Warburg Seine Heiligkeit besucht das Kloster

Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche wird in Warburg neuen Bischof der deutschen Diözese einführen

Bischof Philoxinos Mathias Nayis. - © FOTO: PRI
Bischof Philoxinos Mathias Nayis. | © FOTO: PRI

Warburg (scho). Erzbischof Mor Julius Hanna Aydin wird das Warburger Kloster St. Jacob von Sarug verlassen. Denn der Warburger Bischofssitz der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland wird neu besetzt. Der Oberhirte der Kirche von Antiochien, Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas, hat Bischof Philoxinos Mathias Nayis als Metropolit und Patriarchalvikar von Deutschland eingesetzt. Bereits am Sonntag wird der geistliche Würdenträger in der Warburger Klosterkirche in sein neues Amt eingeführt – vom Patriarchen persönlich.

Zwei Bischöfe in einem Kloster, das sei nicht gut, bemerkt Erzbischof Julius, der seit 30 Jahren in Deutschland wirkt, am Telefon. Der 65-Jährige wird ins münsterländische Delmenhorst ziehen. Von dort aus werde er sich um die vielfältigen politischen und ökumenischen Beziehungen seiner Kirche in der Bundesrepublik kümmern, erklärt er. Eine Art Nuntiatur. Diese Aufgabe habe ihm der Patriarch übertragen. Bischof Philoxinos Mathias Nayis obliege die Seelsorge. 56 syrisch-orthodoxe Gemeinden gibt es in Deutschland mit rund 80.000 Gläubigen.

Ein gescheiter Mann, sagt Bischof Julius. "Mit einem ruhigen und besonnenen Charakter." Den neuen Bischof für Deutschland kenne er ganz gut. "Ich war häufig mit ihm in Damaskus zusammen", denkt er zurück. Bischof Julius wird am Sonntag zur Einführung auch einige Worte sprechen. Seine Hoffnung: Nayis liege der Unterricht sehr am Herzen. "Er möchte im Warburger Kloster vielleicht wieder eine Schule etablieren", sagt er. Wenn er genügend Schüler um sich sammeln könne.

Nayis ist mit seinen 37 Jahren ein junger Bischof. Die Eltern stammen aus der Region Tur Abdin im Südosten der Türkei. Geboren in Schweden, aufgewachsen und studiert in Damaskus. Zuletzt war er der persönliche Sekretär des syrisch-orthodoxen Patriarchen, der wegen der bewaffneten Unruhen in Syrien seinen Patriachalsitz in Damaskus aufgab und seit einigen Monaten in Beirut im Libanon lebt.

Die unüberschaubare Situation in Syrien wirkt bis in die deutschen syrisch-orthodoxen Gemeinden hinein. "Die Planungen des Patriarchen haben uns schon überrascht", sagt Isa Celik vom Diözesanrat. Äußerst kurzfristig habe der Oberhirte entschieden und das Gremium informiert.

Der Patriarch kommt am Sonntag mit mehreren Bischöfen aus der Türkei, Skandinavien, Holland, Belgien, dem Libanon und Syrien ins beschauliche Warburg. Die Einführung des neuen Bischofs, "ein besonderes Ereignis", sagt Celik. Heute treffen sich die Kirchenvertreter mit Vertretern des Warburger Ordnungsamtes und Polizei. Sicherheitsfragen sollen geklärt werden.

Erzbischof Julius wird viel unterwegs sein. "Von Bayern bis Hamburg und weiter nach Berlin", sagt er. Viele Menschen aus Syrien und dem Irak suchen aktuell in Deutschland Schutz. "Sie machen mir große Sorge."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group