0
Preußenkönig Friedrich der Große, dargestellt von Rolf Zahren, posiert vor den Truppen in preußischblauem Rock, zu denen auch die Historischen Kanoniere aus Ossendorf gehören. - © FOTOS: SANDRA WAMERS
Preußenkönig Friedrich der Große, dargestellt von Rolf Zahren, posiert vor den Truppen in preußischblauem Rock, zu denen auch die Historischen Kanoniere aus Ossendorf gehören. | © FOTOS: SANDRA WAMERS

Hier regiert der Alte Fritz

Ossendorfer Kanoniere üben für die "Schlacht bei Warburg"

VON SANDRA WAMERS
14.09.2009 | Stand 13.09.2009, 19:35 Uhr

Ossendorf. Die Truppen marschieren sich warm: Ein Jahr vor dem 250. Jubiläum der "Schlacht bei Warburg" gab sich am Wochenende der Preußenkönig Friedrich II. in Ossendorf die Ehre. An der Seite des "Alten Fritz" lagerten Husaren, Grenadiere, Schmiede und natürlich auch bleich gepuderte Edelleute.

"Militär, Handwerk und Adel, das sind die Säulen unserer Gesellschaft", sagt Stefan Kleinhans und streicht über seine schmucke Uniform mit den glänzenden Silberknöpfen und den roten Applikationen auf blauem Grund. Kleinhans gehört zu der sechsköpfigen Truppe der Historischen Kanoniere Ossendorfs, eine Unterabteilung des Schützenvereins. Die Uniformen der Kanoniere sind relativ neu – genauso wie die Passion für das Preußentum.

"Im Jahr 2000 wurde die Idee geboren", erinnert sich Stefan Kleinhans. Bereits zum Schützenfest 2001 marschierten die Kanoniere im Festumzug mit. "Seit 2005 laufen die Vorbereitungen zur großen Schlacht richtig an", erzählt der 44-jährige Signaltechniker, der bei der Deutschen Bahn arbeitet.

Zuerst wurde die Kanone gekauft. "Und dann folgten die Kostüme passend zur Kanone", sagt Kleinhans. Am Wochenende wurde die feschen preußischblauen Röcke präsentiert, denn den Ossendorfern steht im kommenden Jahr Großes ins Haus: "Über 200 Darsteller haben sich zu der Jubiläumsschlacht angekündigt", freut sich der Kanonier.

Die große Schlacht bei Warburg fand am 31. Juli 1760 statt. Damals marschierte die Hauptarmee aus einer 24.000-köpfigen Allianz aus Kur-Braunschweig-Lüneburgischen, Braunschweig-Wolfenbütteler, Hessen-Kasseler und britischen Truppen gegen eine französische Reservearmee mit 21.500 Soldaten auf. Auf alliierter Seite fielen damals 1.500 Soldaten, die französische Seite verlor 8.000 Männer. Am Wochenende hatten jetzt 70 Geschichtsfans in historischer Robe die Zeitreise ins 18. Jahrhundert angetreten. Unter ihnen auch der Preußenkönig, vom Volksmund liebevoll der "Alte Fritz" genannt.

Ganz königlich residierte der "Alte Fritz", dargestellt von Rolf Zahren, am Ende des Heerlagers neben der Ossendorfer Schützenhalle. "Mein Volk liebt mich", lacht Friedrich II., "ich bin von und für und aus dem Volk". Und das weiß das Volk zu schätzen. Ein Biwak-Besucher in Blue-Jeans kann nicht anders: "Verzeihung Majestät, aber ich muss es Ihnen sagen: Sie sehen ja wirklich aus wie der Alte Fritz – genau wie auf den Portraitbildern." Der Alte Fritz lacht nickend: "Ja, ich weiß. Ich habe meine eigene Totenmaske über dem Bett hängen." Denn die Totenmaske seines preußisch-royalen Alter Egos hat sich Rolf Zahren gekauft.

Bereits seit 1994 schlüpft Zahren, der aus Kempen am Niederrhein kommt, in die Rolle. Zum Preußenkönig wurde der pensionierte Lagerist eines Kfz-Betriebs durch Zufall. "1994 wurde für ein Stadtfest der Alte Fritz gesucht und ein Freund schickte mich zum Casting", erzählt der 69-Jährige. Rolf Zahren wurde sofort engagiert: "Meinen ersten Auftritt hatte ich gleich im Fernsehen – direkt ins kalte Wasser."

In der 15-jährige Regentschaft hat er gelernt, die Königswürde zu genießen. "Die Kameradschaft unter den Darstellern und die Gunst des Publikums", nennt Zahren die Gründe, warum er zwischen Mai und Oktober mindestens einmal pro Monat als Friedrich II. durch die Lande zieht. "Und nächstes Jahr werde ich zur großen Schlacht natürlich wieder kommen", gibt Majestät sein Ehrenwort.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group