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Das Betonwerk mit Sitz in Westheim, das von dem Warburger Hermann Jakobs geführt wird, steht vor dem Aus. - © FOTO: HUBERT RÖSEL
Das Betonwerk mit Sitz in Westheim, das von dem Warburger Hermann Jakobs geführt wird, steht vor dem Aus. | © FOTO: HUBERT RÖSEL

Westheim Westheimer Betonwerk hat Insolvenz angemeldet

Kombi-Massiv-Bauelemente ist pleite / "Firmenchef Jakobs hat das wahrgemacht, was er vor einem Jahr versprochen hat"

VON CARMEN PFÖRTNER
28.02.2013 | Stand 26.02.2013, 20:21 Uhr

Westheim. Das Betonwerk Kombi-Massiv-Bauelemente (KMB) in Westheim hat in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Das bestätigte Jörg Nolte, Sprecher des mit dem Verfahren beauftragten Rechtsanwalts Horst Piepenburg, auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Das Unternehmen, das geschäftsführend von dem Warburger Hermann Jakobs geführt wird, wollte sich zur Insolvenz gegenüber dieser Zeitung nicht äußern.

53 Angestellte arbeiten zur Zeit bei KMB – seit Dezember haben sie kein Geld mehr auf ihrem Gehaltskonto gesehen. "Die Arbeitsagentur wird die Gehälter vom Januar, Februar und März nun übernehmen", berichtet Nolte. Gerade arbeite er an einer so genannten "Vorfinanzierung", "damit die Arbeitnehmer nicht bis zur Insolvenzeröffnung Anfang April auf ihr Geld warten müssen", so Nolte.

Für Bodo Matthey, stellvertetender Regionalleiter der IG Bau, Agrar und Umwelt (BAU), kommt die Insolvenz nicht überraschend: "Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Hermann Jakobs angekündigt, das Unternehmen gegen die Wand zu fahren, sollte sich der Betriebsrat nicht auflösen." Nun hätte der Firmenchef seine Drohung war gemacht.

Seit einem Jahr streiten die Angestellten mit dem Inhaber über ihre Gehälter. Damals hatte sich ein Betriebsrat gegründet, der sich für die gehaltliche Eingliederung der Mitarbeiter in einem Tarifvertrag einsetzte. Viele der Mitarbeiter waren im Sommer in den Streik getreten. Die KMB-Geschäftsführung hatte sich nach Angaben der IG Bau zu Verhandlungen über Lohnerhöhungen bereiterklärt – mit der Bedingung, dass der Betriebsrat zurücktritt. Wenig später setzte die Geschäftsführung Leiharbeiter ein, um den Arbeitskampf der streikenden Mitarbeiter zu unterlaufen (die NW berichtete).

Kurz vor der Insolvenz habe die Geschäftsleitung von KMB das 100-prozentige Tochterunternehmen Kombi-Massiv-Bau Schlüsselfertiges Bauen GmbH laut Informationen der Zeitung DerWesten in Kombiton GmbH umbenennen lassen. "Mir ist schleierhaft, wie das als eigenständiges Unternehmen laufen kann", sagt Bodo Matthey. Laut seiner Information würden die Angestellten in beiden Hallen, also in beiden Werken, arbeiten und produzieren und regelmäßig ausgetauscht werden. "Das ist ein Trick, um das Geschäft zu retten", sagt Matthey.

Matthey sei momentan in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberverband in Gesprächen, um potenzielle Investoren für das Westheimer Werk zu suchen. Er bezweifle allerdings, dass Firmenchef Jakobs einer Beteiligung eines Investors zustimmen würde. "Jakobs sucht sich jetzt die Rosinen raus", sagt Matthey.

Auch Jörg Nolte ist vorsichtig mit Prognosen, wie es mit dem Unternehmen weitergehen könnte. "Momentan müssen wir erst einmal herausfinden, ob der Geschäftsbetrieb stabilisiert und fortgeführt werden kann." Gerade würden noch die letzten Anlieferungen und Fertigungen laufen – ob jetzt noch neue Aufträge angekommen werden könnten, müsse erst herausgefunden werden. Danach gehe es für den Anwalt an die Erarbeitung von Modellen, wie der Betrieb fortgeführt werden könnte.

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