0
Stefan Prott (v. l.), Leiter des Büros für Wasserkraft der Energieagentur NRW, Franz-Axel Kohlschein und Michael Kohlschein freuen sich mit den Beteiligten der ausführenden Unternehmen, dass die neue Wasserkraft-Schnecke nun an der Kuhlemühle steht. - © FOTO: PAUL GERLACH
Stefan Prott (v. l.), Leiter des Büros für Wasserkraft der Energieagentur NRW, Franz-Axel Kohlschein und Michael Kohlschein freuen sich mit den Beteiligten der ausführenden Unternehmen, dass die neue Wasserkraft-Schnecke nun an der Kuhlemühle steht. | © FOTO: PAUL GERLACH

WARBURG Kommt eine Schnecke geflogen

Wasserkraftwerk der Brauerei Kohlschein soll in zwei Wochen Strom produzieren

VON PAUL GERLACH
28.06.2012 | Stand 27.06.2012, 20:12 Uhr

Warburg. 3,40 Meter im Durchmesser, 6,30 Meter lang und 20 Tonnen schwer - die neue Wasserkraft-Schnecke an der Kuhlemühle hat gewaltige Dimensionen: Die Schnecke, die künftig den Generator des Wasserkraftwerks der Brauerei Kohlschein antreiben soll, ist gestern in die bereits fertigen Betonelemente eingebaut worden. Die Neue Westfälische war bei dem Einbau dabei.

Information

Mühlenpracht

Schon um das Jahr 1000 gab es in Warburg Mühlen an Diemel und Twiste.

Um 1500 kamen die Austermühle und die Kuhlemühle hinzu.

1720 erneuerte Müller Herdermerten in der Kuhlemühle die Mahlwerke für Korn und das Sägegatter.

1813 kaufte der Protzmüller Solf die "Realität Kuhlemühle mit Ländereien" für 518 Taler.

1854 erwarb Christian Bering die Kuhlemühle und errichtete eine Papierfabrik.

1971 ging die Fabrik Konkurs und die Brauerei Kohlschein übernahm den Standort.(psg)

Eine Wasserkraft-Schnecke ist gestern Morgen innerhalb von gut drei Stunden in die Betonelemente an der Warburger Kuhlemühle eingesetzt worden. Ein Schwerlaster hatte die Schnecke mit 100 Kilowatt Leistung in der Nacht zu Mittwoch von der holländischen Grenze zum Kraftwerk der Brauerei Kohlschein gebracht: Vier Stunden dauerte der Transport, bis der Fahrer um 1 Uhr nachts an der Kuhlemühle ankam.

2,70 Meter Gefälle überwindet die Schnecke - im Verbund mit einer neuen Fischtreppe, die etwa Aalen oder Äschen das Wandern ermöglicht. Franz-Axel Kohlschein zeigt sich hochzufrieden mit dem Bauverlauf: "Mit Stefan Prott, Leiter des Büros für Wasserkraft der Energieagentur NRW, und dem planenden Ingenieur Diethelm Breker hatten wir zwei sehr kompetente Unterstützer, die mit der Materie sehr vertraut sind." Die Brauerei verbessere sich ökologisch durch das Projekt. 20 Prozent der 800.000 Euro Gesamtkosten übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen. "Ohne diese Investition des Landes wäre die Schnecke nicht gebaut worden", stellt Franz-Axel Kohlschein klar.

Laut Prott ist die Schnecke die größte ihrer Art in Nordrhein-Westfalen. In zwei Wochen soll der erste Strom fließen: Damit erhöht sich die Leistung des Wasserkraftwerks von 0,9 Megawatt auf 1,3 Megawatt. "Bisher haben wir 60 Prozent der Wassermenge verstromt, jetzt sind es 80 Prozent", sagt Franz-Axel Kohlschein. Ein Drittel des erzeugten Stroms wird die Brauerei selber verbrauchen. Die anderen zwei Drittel speist sie zum Preis von 12,7 Cent pro Kilowattstunde ins öffentliche Netz ein. "99 Prozent unseres Bedarfs können wir selbst abdecken."

Mit einem Plastikschlauch zum Stückpreis von 20.000 Euro, der 20 Tonnen Gewicht tragen kann, wurde die Schnecke gestern in Position gebracht. Sechs Mitarbeiter waren dabei im Einsatz. Zu Spitzenzeiten waren in den vergangenen Wochen auch schon mal 15 Arbeiter an der Kuhlemühle aktiv. Die Gewerke vergab die Brauerei fast ausschließlich an Firmen aus dem Warburger Land. "Wir haben sehr kompetente Unternehmen hier vor Ort", so Franz-Axel Kohlschein.

Empfohlene Artikel

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

NW News

Jetzt installieren