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Einweihung: In Mera weihen Klaus und Rosi Krekeler einen neuen Kindergarten ein. - © Klaus Krekeler
Einweihung: In Mera weihen Klaus und Rosi Krekeler einen neuen Kindergarten ein. | © Klaus Krekeler

Peckelsheim Trotz Unruhen besucht ein Peckelsheimer Ehepaar Hilfsprojekte in Äthiopien

Hilfe aus Peckelheim: Ehepaar Krekeler besucht die Patenschaftsprojekte in Äthiopien. Sie berichten von Wirren und Unruhen und bitten vor allem für den Bau von Brunnen um Unterstützung

Dieter Scholz
25.02.2019 | Stand 25.02.2019, 14:40 Uhr

Peckelsheim/Jimma. Das Peckelsheimer Ehepaar Rosi und Klaus Krekeler schildern ihre Eindrücke von ihrem einmonatigen Aufenthalt zu Beginn des Jahres in Äthiopien. Es sei ein Land, das versuche, aufwärts zu streben. "Jedoch besteht es zurzeit nur aus Wirren und Unruhen", sagt Klaus Krekeler. Trotz der neuen, vom größten Teil der Bevölkerung anerkannten Regierung komme das Land am Horn von Afrika nicht zur Ruhe. Obwohl es gelungen sei, alte Muster zu durchbrechen und vormalige Regierungsmitglieder zu entlassen oder in Haft zu nehmen, kehre noch immer kein Frieden ein. "Teile der alten Regierung, die meisten vom Stamm der Tigrina, hatten jahrelang nur das Bestreben, sich selbst zu bereichern", erklärt der Diakon. Es kümmere sie wenig, dass die Bevölkerung immer ärmer geworden sei. "Millionen an Entwicklungsgeldern landeten in ihren Taschen, die sie in Amerika investierten", sagt Krekeler. Ein Land im Ausnahmenzustand Nach der Wahl des neuen Präsidenten aus dem Stamm der Oromo, der größten Bevölkerungsgruppe im Land, "die jedoch die wenigsten Rechte und Besitztümer hat", sei es zum Eklat gekommen. "Die vorherige Regierung und deren Anhänger taten sich zusammen und bezahlten der ärmeren Bevölkerung Geld dafür, Brände zu entfachen, Unruhe zu verbreiten und Kämpfe mit Macheten und Gewehren anzuzetteln", berichtet Krekeler. Vor allem Jugendliche schürten dann das Feuer. "Der verhängte Ausnahmezustand konnte bis heute nicht wieder aufgehoben werden", benennt er die Situation. In den Oromo-Gebieten komme es immer wieder zu Ausschreitungen, die sich häufig schnell auf andere Gegenden ausbreiteten. Die Regierung appelliere an die Vernunft der Menschen und versuche, Stärke zu zeigen. "Der Präsident schloss Frieden mit Eritrea, einem Land, in dem vorwiegend Menschen vom Stamm der Tigray leben", sagt Krekeler. Diese versuchten weiterhin, die Macht auch in Äthiopien zu behalten. Die Regierung sei nun dazu übergegangen, die Sicherheitskräfte der staatlichen Polizei (Federal Police), der Polizei der Oromo-Regionen (Oromo Police) und der Armee zu vereinen, um gemeinsam Sicherheit im Land herzustellen. Stationen des Hilfsprojekt teilweise nicht erreichbar Das Ehepaar Krekeler stieß rund um Oromo-Gebiete auf unzählige Straßensperren, "an denen alles und jeder kontrolliert wird". Man versuche, die Einschleusung von Waffen und Bombenmaterial zu verhindern, sagt Klaus Kekeler. Da es jedoch schon viel zu viel davon im Land gebe, werde es dauern, sie unter Kontrolle zu bekommen. Die Krekelers berichten von rund 15 Checkpoints, die sie auf ihren Wegen durch Äthiopien zu den Patenschafts-Hilfsprojekten passieren mussten. "Auto in die Warteschlange am Straßenrand, alle Türen auf, aussteigen und die Hände hoch", schildert Krekeler den Ablauf. "Dann wurden wir abgetastet und die Taschen durchsucht." Danach folgten Auto und mitgeführte Behältnisse." Die meist jungen Soldaten und Polizisten versuchten, so höflich wie möglich ihre Aufgabe zu erfüllen. Trotz der auf uns gerichteten Maschinengewehre." Da viele Oromo-Gebiete völlig gesperrt waren, konnten die Krekelers nicht alle Dörfer und Häuser besuchen, für die sie in ihrem Hilfsprogramm sammeln. "Aber viele der Orte, die angefahren werden konnten, hatten sich zum Vorteil entwickelt", hält Krekeler fest. Allerdings fanden sie viele Stellen aber auch in einem erschreckenden Zustand vor. "Das fehlende Wasser und der dadurch verursachte Nahrungsmangel sorgen dafür, dass es viele kranke und mit Krätze infizierte Menschen und unterernährte Kinder gibt", erklärt der Peckelsheimer. Apell für Rückführung von äthiopischen Flüchtlingen Besonders beeindruckt habe sie die Situation der Frauen und alten Menschen, "die von ihren Männern und Söhnen allein gelassen wurden, da sie in Amerika oder Europa ihr Glück suchen". Oftmals würden nach kurzer Zeit ihre Zahlungen aus dem Ausland eingestellt oder ihr Geld fieße in die Kämpfe zwischen den Völkern. "Vor allem die eritreischen jungen Männer versuchen dadurch, erneut eine Tigray-Regierung in Äthiopien zu installieren", vermutet Krekeler. Klaus Krekeler appelliert an die Regierungen, diese Jugendlichen zurück in ihre Heimat zu schicken und ihnen dort zu helfen, Arbeit zu finden, Land zu erwerben und dessen Bewirtschaftung zu erlernen. Dies habe auch der äthiopische Präsident beim Besuch in Deutschland formuliert. Die jungen Äthiopier sollten helfen, ihr Land neu aufzubauen. "Mit der derzeitigen deutschen Politik machen wir uns mitschuldig am Elend und Untergang des wunderschönen Landes", sagt Krekeler. Ihr Patenschaftsprogramm könne nur helfen, die allergrößte Not zu lindern. Die Krekelers bitten um Unterstützung beim Bau von Häusern, Kindergärten und Brunnen, bei der Ausstattung von Kliniken und beim Kauf von Medikamenten, bei der Ausgabe von Nahrungsmitteln in Kindergärten und Schulen, an alte und kranke Menschen und bei Kleinkrediten für Frauen.

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