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Thomas Röckemann, Landesvorsitzender der NRW-AfD aus Minden, wird zum rechts-nationalen Flügel um Björn Höcke gezählt. - © picture alliance/dpa
Thomas Röckemann, Landesvorsitzender der NRW-AfD aus Minden, wird zum rechts-nationalen Flügel um Björn Höcke gezählt. | © picture alliance/dpa

Reihenweise Rücktritte AfD-Parteitag in Warburg endet im Chaos

Bis auf drei Mitglieder treten alle Vorstandsmitglieder zurück

Florian Pfitzner
06.07.2019 | Stand 09.07.2019, 10:59 Uhr

Warburg. Die nordrhein-westfälische AfD versinkt bei ihrem vorgezogenen Landesparteitag in Warburg im Chaos. Am Samstagabend stimmten 50,22 Prozent der Delegierten für ein vorzeitiges Ende des Parteitags. Eigentlich wollte man bis zum Sonntag tagen. Zuvor waren bis auf drei sämtliche Vorstandsmitglieder des größten Landesverbands zurückgetreten, unter ihnen der Vorsitzende Helmut Seifen, der sich zu den „Gemäßigten" in der Partei zählt. Der Mindener Ko-Vorsitzende Thomas Röckemann blieb im Führungsgremium der Partei, genauso Christian Blex und Jürgen Spenrath. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für ihre Abwahl wurde knapp verfehlt. Damit bleiben bis zur regulären Vorstandswahl am Jahresende überwiegend Mitglieder an der Parteispitze, die dem rechtsnationalen „Flügel" des thüringischen AfD-Chef Björn Höcke nahestehen. "Landesverband als Satellitenverband"  Landessprecher Helmut Seifen hatte über den Tag mit Anhängern des national-völkischen „Flügels" abgerechnet. „Lassen Sie es nicht zu, dass der größte Landesverband herunterkommt zu einem Satellitenverband", warnte Seifen die rund 500 Delegierten in der Warburger Stadthalle. Er forderte die Vorstandsmitglieder auf, ihre Ämter für einen Neuanfang niederzulegen. In der Stadt demonstrierten derweil Hunderte Menschen für ein buntes und weltoffenes Warburg. Der Landtagsabgeordnete Seifen, ein pensionierter Schulleiter aus Gronau, schimpfte über die Zustände im AfD-Landesvorstand. In Anspielung auf seine Kontrahenten um den Mindener Röckemann wolle er diejenigen „entlarven, die ihre Strippen ziehen und sich als willfährige Gefolgsleute landesfremder Herren verdingen". Wegen der „Machenschaften" der „Flügel"-Anhänger, die die NRW-AfD bis in die Kreisverbände unterwanderten, sei „der Bestand der Partei in großer Gefahr". "Sie sind eine Schande für die AfD" Zuvor hatte ein Delegierter gefordert, Seifen „zum Wohle Deutschlands" abzuwählen. „Sie sind eine Schande für die AfD", rief ein anderer während der hitzigen Aussprache am Samstagabend. Ein Antrag auf vorläufigen Ausschluss der Presse wurde abgelehnt. Ko-Landessprecher Röckemann kritisierte, dass der Vorstand den Parteitag auf das Wochenende des jährlichen Kyffhäuser-Treffens des rechtsnationalen „Flügels" in Thüringen gelegt hatte. Es gebe basisdemokratische Defizite im mit rund 5.300 Mitgliedern größten AfD-Landeverband. Er selbst habe keinen uneingeschränkten Zugang zur Landesgeschäftsstelle, sagte Röckemann. Er für seinen Teil habe „die Eier, das, was ich angefangen habe, auch durchzuziehen". Vielmehr sollten „die Amtsmüden doch gehen". Lautes Gegröle gegen "Öko-Sozialisten" Unter dem Gegröle einiger lauter Delegierter keilte Röckemann gegen Klimaschützer und Umweltbewegungen. „Wir sind der Endgegner, dem sich die Öko-Sozialisten stellen müssen." Im Namen der rechtsnationalen „Flügel"-Anhänger stellte er klar: „Wir sind in der AfD, weil wir das deutsche Staatsvolk erhalten wollen." Vor dem Hintergrund eines Streits mit mehreren Hundert beteiligten Badegästen in einem Düsseldorfer Freibad forderte Röckemann, „Multikulti-Massenschlägereien" per Video zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Aus den Kreisverbänden sei der Wunsch geäußert worden, die Vorstandwahlen vorzuziehen, sagte Seifen. Es sei an der Zeit, Klarheit in der AfD zu schaffen.

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