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 Gertrud Flore vom SkF Warburg macht in den Büroräumen an der Kirchstraße auf die Fachbegleitung ehrenamtlicher Betreuerinnen und Betreuer aufmerksam. - © Dieter Scholz
 Gertrud Flore vom SkF Warburg macht in den Büroräumen an der Kirchstraße auf die Fachbegleitung ehrenamtlicher Betreuerinnen und Betreuer aufmerksam. | © Dieter Scholz

Warburg Warburger Frauen-Sozialdienst bietet rechtlichen Betreuern Hilfen an

Kostenfrei und kompetent: Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) macht im Bereich der rechtlichen Betreuungen auf die Arbeit seines Betreuungsvereins aufmerksam. Freiwillige werden immer gesucht

Dieter Scholz
23.05.2019 | Stand 23.05.2019, 17:21 Uhr

Warburg. Rechtlich Betreute nehmen ihre neue Situation ganz unterschiedlich wahr, sagt Gertrud Flore. Manche zeigten völliges Unverständnis, anderen sei die Notwendigkeit klar. Derzeit legen die Verantwortlichen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in ihrem Angebot ein besonderes Augenmerk auf den Betreuungsbereich. Flore spricht von einem stetigen Anstieg rechtlich Betreuter in der Gesellschaft. Das weist auch der jetzt vorgelegte Geschäftsbericht des SkF für das vergangene Jahr aus. Mit zunehmenden Alter wird der Alltag kompliziert: Eine Haushaltshilfe kann Kochen, Putzen oder Einkaufen übernehmen. Doch wenn es um das Bezahlen von Rechnungen, um Ämtergänge oder Arztbesuche geht, muss man sich selbst kümmern. Klappt das nicht ohne fremde Hilfe, „ist oft eine gesetzliche Betreuung nötig", sagt Flore. In erster Linie sind das erwachsene Kinder, Anverwandte oder Nachbarn. Fallen diese als ehrenamtliche Betreuer aus, können andere ehrenamtlich oder berufsmäßig Tätige die Aufgabe übernehmen. 154 ehrenamtliche Betreuer Betreuer übernehmen auf gerichtliche Anordnung die rechtliche Betreuung von Menschen, die aufgrund körperlicher, geistiger, psychischer oder seelischer Leiden nicht in der Lage sind, ihre Angelegenheit selbstständig zu regeln. „Wenn kein Bevollmächtigter bestimmt ist, wird zum Wohle von Menschen eine gesetzliche Betreuung eingerichtet", erklärt Flore. Die Fachkräfte des SkF schulen, beraten und unterstützen ehrenamtliche Betreuer und Bevollmächtigte und führen auch selbst Betreuungen durch. „Wir haben zurzeit 154 ehrenamtliche Betreuer mit 211 Betreuungen, die wir in ihrem Engagement begleiten", nennt Flore Zahlen. Zudem seien im vergangenen Jahr 85 Personen von den drei Mitarbeiterinnen des Betreuungsvereins des Warburger SkF in ihrer Arbeit nach dem Betreuungsgesetz betreut worden. Vor allem im Bereich der psychisch Erkrankten und Menschen mit geistiger oder Mehrfach-Behinderung. Es müsse mehr im ehrenamtlichen Bereich passieren, sagt die SkF-Geschäftsführerin. Denn es werde für Ehrenamtliche immer schwieriger, die Arbeit leisten zu können. „Weil die Anforderungen steigen", nennt Flore einen Grund. Allein Anträge bei den verschiedenen Sozialleistungsträgern zu stellen, werde immer komplizierter und aufwendiger. "Ich bestimme jetzt, wer mein gesetzlicher Betreuer wird" Auch im Zuge des Bundesteilhabegesetzes stiegen Regelungen, Berichtsführung und Schriftverkehr. „Da brauchen sie Hilfe und Unterstützung", weiß Flore. Den einzigen Anlaufpunkt in dieser Hinsicht biete im Kreis Höxter der Betreuungsverein des Warburger SkF, hält sie fest. Für ihren Sozialverband sieht sie eine weitere Zunahme an Beratungen voraus. Doch wird sie nicht müde, fürs Ehrenamt zu werben. Angehörige sollten vorausschauend handeln und vorsorgen: Entweder sollte der Betroffene jemanden bevollmächtigen, später bei Formalitäten und Bankangelegenheiten unterschreiben zu dürfen. „Eine andere Möglichkeit ist die eine Betreuungsverfügung", sagt Gertrud Flore. „Ich bestimme jetzt, wer mein gesetzlicher Betreuer wird, wenn ich nicht mehr in der Lage dazu bin." Auch zu dieser Möglichkeit beraten die Mitarbeiter des SkF. „Eine Neuregelung ist dringend nötig" „Die Vergütung in der beruflichen Betreuung ist seit Jahren unverändert", sagt Gertrud Flore. Trotz erheblich gestiegener Personalkosten seien die Pauschalen für die Betreuungstätigkeit nicht angepasst worden. Die ersten Betreuungsvereine hätten bereits aufgegeben. „Eine Neuregelung ist dringend nötig", fordert Flore. Denn die finanzielle Lage der gesetzlichen Betreuung werde „immer kritischer". Am Donnerstag verabschiedete der Bundestag einen Gesetzentwurf, der eine Erhöhung um durchschnittlich 17 Prozent und eine Umstellung von Stundenabrechnungen auf monatliche Fallpauschalen vorsieht. Ob die Reform tatsächlich schnell in Kraft tritt, ist aber ungewiss. Der Bundesrat hat eine Reihe von Änderungswünschen angemeldet, die von der Bundesregierung zurückgewiesen wurden. Ohne Zustimmung der Länderkammer, des Bundesrates, kann das Gesetz nicht in Kraft treten. Noch werde von den Wohlfahrtsverbänden wohl weiter um eine auskömmliche Finanzierung gerungen werden müssen, sagt Gertrud Flore.

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