Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Bärbel Höhn (v. l.), begutachtet mit dem Vorsitzenden des Angelvereins, Martin Tewes, Franz-Josef Rose, Vorsitzender der Ratsfraktion der Warburger Grünen, und dem Ersten Beigeordneten der Stadt, Klaus Braun, die Fischtreppe an der Diemel. Vor den grünen Kunststoffstäben, die die Strömung bremsen, versteckt sich ein Apfel. - © FOTO: DAVID SCHELLENBERG
Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Bärbel Höhn (v. l.), begutachtet mit dem Vorsitzenden des Angelvereins, Martin Tewes, Franz-Josef Rose, Vorsitzender der Ratsfraktion der Warburger Grünen, und dem Ersten Beigeordneten der Stadt, Klaus Braun, die Fischtreppe an der Diemel. Vor den grünen Kunststoffstäben, die die Strömung bremsen, versteckt sich ein Apfel. | © FOTO: DAVID SCHELLENBERG

Treppauf, treppab am Kraftwerk

Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Grüne, macht auch an der Diemel Station

VON DAVID SCHELLENBERG

Warburg. Ganz privat wollte Bärbel Höhn vor ihren offiziellen Terminen in Warburg gestern Morgen einen Blick auf den Neustadt-Marktplatz werfen. Doch die Bundestagsabgeordnete der Grünen und ehemalige NRW-Umweltministerin wurde sofort erkannt. Bärbel Höhn nahm es gelassen und kam gleich ins Gespräch. Neben viel Lob gab es auch einige Verbesserungsvorschläge für die Kommunalpolitiker.

Ein Vorzeigeprojekt, das ganz und gar nach dem Geschmack der Grünen-Politikerin ist, wurde Bärbel Höhn als erstes vorgestellt: Das Wasserkraftwerk an der Diemel mit dazugehöriger Fischtreppe. Über den schmalen Betonsteg, durch den immerhin 600 Liter Wasser pro Minute fließen, können Bachforellen, Aale aber auch Lachse die Diemel weiter flussaufwärts schwimmen. Wie Martin Tewes, der Vorsitzende des Warburger Angelvereins, der Politikerin erläuterte, könnten sich die Fische hinter kleinen Kunststoffstäben verstecken und ausruhen. Denn Forelle, Aal und Co. müssen einen Höhenunterschied von 3,4 Metern überwinden.

Fischtreppen seien ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes und ließen eine umweltgerechte Nutzung der Wasserkraft zur Stromgewinnung erst zu, betonte Bärbel Höhn. Immerhin 1.500 Stromkunden könnten die Warburger Wasserkraftwerke beliefern, erläuterte Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Braun. Das derzeit nur rund 50 Kunden und einige Gewerbebetriebe dieses Angebot nutzten, liege am etwas höheren Preis für den Öko-Strom. Immerhin: Der Anteil an erneuerbarer Energie liegt in Warburg bei 19 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 16 Prozent.
Bärbel Höhn lobte dieses Engagement, mahnte aber zugleich, den Anteil weiter zu erhöhen. "Neben dem Tourismus liegt für die ländlichen Gebiete hier eine große Chance", sagte sie bei der offiziellen Begrüßung durch Bürgermeister Michael Stickeln. Die Grünen-Politikerin regte einen "Klima-Tisch" an. Neben Bürgern und Handwerkern sollten an diesem auch die Stadtverwaltung sowie Banken und Sparkassen teilnehmen. Nur gemeinsam lasse sich eine Strategie für die bessere Nutzung erneuerbarer Energien finden und Konflikte beiseite räumen. "Nordrhein-Westfalen war immer ein großer Strom-Produzent. Allerdings wird es Kohle, Öl und Gas in einigen Jahrzehnten zur Stromerzeugung nicht mehr geben", sagte Höhn. Deshalb müsse das Land jetzt auf Alternativen setzen. Neben einem besseren Klimaschutz schaffe dies Arbeitsplätze, wiederholte sie ein zentrales Wahlkampfcredo der Grünen.

Wie schwierig der Klimaschutz mit anderen politischen Interessen vereinbar ist, verdeutlichte der Warburger Grünen-Chef Christian Holtgreve. Er erinnerte daran, dass Windräder die Sicht auf den Desenberg stören und Biogasanlagen Monokulturen auf den Feldern fördern. "In manchen Dörfern werden Photovoltaik-Anlagen wild auf die Dächer gepflastert und selbst auf alten Scheunendächern errichtet. Das gefällt nicht jedem", sagte Holtgreve, worauf Höhn betonte, dass sie den Bau dieser Anlagen auf Scheunendächern gefördert habe. Hier wäre der "Klima-Tisch" sinnvoll.

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