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Im Höxteraner Frauenhaus suchen immer häufiger Frauen Schutz. - © picture alliance / empics
Im Höxteraner Frauenhaus suchen immer häufiger Frauen Schutz. | © picture alliance / empics

Kreis Höxter Hilfe für Frauen, die Opfer von Gewalt werden

Bedroht, gedemütigt, beschimpft, sexuell belästigt, geschlagen – der Frauen-Sozialdienst bietet Betroffenen anonym und kostenlos Beratung im Internet.

Dieter Scholz
02.12.2019 | Stand 01.12.2019, 17:32 Uhr

Kreis Höxter. Erneut ruft der Verein gewaltlos.de mit einer bundesweiten Plakataktion Mädchen und Frauen auf, sich im Chat von gewaltlos.de zu melden, wenn sie von Gewalt bedroht oder betroffen sind. „In Warburg werden bis zum 5. Dezember sieben Plakatwände mit den Plakaten bestückt, um auf die Beratungsmöglichkeit im Internet aufmerksam zu machen", sagt Gertrud Flore vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Warburg. „Wir engagieren uns als Trägerverein vor Ort für die genannte Zielgruppe und erhoffen uns durch eine erneute Aktion große Aufmerksamkeit für ein leider brandaktuelles Thema", betont die SkF-Geschäftsführerin. „Die Mädchen und Frauen, die sich im Chat an uns wenden, sind sowohl von körperlicher als auch von psychischer und anderer Gewaltformen betroffen." Weniger Respekt Gerade in den sozialen Medien nehme die Hemmschwelle, respektvoll zu sein, immer mehr ab. Es sei allgegenwärtig, dass verbale und verletzende bis bedrohende Attacken im Netz trotz anhaltender „MeToo"-Debatte keine Seltenheit seien. „Gewalt ist immer noch ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft", bilanziert Flore. „Aktuelle Studien ergeben, dass jede dritte Frau von Gewalt betroffen ist." Das belegen auch die Zahlen aus dem Frauenhaus im Kreis Höxter, dessen Wohnanschrift geheim bleiben und oft verschwiegen werden muss: Frauen, die mit ihren Kindern Zuflucht im Frauenhaus gefunden haben, leben unter diesen Bedingungen, damit ihre gewalttätigen Ex-Partner sie nicht aufspüren können. Fanden in den ersten drei Monaten des Jahres 14 Frauen und 24 Kinder Zuflucht in der Einrichtung, so stieg die Anzahl auf 44 Frauen und Kinder in den Monaten April bis Juni. „Im dritten Quartal waren es 18 Frauen und 22 Kinder, die bei uns vorübergehend Zuflucht fanden", nennt Flore Zahlen. „Im Schnitt werden rund 20 Personen im Haus von uns betreut." Die durchschnittliche Verweildauer war im vergangenen Jahr auf 42 Tage gestiegen. Mit der Plakataktion möchte gewaltlos.de sensibilisieren und Mädchen und Frauen ermutigen, sich Hilfe und Unterstützung zu organisieren. „Gewalt gegen Frauen, ob in körperlicher, psychischer oder verbaler Form, wollen und können wir nicht akzeptieren", sagt Maria Thoma, Vorstandsvorsitzende des Vereins gewaltlos.de. Gewaltlos.de höre Betroffenen zu, begleite sie und verleihe ihnen eine Stimme im öffentlichen Raum. Thoma verweist auf den Blog auf der Internetseite des Vereins. Der Live-Chat der digitalen Beratungsstelle für Gewaltopfer werde dagegen als besonderes Therapie-Medium und zur Selbsthilfe genutzt. Anonyme Beratung Der anonyme Chat mit festen Beratungszeiten bietet die Zusicherung, mit einer Beraterin im längeren Kontakt zu stehen. „Die kostenlose Live-Chatberatung eröffnet eine Teilhabe-Chance für durch Gewalt betroffene Frauen, Mädchen und Kinder, für die Beratungsstellen und Telefonangebote zunächst nicht in Frage kommen", erklärt Gertrud Flore. Ein Grund dafür könne sein, „dass sie den direkten Kontakt aufgrund von Angst und Scham scheuen oder eine Beratungsstelle nicht in erreichbarer Nähe ist". Eine Auswertung der Nutzer-Daten habe gezeigt, dass die Plakataktion Wirkung zeige. „Besonders junge Frauen nutzen die Chat-Möglichkeit, telefonieren ist bei dieser Altersgruppe nicht so verbreitet", weiß Flore. Im Schnitt meldeten sich im Chat acht bis zehn Frauen pro Tag. 2004 baute der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), ein Frauen- und Fachverband im Deutschen Caritasverband, der seit mehr als 100 Jahren Frauen, Mädchen, Kinder und Familien in Not begleitet, die Internetberatung von www.gewaltlos.de auf. Es ist ein bedarfsgerechtes Angebot für Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind. In den häufigsten Fällen handelt es sich um Gewalt, die von Beziehungspartnern im häuslichen Umfeld ausgeübt wird.

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