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Warburg/Kassel-Calden Zurückhaltende Bilanz für Kassel-Calden

Aufsichtsrat des Flughafens hat nach einem guten halben Jahr ein erstes Fazit gezogen

18.10.2013 | Stand 16.10.2013, 19:15 Uhr

Warburg/Kassel-Calden (cap). Ein ungewohnter Anblick: 600 Passagiere warteten am vergangenen Freitag in Kasel-Calden auf ihren Abflug. An den Andrang braucht sich das Bodenpersonal nicht gewöhnen: Im Winterflugplan, der ab November gilt, sind regelmäßige Ferienflüge nicht mehr vorgesehen. Fünf Monate geht der jüngste Flughafen Deutschlands in den Winterschlaf. Kritiker befürchten, dass er daraus auch nie wieder aufwachen wird.

Unterdessen tagte ebenfalls am vergangenen Freitag der Aufsichtsrat der Flughafen GmbH Kassel (FGK) und zog eine erste Bilanz. "In einem für die Luftverkehrswirtschaft insgesamt schwierigen Jahr hat auch der Regionalflughafen Kassel-Calden nicht in vollem Umfang die für den Sommerflugplan erhofften Flüge und Passagierzahlen umsetzen können", sagte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der FGK ist. Mehr als 30.000 Passagiere seien in dem halben Jahr zu den klassischen Urlaubsregionen auf Mallorca, in Dalmatien und in die Türkei geflogen worden. "Auch für die kommende Sommersaison werden zahlreiche attraktive Ziele im Flugplan stehen", so Schäfer weiter.

Die Fluggesellschaft Germania hat offiziell angekündigt, dass sie im Sommerflugplan 2014 die Antalya-Flüge der Airline Tailwind übernimmt. Auch das Ziel Mallorca soll im Sommerflugplan wieder erscheinen. Trotzdem fiel die erste Bilanz rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Regionalflughafens eher zurückhaltend aus: Die Nutzbarkeit für Ferienflüge sei immerhin nur ein Aspekt für die Ausbauentscheidung gewesen. "Die Sicherung und der Ausbau als Infrastruktur der allgemeinen Luftfahrt mit ihren rund 19.000 Starts und Landungen ist mindestens ebenso wichtig", betonte Schäfers.

Das ist die positive Seite der ansonsten doch eher negativen Bilanz des Flughafens. Endgültige Zahlen werde es zwar erst nach Ablauf des Geschäftsjahres geben, dass der Flughafen allerdings bisher unter den erwarteten Passagierzahlen geblieben ist, ist kein Geheimnis. Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung am 4. April fielen die ersten Flüge direkt wegen mangelnder Fluggäste aus - andere wurden nach Paderborn-Lippstadt verlegt.

Vor der Eröffnung prognostizierten die Verantwortlichen etwa 560.000 Passagiere bis 2015 - 2020 sollten es dann bereits 640.000 sein. Zeitgleich sprach der Flughafenverband ADV vom "schlechtesten Jahresstart seit der Finanz- und Wirtschaftskrise" - für die gesamte Branche.

Zumindest eine positive Nachricht gab es für Dr. Thomas Schäfer am vergangenen Freitag zu berichten: "Wir haben heute den Grundstock für das neue Zuhause des historischen Flugzeugs gelegt. Der Standort wird ein attraktiver Anlaufpunkt für alle Luftfahrt-Fans werden."

Denn die Vermarktung der Baugrundstücke am neuen Flughafengelände scheint - im Gegensatz zu den Ferienflügen - eine Erfolgsgeschichte zu sein. Von insgesamt 47.800 Quadratmetern Hochbaufläche auf dem Flughafengelände seien bis heute bereits 42.700 vermarktet worden oder in Verhandlungen. "Als nächster Schritt treiben wir die Entwicklung der Gewerbeflächen auf dem alten Flughafengelände voran", so Schäfer. Denn Flieger werden jetzt erst einmal bis April 2014 dort nicht mehr abheben.

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