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Qualitätsprüfung in der Montagehalle: Timo Nentwich (v. l.), Katja Wassmuth und Gehrhard Stamm. - © Dieter Scholz
Qualitätsprüfung in der Montagehalle: Timo Nentwich (v. l.), Katja Wassmuth und Gehrhard Stamm. | © Dieter Scholz

Warburg Warburger Unternehmen geht mit intelligenten Stromspeichern an den Start

Neues Unternehmen im Industriegebiet Nord verbindet Technologie mit Top-Design

Dieter Scholz
27.08.2019 | Stand 26.08.2019, 20:20 Uhr

Warburg. Neues Leben in der ehemaligen Vossen-Halle: Im Industriegebiet Nord am Oberen Hilgenstock ist das Unternehmen GS Hub GmbH eingezogen. Dort werden intelligente Batteriespeicher produziert. „Sie ermöglichen es, Sonnenstrom zu speichern und dann zu nutzen, wenn er benötigt wird", sagt Geschäftsführer Gerhard Stamm. Weltweit wachse der Markt für diese Speichermedien rasant. Die Produkte des 2017 gegründeten Unternehmens sind bereits für den europäischen und australischen Markt zertifiziert. „In wenigen Wochen erwarten wir auch die Zertifizierung für die Vereinigten Staaten", kündigt Stamm an. Dann könne die Firma mit ihrem Produkt, dem Home-Hub, die ganze Welt abdecken. „Die Sicherheitsanforderungen waren eine hohe Hürde", sagt Stamm. Eine weitere zukunftsorientierte Technik, die sich in Warburg angesiedelt hat. Der Firmensitz bleibt in Manrode. Vertrieb und Produktion werden in Warburg verantwortet. „Ein attraktiver Standort", bemerkt der Geschäftsführer. Technik soll sich im Design widerspiegeln Der Home-Hub speichert aus einer Photovoltaikanlage gewonnenen Strom in moderne Lithium-Eisenphosphat-Batterien ein. „2,5 Kilowattstunden pro Modul, bis zu 10 Kilowattstunden pro HomeHub", nennt Stamm die Leistung. Stamm und Vertriebler Timo Nentwich haben den Energiespeicher bereits auf Leitmessen wie der SPI in Las Vegas oder der Intersolar ESS in München vorgestellt. „Ist das ein Weinkühler oder eine Hifi-Anlage? – das war in Amerika eine häufig gestellte Frage am Stand", sagt Stamm lächelnd und fühlt sich bestätigt. Denn das System sollte nicht nur technisch ganz vorne mitspielen, auch das Design sollte hochwertig und schick daherkommen. Es sei durchaus beabsichtigt gewesen, „dem Chassis eine Apple-Anmutung zu verpassen", sagt Timo Nentwich. Die feine Technik sollte sich im Design widerspiegeln. Das Gehäuse aus Edelstahl entwickelte ein Designbüro aus Hongkong. „Robust und elegant", sagen Nentwich und Stamm. Die Steuerungs- und Leistungsdaten werden in einer Cloud gespeichert, sind jederzeit und überall auf dem Smartphon oder Tablet abrufbar, „um den Strom im Haus hin- und herzuverschieben", sagt Stamm. „Wir sind das Bindeglied zwischen den Kulturen" Technisch erlaubt die Home-Hub-Cloud eine intelligent Vernetzung der Speichersysteme untereinander. Die Batteriezellen werden im chinesischen Chengdu produziert, die Chassis in der Nähe von Hongkong. In Kürze wird dafür ein Zulieferant aus der Aachener Region hinzukommen. Um mehr Wertschöpfung nach NRW zu holen", sagt Stamm. Die Wechselrichter stammen aus der Schweiz, die Grundkomponenten der Steuereinheit aus Süddeutschland. Sie werden in Warburg programmiert. Auch der Zusammenbau und die Qualitätskontrolle finden in Warburg statt. „Wir sind das Bindeglied zwischen den Kulturen", sagt Stamm. Derzeit werden neun Mitarbeiter beschäftigt. „Es geht aufwärts", sagt Stamm. „In näherer Zukunft sollen weitere Mitarbeiter hinzustoßen." Warburg sei zentral in Europa gelegen. Schließlich solle der Home-Hub in bis zu 75 Ländern vertrieben werden, sagt Nentwich zum Ziel. Das Netzwerk der Mitarbeiter ist über Bielefeld, der Schweiz, Kanada und China gespannt. "Bereitschaft aus der Komfortzone ins kalte Wasser zu springen" Es habe sich herumgesprochen, „was in Warburg passiert", ist Stamm überzeugt. Das mache die Suche nach Fachkräften einfacher. Die ostwestfälische Mentalität gefällt. „Die Leute sind bodenständig", sagt der gebürtige Manroder. Auch Katja Waßmuth, derzeit das jüngste Mitglied im Team, war überrascht, was für Unternehmen in der Region angesiedelt sind. Die 23-Jährige schloss im Frühjahr den Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft für kleinere und mittlere Unternehmen am Studienzentrum der Hochschule OWL in Warburg mit einer Arbeit über „Risikomanagement in KMU bei Ausfällen der Stromversorgung" ab und stellte sich bei GS Hub vor. Ihre „Bereitschaft, aus der Komfort-Zone ins kalte Wasser zu springen" habe überzeugt, sagt Firmenchef Stamm. „Etwas anzufangen und aufzubauen", das mache ihm Spaß, sagt Stamm. Dabei setzt er auf den Teamgeist. „Zu 100 Prozent", bestätigt Nentwich. Man sei „Überzeugungstäter" in Sachen Nachhaltigkeit und erneuerbarer Energien. Stamm ist überzeugt, einen Beitrag zu leisten, „um den Raubbau an der Natur einzuschränken". Selbst an Heiligabend wurde gewerkelt Im Oktober war der Mietvertrag unterschrieben worden, im Dezember hatten Sanierung und der Umbau des ehemaligen Vossen-Gebäudes, in dem zuletzt ein Post-Verteilzentrum eine Heimstatt gefunden hatte, begonnen. Dabei packten Chef und Mitarbeiter kräftig mit an: Selbst an Heiligabend sei noch gewerkelt worden, erinnert sich Stamm im neuen Foyer. Auf den 350 Quadratmetern für den Empfang, die Büros und Mitarbeiterräume laufen die Fäden zusammen, montiert und gelagert wird in der Halle auf rund 1.000 Quadratmetern. Als Nächstes stehen Messen in der indischen Stadt Neu Delhi, Salt Lake City und San Diego in den USA, in Hongkong, Chengdu und Schanghai an. „Seitens der Kunden spüren wir großes Interesse", bringt Stamm die augenblickliche Situation auf den Punkt.

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