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Engagiert: Karin und Noël Eichler aus Peckelsheim setzen sich für den Frieden ein. - © Hermann Ludwig
Engagiert: Karin und Noël Eichler aus Peckelsheim setzen sich für den Frieden ein. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Peckelsheimer fahren mit Friedensmobilen durch die Börde

Die Autos ähneln Polizeifahrzeugen – und trotzdem ist die Gestaltung erlaubt

Hermann Ludwig
14.08.2019 | Stand 13.08.2019, 18:41 Uhr

Peckelsheim. Mit dem Thema Frieden haben sich die beiden Peckelsheimer Noël und Karin Eichler seit Langem beschäftigt, nicht erst seit sie mit Noël Eichlers Eltern Klaus und Rosi Krekeler in Krisengebiete nach Äthiopien geflogen sind. Jetzt haben sie sich zwei sogenannte „Friedensfahrzeuge" angeschafft, um die Leuchtkraft dieses Themas zu verstärken. „Wir wollen das Thema Frieden auf verschiedene Art vertiefen und mit Menschen ins Gespräch kommen, das ist uns mit den Autos bislang gut gelungen, das ist ein wahrer Türöffner für Diskussionen", sagt Noël Eichler. Die Autos ähneln im Aussehen Polizeiautos, groß prangt die Aufschrift „Friedensbotschafter" an der Seite, auf der Motorhaube steht „Peace", auch die Friedenstaube ist zu sehen. Die beiden in Peckelsheim zugelassenen Friedensmobile sind Nummer 23 und 24 von insgesamt 28 Friedensmobilen in Deutschland. Ein Friedensfahrzeug ist in Österreich unterwegs. „An Tankstellen oder auf Parkplätzen werden wir oft angesprochen, erst schauen die Leute skeptisch, dann gibt es aber doch oft tiefschürfende Gespräche", fasst Karin Eichler die Erfahrungen der ersten beiden Wochen mit dem besonderen Design der Autos zusammen. Es seien durchaus auch skeptische Reaktionen spürbar, es überwiege aber die positive Resonanz. "Es liegt uns wirklich fern, als Polizei aufzutreten" Beide haben sich vor der Umgestaltung der Autos informiert, was rechtens ist. „Wir dürfen keine Reflexfolie verwenden und natürlich keine Hoheitszeichen. Es liegt uns wirklich fern, als Polizei aufzutreten, wir wollen lediglich auf die Friedensbotschaft aufmerksam machen", betont Noël Eichler. Nebeneffekt sei allerdings, dass die Fahrten auf den Straßen für beide sicherer geworden seien. „Man merkt schon, dass die anderen Verkehrsteilnehmer vorsichtiger fahren, Drängeleien gibt es nicht mehr", hat Karin Eichler beobachtet. „Einige schauen dann genau hin und dann sieht man schon einmal, dass Andere das Peace-Zeichen machen", ergänzt Noël Eichler. Die Idee, die Autos als Friedensfahrzeuge umzuwidmen, ist durch Zufall entstanden. Bei der Recherche zum Thema Frieden stieß Noël Eichler auf die friedensbewegte Aktion der Werbetechniker Silke und Christian Volgmann. Sie suchten den Kontakt und setzten die Idee schnell um. „Wir haben einige Zeit mit der Familie Volgmann in Greifswald verbracht, als wir unsere Autos neu beklebt haben. Demnächst wollen wir mal ein Gruppentreffen veranstalten", hofft Noël Eichler auf ein Treffen der Friedensbewegten. Die Werbetechniker gestalten die Friedensautos nicht nur als Polizeiwagen, auch auf Feuerwehr- oder Rettungsfahrzeugen wird die Friedensbotschaft weiter verbreitet. Farben und Farbkombinationen sind in Deutschland nicht geschützt. Polizei und Ordnungsamt sind informiert Auch in der Region sei das besondere Design schon wahrgenommen worden, da gab es schon mal das ein oder andere Gespräch, bilanziert Karin Eichler. Die Familie Eichler hat die Idee auch unmittelbar dem städtischen Ordnungsamt mitgeteilt, auch bei der Polizei habe man auf die Intention aufmerksam gemacht. Beide wollen die Aktion nicht als Provokation, sondern als Plattform für die Friedensbotschaft verstanden wissen. „Viele Menschen wissen heute gar nicht mehr, wo überhaupt Kriege und Unruhen herrschen, das meiste erreicht uns in den Nachrichten überhaupt nicht. Darüber wollen wir mit den Menschen ins Gespräch kommen", erklärt Karin Eichler. „Frieden ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Es fängt bei der eigenen Person an, geht über Streitigkeiten am Gartenzaun, in der Nachbarschaft und der Familie und betrifft auch die Weltpolitik in immer stärkerem Maß", fasst Noël Eichler zusammen.

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