Informativ: Über die Auswirkungen der Ansiedlung des Netto-Marktes informierte Einzelhandelsgutachter Jörg Lehnerdt (l.). Bürgermeister Hans Hermann Bluhm und dessen Vertreterin Anita Poschmann waren in der Ratssitzung aufmerksame Zuhörer. - © Hermann Ludwig
Informativ: Über die Auswirkungen der Ansiedlung des Netto-Marktes informierte Einzelhandelsgutachter Jörg Lehnerdt (l.). Bürgermeister Hans Hermann Bluhm und dessen Vertreterin Anita Poschmann waren in der Ratssitzung aufmerksame Zuhörer. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Willebadessener Stadtrat diskutiert über Ansiedlung eines Discounters

Stadtrat diskutiert Auswirkungen der Ansiedlung eines Netto-Marktes in Willebadessen. Gutachter Jörg Lehnerdt weist auf die Bedeutung des Sportheims für das Ortsleben hin und skizziert Auswirkungen auf das Marktgeschehen

Hermann Ludwig

Willebadessen. Dicht gefüllt waren die Zuschauerränge in der Ratssitzung in der Peckelsheimer Zehntscheune. Jörg Lehnerdt, Niederlassungsleiter des Beratungsbüros BBE aus Köln, informierte eingehend über die möglichen Auswirkungen der Ansiedlung eines Netto-Marktes in Willebadessen. "Unter dem Strich hat Rewe nichts davon", urteilte der Einzelhandelsexperte. "Die Bürger können mehr verlieren als gewinnen", bilanzierte Lehnerdt an die Adresse der Ratsmitglieder. Lehnerdt machte deutlich, dass die Risiken für den bestehenden Rewe-Markt größer seien. "Ein Supermarktähnlicher Discounter wie Netto tut Rewe merklich weh", sagte der Experte unmissverständlich. Der Rewe-Markt würde wahrscheinlich nicht unmittelbar schließen, aber ein Ausstieg auf Raten könne die Folge sein, meinte Lehnerdt auf die Frage des CDU-Ratsherrn Markus Hagemann, ob am Ende des Konkurrenzkampfes möglicherweise nur der Netto-Markt übrig bleibe. "Wenn Netto nicht kommt, wird niemand verhungern" Auf der anderen Seite wären die Folgen überschaubar, wenn sich der Netto-Markt gegen eine Ansiedlung entscheiden würde. "Wenn Netto nicht kommt, wird niemand verhungern", sagte Lehnert mit dem Hinweis, dass ja in der Nachbarschaft in Lichtenau, in Scherfede oder auch in Warburg ein Netto-Markt bestehe, die angesichts der Mobilität der Kunden schnell erreichbar seien. Der Nachteil wäre, dass man in Willebadessen dann eben auch keinen Discounter hätte, wobei der Netto mit seinem Warenangebot, zu dem auch Frischwaren und Bioprodukte gehören, als Soft-Discounter eingestuft werde. Lehnerdt deutete auch an, dass es eher unüblich sei, wenn ein Projektierer für einen Supermarkt die Kosten für den Abriss und den Neubau eines Sportheims übernehmen würde. Mit Blick auf den vom Projektierer gewünschten Standort an der Stelle des bestehenden Sportheims am Kreisel verwies die Branchenexperte auch auf die Bedeutung des Gebäudes für das Leben im Ort. "Das ist die DNA einer Kleinstadt, das sollte man nicht aufs Spiel setzen", urteilte Lehnerdt. Das Engagement der Ehrenamtlichen, das Vereinsleben, all das würde in Frage gestellt. Hubertus Gockeln, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Stadt den Abriss und Neubau nicht finanzieren werde. "Ich sehe keinen Vorteil für uns, wenn wir den neuen Markt ansiedeln. warum sollten wir dann Gelder der Bürger ausgeben für ein neues Sportheim", fragte Gockeln in die Runde. Informationen über die Kaufkraftverteilung Einzelhandelsgutachter Jörg Lehnerdt informierte die Ratsmitglieder und Zuhörer auch über die Kaufkraftverteilung in der Stadt. Die Stadt sei zwar die Summe aller Teile, gleichwohl sei ein zweigeteiltes Einzugsgebiet zu erkennen. Der westliche Teil mit rund 4.000 Einwohnern mit dem Kern Willebadessen weise eine Kaufkraft von zehn Millionen auf, wobei zu erkennen sei, dass ein Teil der Kaufkraft abfließe, erst recht nach der Schließung des Aldi-Marktes. Viele Kunden mit Discounter-Orientierung würden jetzt in den Nachbarorten bei den Aldi-Märkten in Warburg, Lichtenau und Scherfede einkaufen. Bürgermeister Hans Hermann Bluhm dankte dem Einzelhandelsfachmann für die detaillierte Darstellung. "Das war sehr hilfreich für die weiteren Schritte", so Bluhm.

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