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BONENBURG Bitte um Frieden in der Welt

Bonenburger laden zum Kreuzweg am Karfreitag ein

05.04.2012 | Stand 04.04.2012, 19:36 Uhr

Bonenburg (NW). In vielen Orten finden zu Ostern regelmäßig Friedenskundgebungen statt. Die Einwohner von Bonenburg gehen die Karfreitagsprozession im Gedenken an die Kriegshandlungen an den Ostertagen 1945, bei denen viele Menschen starben.

Damals, als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende zuneigte, wurde Bonenburg von mehreren Seiten buchstäblich in die Zange genommen. Die Kriegshandlungen tobten in einer Nacht mehrfach hin und her über das Dorf hinweg. Es gab eine ganze Reihe von Ziviltoten. Wie viele Soldaten ihr Leben lassen mussten, ist nicht beurkundet. Sowohl die deutschen wie auch die amerikanischen Soldaten wurden sofort weggeschafft. Es sollen mehrere hundert Soldaten gewesen sein.

Damals hatte sich eine Anzahl Bonenburger im Keller des Pastorates eingefunden und es wurde gemeinsam mit Pastor Göke das Gelöbnis abgelegt "Wenn Bonenburg verschont bleibt, wollen wir alljährlich am Karfreitag den Kreuzweg gehen." Seit 1945, also seit fast 70 Jahren, wird dieses Gelübde bei jedem Wetter gehalten. Obwohl die Augenzeugen, die damals mit im Keller waren, den Weg nicht mehr gehen können, findet die alljährliche Prozession großen Zuspruch und wird von den Bonenburgern als Dank für den jahrzehntelangen Frieden und gleichzeitig als Bitte um Frieden in der Welt verstanden.

Am Karfreitag sind nicht nur alle Bonenburger, sondern alle Menschen, denen der Frieden wichtig ist, eingeladen, den Kreuzweg zu gehen im Andenken an diejenigen, die heute ein schweres Kreuz zu tragen haben. Die Karfreitagsliturgie beginnt in der Kirche um 15 Uhr. Daran anschließend etwa ab 16 Uhr wird der Kreuzweg am Hoppenberg gegangen.

Der Bonenburger Kreuzweg wurde 1932 vom damaligen Betriebsmeister der örtlichen Ziegelei, Josef Saaken, geplant. Die Gemeinde stellte das Gelände am Hoppenberg zur Verfügung. Junge Ziegeleiarbeiter bauten um den Bildstock aus dem Jahr 1876 herum den Hauptweg. Und später errichtete man an diesem Weg entlang die Kreuzweg-Stationen mit Muschelkalk aus Marsberg. Alle Arbeiten mussten wegen des steinigen Untergrundes in Handarbeit ausgeführt werden. Das Anfahren des Materials besorgten einige Bauern mit ihren Pferdegespannen. Mit hölzernen Schubkarren musste man dann das Material zu den Plätzen für die Stationen bringen. Weil in den Jahren 1933 bis 1936 große Arbeitslosigkeit herrschte, stellten viele Bonenburger ihre Arbeitskraft für den Aufbau des Kreuzweges zur Verfügung. Im Jahr 1935 konnten die Bauarbeiten beendet werden, der Kreuzweg wurde zum Fest Kreuzerhöhung eingeweiht. Es wurde damals eine Vereinbarung getroffen, dass der Schutz und die Pflege des Geländes der Gemeinde obliegen.

Heute ist die Stadt Warburg in diese damalige Verpflichtung eingetreten. In den vergangenen Jahren wurden Grundsanierungen an einzelnen Stationen durchgeführt.

Schon bei der Errichtung übernahmen einzelne Familien im Gedenken an ihre gefallenen Angehörigen die Pflege der Stationen. Im Jahre 1985 entstand in der Nähe der Grabstation außerdem eine Mariengrotte. Seit mehreren Jahren hat sich der Schützenverein zur Aufgabe gemacht, den Weg und die Vielzahl von Bäumen und Sträuchern zu pflegen. Somit ist der Kreuzweg ein gutes Beispiel dörflicher Gemeinschaftsarbeit.

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