Warburg Eintauchen an einem rituellen Ort

Björn Ernst gibt Einblicke in die Mikwe im Glockengießerhaus / Jüdisches Tauchbad gilt als Sensationsfund

VON PAUL GERLACH
Bevor Hausbesitzer Björn Ernst die Mikwe komplett freilegen konnte, musste erst der Betonboden aufgebrochen werden. Darunter verbarg sich der wertvolle Fund, den Ernst gerne öffentlich zugänglich machen würde - aber nicht ohne Fördermittel. - © FOTO: PAUL GERLACH
Bevor Hausbesitzer Björn Ernst die Mikwe komplett freilegen konnte, musste erst der Betonboden aufgebrochen werden. Darunter verbarg sich der wertvolle Fund, den Ernst gerne öffentlich zugänglich machen würde - aber nicht ohne Fördermittel. | © FOTO: PAUL GERLACH

Warburg. Björn Ernst und Wiebke Jassmeier haben mit der Sanierung des Glockengießerhauses in der Warburger Altstadt alle Hände voll zu tun. Viel Geld bleibt für den Erhalt der Mikwe, des jüdischen Tauchbades im Keller ihres Hauses, nicht übrig. Fördermittel gibt es keine - auch wenn Ernst den Sensationsfund gerne einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen würde.

Der 32-Jährige steigt die Stufen in den Keller ab. "Vorsicht, den Kopf einziehen", warnt er den Begleiter auf der engen Treppe hinunter. Ende 2010, Anfang 2011 habe er wissen wollen, was für ein Fußboden unter dem Betonboden war, der dort in den 1960er Jahren aufgebracht worden war. Schnell sei er auf Stufen gestoßen. "Zunächst dachten wir, es wäre ein Brunnen", berichtet Ernst. Peter Kirschbaum, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger und Wünschelrutengänger, sei mit der Rute durch den Keller durch. Diese habe dann genau an der Stelle ausgeschlagen, wo heute die Mikwe ist. Kirschbaum habe vermutet, dass es sich um eine Mikwe handeln könnte, doch Experten der LWL Archäologie für Westfalen seien von einem Brunen ausgegangen.

Information

2011 entdeckt

In einem verfüllten Keller des Glockengießerhauses wurde 2011 die Mikwe entdeckt: Der tonnengewölbte Keller aus Kalkbruchsteinen, unter der Nordwestecke des Vorderhauses Bernhardistraße 23 gelegen, wird über eine elfstufige Treppenanlage erschlossen.

Die Warburgerin Wiebke Jassmeier und Björn Ernst hatten im Herbst 2009 das Glockengießerhaus erworben und seither kräftig renoviert.

Wer Interesse an einer Führung in der Mikwe hat, schreibt an glockengiesserhaus@gmx.de.(psg)

"Wir haben weiter gebuddelt und den Gewölbebogen gefunden", so Ernst. Daraufhin hätten auch die LWL-Mitarbeiter ihre Meinung geändert. 15 Kubikmeter Unrat und Schlick holten Ernst und seine Helfer bei den Arbeiten aus dem Keller. "Das Bassin muss aus statischen Gründen verfüllt worden sein oder weil nur noch zu wenig Wasser vorhanden war", erklärt Ernst. "Denn bei dem Reinigungsritual musste man einmal komplett untertauchen."

Die Arbeiten an der Mikwe und am Glockengießerhaus insgesamt sind für Ernst und Jassmeier sehr kosten- und zeitintensiv. Da er für beide Objekte keine Fördermittel erhält, hofft er auf mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand. "Bei der Mikwe steht nun ein privater Geldgeber dahinter, der namentlich nicht genannt werden möchte." So ist eine Digitalisierung der Mikwe als 3D-Modell geplant. Aus Ernsts ursprüngliche Idee, die Mikwe der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird vorerst nichts. Der Bauherr wollte den Betonboden komplett herausnehmen, die Mikwe abdecken sowie die Treppe und die Mikwe mit einem Geländer versehen lassen. Einen Antrag auf Fördermittel für diese Arbeiten stellte er bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die ebenfalls Interesse an einer Digitalisierung der Mikwe gezeigt hatten. Als die Stiftung auf seinen Antrag nicht einging, ließ Ernst sie nicht mehr in sein Haus: "Da keine Fördermittel fließen, kümmere ich mich nur noch um die Absicherung der

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