Der Schlot der Warburger Zuckerfabrik dampft, weil in dem Werk täglich 4.700 Tonnen Rüben verarbeitet werden. Bis Mitte Dezember wird das noch so gehen. Erst dann endet die aktuelle Kampagne. - © FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER
Der Schlot der Warburger Zuckerfabrik dampft, weil in dem Werk täglich 4.700 Tonnen Rüben verarbeitet werden. Bis Mitte Dezember wird das noch so gehen. Erst dann endet die aktuelle Kampagne. | © FOTO: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Warburg Den Rüben geht es an den Zucker

Kampagne in der Zuckerfabrik Warburg läuft auf Hochtouren

Von Carolin Nieder-Entgelmeier

Warburg. Im Minutentakt fahren Traktoren und Lastwagen vor. Sie haben wertvolles Gut an Bord - Zuckerrüben der Warburger Börde. Seit drei Wochen läuft die Warburger Zuckerfabrik rund um die Uhr auf Hochtouren. Der Schlot der Fabrik dampft und der süßliche Geruch der Rübenverarbeitung hat sich über die Stadt gelegt. "Es herrscht Ausnahmezustand, denn bis zur zweiten Dezemberwoche werden wir täglich 4.700 Tonnen Rüben verarbeiten", kündigt Werksleiter Stefan Mondel an.

Der Diplomingenieur hat das genau im Blick, denn durch sein Bürofenster blickt Mondel direkt auf den Wasserstrom der Rüben. Ruhige Minuten hat er daher nicht mehr. "Werksleiter wünschen sich, den Produktionsprozess überblicken zu können", sagt Mondel. "Daher sehe und höre ich, wenn die Produktion stoppt." So habe der Lärm auch Vorteile.

Laut ist es auch auf dem Hof, wenn die Zuckerrüben abgeladen werden. "Vorher entnehmen wir von jeder Ladung Proben. Die Rüben verarbeiten wir zu einem Brei, den wir dann zur Feststellung des Zuckergehalts in das Werk Ochsenfurt schicken." Dieser Wert sei ausschlaggebend für den Preis. "Wir bezahlen die Landwirte für das Gewicht und den Zuckergehalt", erklärt Mondel, der auch die "Südzucker"-Werke Wabern und Ochsenfurt leitet.

Doch bevor die Landwirte ihre Ladungen abkippen, begutachten zwei Mitarbeiter die Rüben und schätzen, wie viel Dreck noch mit in der Ladung steckt. "Die Rüben kommen nicht blitzblank bei uns an. Im Schnitt sind zwischen sieben und zehn Prozent Schmutz dabei, doch daraus können wir keinen Zucker gewinnen." Deshalb bezahlen die Zuckerfabrik, aber auch die Landwirte, jeweils einen Schätzer.

Danach können die Rüben trocken oder nass abgeladen werden. "Bei der trockenen Variante werden die Rüben für Tage bereitgehalten, an denen keine Rüben angeliefert." Die Rüben zur direkten Verarbeitung holen die Mitarbeiter mit einem Wasserstrahl von den Anhängern. "Dann werden die Rüben gereinigt und in Schneidemaschinen zu Schnitzel verarbeitet." Anschließend werden die Schnitzel erhitzt, um die Zellwände durchlässig zu machen und um den Zucker aus der Rübe zu lösen. "In den sogenannten Extraktionstürmen werden die Schnitzel entzuckert. Während die Schnitzel getrocknet und zur Viehfütterung verwendet werden, fließt der für uns so wichtige Rohsaft zur nächsten Station."

Der Rohsaft enthalte im Schnitt 17 Prozent Zucker. "Der Saft wird zur Reinigung mit Kalkmilch versetzt. Der dabei entstehende Carbokalk wird abgepresst und als Düngemittel genutzt." Übrig bleibe eine klare Flüssigkeit, der sogenannte Dünnsaft. "In einer mehrstufigen Verdampfstation wird der Saft wieder eingedickt. Dabei verwandelt er sich in eine goldgelbe, dickflüssige Masse."

Auch der letzte Schritt der Verarbeitung, die Kristallisation, funktioniere nur in mehreren Stufen. "In Kochapparaten wird der Saft kristallisiert. In Zentrifugen erfolgt dann die Trennung des Sirups von den Zuckerkristallen", sagt Mondel. Der daraus gewonnene Weißzucker werde getrocknet und gelagert. Der abgetrennte Sirup werde hingegen noch zwei weiteren Kristallisationsstufen unterzogen. "Zudem lösen wir den kristallisierten Zucker auf. Diese Lösung wird filtriert und durch eine erneute Kristallisation entsteht dann Raffinade."

2012 lief die Kampagne 94 Tage lang. "Dieses Jahr beenden wir die Kampagne früher, weil die Ernte nicht nur verspätet begann, sondern auch etwas geringer ausfallen wird. Die Zahlen sind aber nicht alarmierend, es ist ein durchschnittliches Jahr."

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