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Egal ob privat oder während der Arbeit, Fahrlehrer Uwe Gievers ist nur mit Head-Set im Ohr unterwegs. - © FOTO: SILKE GENSICKE
Egal ob privat oder während der Arbeit, Fahrlehrer Uwe Gievers ist nur mit Head-Set im Ohr unterwegs. | © FOTO: SILKE GENSICKE

WARBURG Finger weg vom Handy

Telefonieren am Steuer: Hohes Unfallrisiko und hohe Dunkelziffer

VON SILKE GENSICKE
16.01.2012 | Stand 15.01.2012, 18:46 Uhr

Warburg. Während die Hände noch das Lenkrad umfassen, versuchen die Augen schon einen Blick auf das blinkende Handy zu werfen. Es geht um Sekunden, wenn den Fahrer die Konzentration verlässt, er nach dem Handy greift, um einen Anruf entgegenzunehmen oder um eine Kurzmitteilung zu lesen.

"Das Verbot erstreckt sich nicht nur auf das Telefonieren, sondern auch auf das Anwählen oder das Versenden von Kurzmitteilungen. Entscheidend ist, ob der Fahrzeugführer das Mobiltelefon in der Hand hält", erklärt Anton Niggemann, Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde in Höxter.

Finger weg vom Handy - das lernen die Fahrschüler gleich in den ersten Stunden ihres theoretischen Fahrschulunterrichtes. "Ein Kurzfilm zum Thema ,Handys am Steuer’ verdeutlicht unseren Fahrschülern, welche Gefahren drohen können. Die meisten sind dann ganz schön schockiert. Selbstverständlich wird das Wissen um dieses Thema auch in der theoretischen Fahrprüfung abgefragt", sagt Uwe Gievers, Inhaber der Fahrschule Gievers.

Information

Augen und Ohren aufhalten

Nicht nur Autofahrer zahlen, wenn sie mit dem Handy am Ohr aufgefallen sind. Auch für Radfahrer gilt das Verbot. Und wer nicht hören will, muss fühlen – 25 Euro sind fällig, wenn die Polizei das Vergehen bemerkt. Viel Zeit und Geld kostet es besonders Fahranfänger, wenn sie im Straßenverkehr negativ auffallen und in die Nachschulung geschickt werden. Zwischen 200 und 400 Euro müssen dann aufgebracht werden, um die Fahrerlaubnis zurückzubekommen. Generell gilt: Wer im Verkehrszentralregister Flensburg die 18-Punkte-Marke überschreitet, ist den Führerschein erst mal los. (sig)

Die Benutzung von Mobiltelefonen ist auch in der Straßenverkehrsordnung verankert. Und ganz nach dem Motto "Nur aus Schaden wird man klug", drohen bei Missachtung ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) plant, die finanzielle Schmerzgrenze noch zu vergrößern. Auf 80 Euro und zwei Punkte in Flensburg könnte dieses Vergehen im Bußgeldkatalog angehoben werden.

"Schon innerhalb einer Sekunde können gravierende Dinge passieren", sagt Fahrschullehrer Gievers. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern fahre man innerhalb einer Sekunde 30 Meter. So ein praktisches Beispiel verdeutliche auch gerade Fahranfängern das Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und den Folgen, die entstehen könnten.

Und das die Konzentration am Steuer sinkt, wenn der Fahrer telefoniert, am Radio dreht oder versucht mit der Hand nach etwas zu greifen, ist nachweislich belegt. "In diesen Momenten sinkt die Aufmerksamkeit für den Straßenverkehr und die Reaktionszeit verzögert sich erheblich. Vergleichbar ist das mit einem Fahrzeugführer, der mit 0,8 Promille Alkohol im Blut seinen Wagen lenkt", erklärt Polizist Niggemann.

Gerade den Fahranfängern werde oft eine gewisse Leichtsinnigkeit nachgesagt. "Ich bin der Meinung, dass es nicht die Nachwuchsfahrer sind. Es ist vielmehr eine Sache der Routine, wenn man während der Fahrt versucht, noch eine weitere Sache zu erledigen", sagt Gievers, der seit 25 Jahren als Fahrlehrer arbeitet. "Die oft geäußerte Vermutung, dass es sich überwiegend um jüngere Verkehrsteilnehmer handelt, ist nicht richtig. Die Verstöße zeigen sich in allen Altersgruppen", ergänzt Niggemann.

Freisprechanlagen, die bereits fester Bestandteil des Autos sind oder vom Fahrer mit wenigen Handgriffen selbst installiert werden können, sind heute wichtige Begleiter im Straßenverkehr. Auch das sogenannte Head-Set (Kopf-Sprech-Hörer) erfüllt seinen Zweck.

Schwer ermittelbar ist es, wie viele Unfälle durch den schnellen Blick auf das Handy oder das Telefonat am Steuer bisher geschehen sind. "Die Dunkelziffer, wie viele Verkehrsunfälle tatsächlich auf das Telefonieren während der Fahrt zurückzuführen sind, dürfte groß sein", betont Niggemann.

Im Jahr 2011 war überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer 1. "Es gab im Jahr 2011 mehr als 400 Unfälle mit Personenschaden im Kreis Höxter. Rund 40 Prozent können dieser Ursache zugeordnet werden", erklärt Niggemann.

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