht. Im Keller gibt es einen Saunabereich. "Hier gibt es vielfältige Nutzungsmöglichkeiten", so Joachim Avenarius. Joachim und Sabine Avenarius wollen künftig den Schwerpunkt auf den Bereich Hotellerie liegen. Insbesondere Gruppen und Familien sind die Zielgruppen. "Wander- und Naturtourismus ist nachgefragt, hier bietet das Willebadessener Umfeld ideale Voraussetzungen", erklärt Avenarius. Übernachtung mit Frühstück wird angeboten, Hotelgäste können auch am Abend im Haus essen. "Wir bieten aber kein A-la-carte-Restaurant", betont Avenarius, der die Zusammenarbeit mit den bestehenden Betrieben sucht. "Die benachbarten gastronomischen Betriebe sollen von zusätzlichen Gästen profitieren", hofft Avenarius. Eine Außenterrasse für die Hausgäste ist geplant, auch der Standort der Parkplätze ist noch offen. Möglicherweise könnte eine Parkfläche neben dem Haus des Gastes hergerichtet werden, es gebe aber noch alternative Standorte. Im Winter soll Pause sein In jedem Fall möchte der neue Mieter der Ackerscheune das Hotel nicht ganzjährig betreiben. "Beide Häuser im Winter mit Gästen zu füllen, ist schwierig", erklärte Joachim Avenarius, der offen ließ, ob das neue Hotel "Im Schlosspark" auch eine eigene Leitung erhält. Das Hotel Jägerhof wird von Therese Benken geleitet, eine gemeinsame Buchungssoftware wird installiert. "Es wird eine enge Zusammenarbeit geben", weiß Joachim Avenarius. Eine enge Zusammenarbeit strebt die Familie Avenarius mit anderen gastronomischen Betrieben am Ort an, auch mit Konstantin von Wrede, der in direkter Nachbarschaft einen Ackerstall zu einer Feierscheune umgebaut hat. "Ein tolles Ambiente", sieht Avenarius Möglichkeiten, auch das Schloß in eine gemeinsame Konzeption einzubinden. Insbesondere für Hochzeiten biete sich das Ensemble an. Hier strebt der Hotelier eine enge Zusammenarbeit an. Zudem will die Familie Avenarius in jedem Jahr 5.000 Euro in einen "Tourismus-Fonds" einzahlen, aus dem Maßnahmen finanziert werden sollen, die von der Stadt nicht zu leisten sind. "An diesem Fonds können sich auch andere Akteure beteiligen", betont Avenarius, der seine drei Hotels künftig gemeinsam unter der Dachmarke "Avenarius Wohlfühlhotels" vermarkten will. "Ich wünsche dem Unternehmen viel Erfolg, von dem wir alle in der Stadt profitieren", so Bürgermeister Hans Hermann Bluhm bei der Schlüsselgabe. Bluhm zeigte sich zuversichtlich, dass der neue Mieter mit seinem Konzept das Haus "Im Schlosspark" erfolgreich führen werde.

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