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Vörden Herausforderung für Pflege und Politik

Bundestagswahl: CDU-Kandidat Christian Haase im Albert-Schweitzer-Haus

von madita peine
22.08.2013 , 13:00 Uhr
Bundestagskandidat Christian Haase erkundigt sich bei seinem Besuch im Albert-Schweitzer-Haus in Vörden nicht nur beim Pflegepersonal über die Situation der Pflegeheime, sondern spricht auch mit den Bewohnern der Einrichtung, so wie Cecilia Michels. - © FOTO: MADITA PEINE
Bundestagskandidat Christian Haase erkundigt sich bei seinem Besuch im Albert-Schweitzer-Haus in Vörden nicht nur beim Pflegepersonal über die Situation der Pflegeheime, sondern spricht auch mit den Bewohnern der Einrichtung, so wie Cecilia Michels. | © FOTO: MADITA PEINE

Vörden. Mehr Toleranz für Demenzkranke und ein besseres Image für Pflegeheime: Beim Besuch des CDU-Bundestagskandidaten Christian Haase im Albert-Schweitzer-Haus in Vörden gaben Leiterin Elisabeth Klennert und ihre Mitarbeiter dem Politiker einige Wünsche mit auf den Weg. Die Pfleger schilderten auch ihre Sorgen.

"Über eine Millionen Arbeitnehmer sind in der Pflege tätig. Damit ist es Deutschlands Berufszweig mit den meisten Mitarbeitern", sagte Haase zu Beginn seines Besuchs, an dem auch weitere CDU-Vertreter teilnahmen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird zukünftig weiter steigen. Haase wollte sich vor Ort ein Bild vom Beruf des Pflegers und der Situation der Pflegeheime im Kreis Höxter machen.

Seiner Meinung nach warten Angehörige pflegebedürftiger Menschen manchmal zu lange, bis sie sich Hilfe holen. "In diesen Fällen kostet es die Angehörigen zu viel Kraft, sich neben dem Beruf und der Familie allein um die Person zu kümmern", sagte Haase. Klennert stimmte ihm zu. "Auch hier in Vörden gibt es eine hohe soziale Kontrolle. Die Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihre Angehörigen zur Pflege zu uns bringen", sagte die Leiterin des Albert-Schweitzer-Hauses. Wichtig sei es, dass die Pflegeeinrichtung mit den Familien der Pflegebedürftigen zusammenarbeite.

Ebenfalls wurde über die Situation des Pflegepersonals gesprochen. "Mich motivieren Erfolgserlebnisse", sagte Natascha Reiter, Mitarbeiterin des Albert-Schweitzer-Hauses. Als Beispiel nannte sie eine Frau, die einst apathisch in die Pflegeeinrichtung gebracht wurde. "Im Laufe ihres Aufenthalts haben wir erreicht, dass sie sogar wieder eigenständig essen konnte", erzählte Reiter. Auch Thomas Lauinger gefällt seine Arbeit in der Senioren- und Pflegeeinrichtung. Ein Praktikum im Nieheimer Altenheim begeisterte ihn für den Beruf des Pflegers. "Es ist immer weniger ein klassischer Frauenberuf", sagte er.

Das Praktikum wurde auch als gute Chance genannt, um junge Menschen, wie Lauinger, für den Beruf zu begeistern. "Zudem sind Praktikanten, so wie ehrenamtliche Helfer, für uns ein echter Lichtblick", sagte Mitarbeiterin Claudia Zalberg. "Durch ihre Mitarbeit entlasten sie unseren straffen Zeitplan. Denn in diesem Beruf ist die Zeit unser größter Feind", sagte sie. "Natürlich nimmt man sich beim Anreichen des Essens Zeit für die Bewohner, aber im Hinterkopf hat man schon die nächsten Aufgaben, die dringend erledigt werden müssen", erklärte Zalberg.

Allein das Dokumentieren der erfüllten Aufgaben nehme oft ein Viertel der Arbeitszeit ein. "Was nicht dokumentiert wird, gilt bei Prüfungen als nicht gepflegt", erklärte Klennert. Sie wünsche sich eine Entbürokratisierung. Per Hand sei das Dokumentieren nicht mehr zu schaffen. "Deshalb haben wir unser System digitalisiert", sagte sie. "Wir müssen nicht nur das Interesse für den Pflegeberuf wecken, sondern die Mitarbeiter ebenfalls entlasten, um sie dauerhaft zu binden", bemerkte auch Haase. Das Albert-Schweitzer-Haus, das zum evangelischen Johanneswerk gehört, werde mittlerweile von acht verschiedenen Instanzen geprüft, deren Bereiche sich teilweise überschneiden. "Etwa alle vier Wochen findet in unserem Haus eine große Prüfung statt", erklärte Klennert. Bei so vielen Bewertungen verzichte das Johanneswerk auf eine eigene Rezertifizierung. Ulrich Jung, ehemaliger Bürgermeister Marienmünsters, betonte die Wichtigkeit guten Rufs. "Es geht nicht nur um Zertifizierungen, sondern darum, dass die Bewohner zufrieden sind", sagte er. Zum Wohlbefinden trage ein abwechslungsreiches Personal bei. "Wir suchen daher nicht nur junges Pflegepersonal. Gerade ältere Menschen können sich mit unseren Bewohnern gut über frühere Zeiten oder traditionelle Kochrezepte unterhalten", sagte Klennert. "Welcher junge Erwachsene kann denn heute noch 'Himmel und Äd' kochen?", fragte sie mit einem Augenzwinkern.

Die Leiterin äußerte am Schluss noch einen weiteren Wunsch: Mehr Verständnis für Menschen mit Demenz. Im hohen Alter sei immerhin jeder Zweite von der Krankheit betroffen. "Mehr Akzeptanz aus der Bürgerschaft heraus würde die Angehörigen der Erkrankten sehr entlasten", sagte sie. Auf Äußerlichkeiten werde oft zu viel Wert gelegt.

Haase versprach am Ende seines Besuchs im Pflegeheim, die Erkenntnisse nicht so schnell zu vergessen. "Ich werde sie für meine weitere Arbeit im Kreis Höxter, aber auch für andere politische Ebenen mitnehmen", sagte er.