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Mohcine Haj Chergui entschied sich als Verkaufstalent für den medizinischen Bereich. Foto: Privat/Seidel - © Privat/Seidel
Mohcine Haj Chergui entschied sich als Verkaufstalent für den medizinischen Bereich. Foto: Privat/Seidel | © Privat/Seidel

Warburg Beliebt bei Chef und Kunden: Geflüchteter findet neue Heimat in Warburg

Hobbyfußballer Mohcine Haj Chergui ist bestens integriert. Aus Marokko geflüchtet, fand er für seine Familie in Warburg eine neue Heimat. Der gelernte Koch absolviert im Sanitätshaus Seidel eine Ausbildung.

Dieter Scholz
10.06.2021 | Stand 10.06.2021, 18:06 Uhr

Warburg. „Der Verkauf gehört zu den Talenten, die nicht auf jedermanns Leib geschneidert sind", weiß Renee Seidel, Chef des gleichnamigen Sanitätshauses. Mit den Erfolgen der Verkäufer stehe und falle „das finanzielle und imagetechnische Level" eines Betriebes. Einer, der dies verinnerlicht habe und seiner Aufgabe mit Bravour gerecht werde, sei Mohcine Haj Chergui, der kurz vor Beendigung seiner Ausbildung zum Verkäufer im Warburger Sanitätshaus Seidel steht.

Haj Chergui ist 34 und kam mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn vor drei Jahren aus Marokko nach Deutschland – und fühlte sich von Anfang an wohl. „Ich möchte auf jeden Fall hier bleiben", sagt er. „In Warburg." Denn Haj Chergui mag Stadt und Leute.

„Die Menschen haben mir hier ein neues Zuhause gegeben", sagt er mit einem dankbaren Lächeln. Auch möchte er weiterhin im Sanitätshaus arbeiten. „Renee Seidel hat mir eine Chance gegeben und ich möchte das in mich gesetzte Vertrauen gerne zurückgeben."

Darauf ist er stolz

Der Kontakt entstand an den Tischen des Cafés „Time out" an der Ecke Haupt- und Bahnhofsstraße. Dort jobbte der gelernte Koch aus Marokko. „Ich habe Renee einfach gefragt, ob ich bei ihm eine Ausbildung anfangen könne", sagt Haj Chergui in seiner offenen Art. Der Geschäftsführer überlegt nicht lange und stimmt zu. Das war vor zwei Jahren. Nach seiner Ausbildung als Koch hatte er in marokkanischen Hotel- und Restaurantküchen gearbeitet. Warburg gefalle ihm auch, weil es schön klein sei, sagt er dann. Lange Zeit habe er in dem nordafrikanischen Land in der Großstadt Tanger gelebt und gearbeitet.

Die deutsche Sprache habe er sich selbst beigebracht. Darauf ist er stolz. Dabei halfen Videoclips aus dem Internet und viele Begegnungen. Kontakte zu suchen und mit den Menschen zu sprechen, helfe, sich in der neuen Sprache immer weiter zu verbessern, gibt er seine Erfahrungen wieder. „Und die Leute in Warburg sind sehr freundlich", sagt er begeistert.

Bestnoten im Marketing, Rechnungswesen und Wirtschaftskunde

Und der Chef ist begeistert von seinem Schützling. „Er geht unheimlich freundlich mit den Kunden um", berichtet Seidel. Gleich, um welches Anliegen es sich handele, „Mohcine nimmt sich für die Kunden Zeit". Selbst wenn es mal stressig werden sollte. Haj Chergui lasse sich das nicht anmerken und sei immer für einen spontanen Witz gut. „Dabei kann er auch über sich selbst lachen", erzählt Seidel. Und die Chancen dafür, dass Haj Chergui seine Ausbildung guten Noten abschließe, stünden sehr gut. Den ersten Teil seiner Prüfung habe der Schüler am Warburger Berufskollegs bereits absolviert und „mit Bestnoten im Marketing, Rechnungswesen und Wirtschaftskunde bestanden", sagt der Orthopädietechnikermeister.

Dass so viel Engagement im Arbeits- und Ausbildungsleben auch seinen Ausgleich brauche, ist dem Chef bewusst. Und da habe sein Mitarbeiter eine Leidenschaft: Haj Chergui ist Fußballfan und spielt in seiner Freizeit im Mittelfeld des SV Herlinghausen. Sein Fußballerherz gehört dem FC Bayern München und dem Team der Dortmunder Borussen. Auf internationaler Ebene hält er es aber mit dem FC Barcelona. Sein Tipp zur Europameisterschaft: „Ich hoffe, dass Deutschland das Turnier gewinnt", sagt er. Doch weiß er auch die Stärken die französischen zu schätzen. „Der klare Favorit".

Sanitätshaus erweitert Lagerkapazitäten

Das Sanitätshaus Seidel beschäftigt an seinen beiden Standorten in Warburg sowie in Beverungen, Hofgeismar, Wolfhagen und Büren derzeit 57 Mitarbeiter. Am Stammsitz an der Hauptstraße ist in der Innenstadt eine Erweiterung geplant, um mehr Lagerkapazitäten zu schaffen.

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