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Wechsel im Vorstandsamt: Josef Jacobi ist nicht mehr Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft. - © Hermann Ludwig
Wechsel im Vorstandsamt: Josef Jacobi ist nicht mehr Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft. | © Hermann Ludwig

Warburg Körbecker Landwirt Josef Jacobi gibt Vorstandsamt in Erzeugergemeinschaft ab

In der Gesellschafterversammlung wird Sven Lorenz aus Vöhl zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Milcherzeugergemeinschaft gewählt

Hermann Ludwig
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 17:16 Uhr

Körbecke. Josef Jacobi ist seit Dienstag nicht mehr Vorstandsvorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Hessen (MEG), die maßgeblich am Aufbau der Upländer Bauernmolkerei vor 25 Jahren beteiligt war. Jacobi wollte das verantwortungsvolle Amt in jüngere Hände geben, als Aufsichtsratsvorsitzender bleibt er der Upländer Molkerei erhalten. Die Geschichte der beispielhaften Bio-Molkerei beginnt im Jahr 1994. Gemeinsam mit etwa einem Dutzend überzeugter Bio-Milchbauern war Josef Jacobi damals auf der Suche nach einer Verarbeitungsstätte für die Bio-Milch ihrer Kühe. „Wir wollten unsere kostbare Milch nicht verramschen, sondern wollten einen fairen Preis für ein nachhaltig erzeugtes Produkt erwirtschaften", erklärt er seine Beweggründe. Faire Milch seit 2005 Schließlich gründeten die anfangs 18 Landwirte gemeinsam mit Umweltschützern, Privat- und Geschäftsleuten die Upländer Bauernmolkerei GmbH, erwarben die knapp 100 Jahre alte, bereits stillgelegte Usselner Molkerei, die zum TUFFI-Konzern gehörte, und modernisierten sie. Mit Unterstützung der Gemeinde Willingen und des Landes Hessen wurde die Molkerei erworben und nach Renovierung und Instandsetzung im September 1996 wieder in Betrieb genommen. Anfangs lieferten 18 Landwirte eine Jahresmenge von einer Million Liter Bio-Milch. Zur Auslastung der Anlagen wurde Milch von konventionellen Bauernhöfen aus der Region zugekauft und separat verarbeitet. Aufgrund der seit 2002 ständig gesunkenen Milchpreise und der damit verbundenen existenzbedrohenden Situation für Bio-Bauern, startete die Molkerei 2005 das Projekt „Erzeuger-fair Milch". Ein Preisaufschlag von fünf Cent pro Liter Bio-Milch wurde von den Naturkostkunden freiwillig gezahlt und direkt an die Bio-Bauern weiter gegeben. Seit 2009 wird ausschließlich Bio-Milch in Usseln verarbeitet. Die Upländer Bauernmolkerei ist jetzt aber allein in der Regie der Bio-Bauern und setzt dabei auf den regionalen und ökologischen Charakter. Projekte wie die Schulmilch und Bio-Brotbox setzten Zeichen, auch der Aufbau des Upländer Milch-Mu(h)seums war für die Region bedeutsam. Zwischenzeitlich musste auch ein herber Rückschlag verkraftet werden bei der missglückten Eingliederung der Käserei in Neukirchen, die Millionenverluste verursachte, die aber schon lange verdaut sind. Neuestes Produkt ist die Weidemilch Die bewusste Nutzung des Marktes vor der Haustür bildet das Marketingkonzept. Mit dem Slogan „In jedem Liter Bio-Milch steckt ein schönes Stück Region" wird die Geschäftsphilosophie ausgedrückt. Die Bio-Milch stammt von Kühen, die artgerecht gehalten werden. Die Kühe verfügen über ausreichend Bewegungsfreiraum, Stroheinstreu im Liegebereich, natürliches Licht, werden überwiegend mit betriebseigenen ökologisch angebauten Erzeugnissen gefüttert und erhalten, wann immer möglich, Auslauf im Freien auf der Sommerweide. Neuestes Produkt ist jetzt die Weidemilch, bei der das Unternehmen auf die Anforderungen des Marktes reagiert. „Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit", erklärt Josef Jacobi schmunzelnd. Tretmist- und Offenstall in Verbindung mit Weidegang und dem Einsatz von hofeigenem Futter kennzeichnen die artgerechte Tierhaltung für die 50 Kühe auf dem Jacobihof. Aus einem Teil der Bioland-Milch produziert Heike Schäfer-Jacobi in der Hofkäserei eine große Variation an Biokäsen, die im Hofladen und auf Wochenmärkten in der Region angeboten werden. Im Rückblick sieht Josef Jacobi mit Stolz auf das Erreichte zurück, zumal den Betrieben von der Upländer Molkerei ein angemessener Preis für ihre angelieferte Milch gezahlt werden kann. Der Grundpreis beträgt aktuell 46 Cent/Liter. „Wir arbeiten natürlich ohne Gentechnik. Das Sortiment umfasst ausschließlich Produkte aus anerkannt ökologischem Landbau, die zusätzlich Bioland zertifiziert sind", betont Jacobi, der auch auf seinem Hof den Übergang eingeleitet hat. Mit seinem Sohn Julius Jacobi arbeitet er den Nachfolger in die betrieblichen Abläufe ein. Von den 50 Jahren Berufserfahrung seines Vaters kann der junge Landwirt eine Menge lernen – und bringt selbst frischen Wind auf den Bioland-Demonstrationsbetrieb. "Ich bin froh, dass er mich teilhaben lässt an seinem Wissen um das Saatgut und die Milchwirtschaft", so der Junglandwirt, der mit seiner Frau Kate Kruse die Zukunft des Sauerlandhofes mitgestaltet.

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