der achteckige n Burganlage zwischen Warburg und Calenberg (Foto oben) wurden im vergangenen Jahr ausgegraben. - © FOTO: SANDRA WAMERS/HUBERT RÖSEL/HELI-FOTO PAHLS
der achteckige n Burganlage zwischen Warburg und Calenberg (Foto oben) wurden im vergangenen Jahr ausgegraben. | © FOTO: SANDRA WAMERS/HUBERT RÖSEL/HELI-FOTO PAHLS

WARBURG Warburgs wiederentdeckte Burg

Über die Zerstörung der Holsterburg und die Hinrichtungen von Burgherren

Warburg (NW/sw). Im Sommer vergangenen Jahres rieben sich die Archäologen die Augen: Vor den Toren der Warburger Altstadt wurde eine Burg entdeckt. Eine Sensation, denn die Experten hatten zunächst lediglich eine Motte, also einen Burghügel mit einem schlichten Turm darauf, erwartet.

Selbst für die Fachleute des Landschaftsverbandes erschien der Anblick imposant: Sie blickten auf eine Achteckanlage mit 1,70 Meter breiten Mauern. Es waren die Reste der Holsterburg. Die Burganlage war bereits im Jahre 1294 durch das Aufgebot eines Städtebündnisses zerstört worden.

Erbaut wurde die Burganlage am Ende des 12. Jahrhunderts durch die Brüder Hermann Berkule und Bernhard Berkule in der Nähe des Dorfes Holthusen, das 1170 erstmals urkundlich erwähnt wird. "Die einzige Urkunde, die das Rätsel des Untergangs dieses Burgenkleinods lösen kann, befindet sich im Warburger Stadtarchiv", sagt Stadtarchivar Franz-Josef Dubbi und gewährt einen Einblick in das Schriftstück.

Im Warburger Urkundenverzeichnis trägt sie die Nummer 6: Am 6. November 1294 schloss Bischof Otto von Paderborn, so besagt es die Urkunde, ein Bündnis mit verschiedenen Städten zur Sicherung des Landfriedens. Der Bischof versicherte, alles in seiner Macht stehende tun zu wollen, um diejenigen, die an der Zerstörung der Burg beteiligt waren, Männer aus der Burgbesatzung gefangen gehalten oder hingerichtet hatten, vor Rache nehmenden Raubzügen, Schäden, Brandstiftungen oder anderen Nachstellungen zu schützen. "Im Klartext heißt das, dass der Landesherr die Zerstörung der Holsterburg und die Hinrichtung von Burgmännern im Nachhinein billigte und zu seiner Angelegenheit machte", fasst Dubbi die Zeilen zusammen.

Gegen die Mauern der Burg waren nicht nur Streiter aus Warburg angestürmt, sondern auch aus Marsberg, Höxter, Fritzlar, Hofgeismar, Wolfhagen und Naumburg. Warum es genau zur Zerstörung der Holsterburg kam, ist nicht genau erkennbar. "Wahrscheinlich dürfte dahinter stehen, dass Bauern gegen den Willen ihrer Herren in die Städte abwanderten, wo sie sozialen Aufstieg und Freiheit von den Bedrückungen des Adels genossen", erklärt Dubbi.

Schon in den 40er Jahren des 13. Jahrhunderts war diese Frage anscheinend aktuell gewesen, denn die Altstadt Warburg verpflichtete sich, Bauern des Ritters Hermann Berkule nur mit dessen Zustimmung aufzunehmen.

Um 1294 dürfte es wegen dieser Frage wieder zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Es wird vermutet, dass die Berkules im Verlauf dieser Auseinandersetzungen Warentransporte der oben genannten Städte überfielen, so wie es zur Zeit des Fehdewesens üblich war. "Die Bürger der beteiligten Städte revanchierten sich, indem sie die Burg Holthusen eroberten und ein für allemal zerstörten", zitiert der Stadtarchivar Dubbi den Paderborner Historiker Rainer Decker.

Einige der gefangen genommenen Ritter wurden hingerichtet. Auch militärgeschichtlich ist die Warburger Urkunde von Interesse. Sie droht denen Sanktionen an, die mit Brandpfeilen gegen die Städte vorgehen würden, erklärt Dubbi. Zwar waren die Städte durch ihre Mauern wirksam geschützt, aber der Einsatz von Brandpfeilen musste bei der engen Bebauung und der vorherrschenden Holzbauweise zu Katastrophen führen.

Dem Paderborner Bischof konnte die Zerstörung der Holsterburg nur recht sein, verloren doch so seine Konkurrenten Mainz und Köln einen Vorposten an der Grenze zum Bistum Paderborn. Gleichzeitig macht die Urkunde auch deutlich, dass der Kleinadel seine selbständige Rolle ausgespielt hatte und an seine Stelle eine neue Macht getreten war, das Stadtbürgertum. "Johann Berkule unterwarf sich dem Bischof, und der machte ihn, pikanterweise, zu einem seiner Burgmänner in Warburg", erzählt Stadtarchivar Dubbi.

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